Do, 23. November 2017

Figueroa-Prozess

16.09.2013 14:32

OÖ: Sachverständiger soll Entlastungsvideo prüfen

Im Prozess gegen den ehemaligen guatemaltekischen Polizei-Subdirektor Javier Figueroa hat das Gericht nun einen Sachverständigen bestellt, der ein Video, von dem sich der Angeklagte Entlastung erhofft, prüfen soll. Dem 42-Jährigen wird die Beteiligung an der Erschießung von sieben Häftlingen im September 2006 in seinem Heimatland vorgeworfen. Am Montag wurde die Verhandlung im Landesgericht Ried im Innkreis fortgesetzt.

Es geht um einen Einsatz in der Haftanstalt Pavon. Diese stand unter Kontrolle der mehr als 1.000 Gefangenen, als in einer großen Aktion von Polizei, Militär und Strafvollzug die Macht über das Gefängnis 2006 zurückerobert wurde. Dabei gab es Tote. Die offizielle Version lautete, dass die Insassen Widerstand geleistet hätten und im Kampf umgekommen seien.

So stellt auch Figueroa den Ablauf dar. Die Staatsanwaltschaft Ried spricht aber von einer "Todesliste", die abgearbeitet worden sei, und dass der Angeklagte davon gewusst und diesen Plan gefördert habe.

Mündungsfeuer auf Video erkennbar?
Figueroa erhofft sich von einem Video, das Teile des Einsatzes zeigt, Entlastung. Darauf sind Lichtblitze zu sehen, die von einer Gefangenenunterkunft kommen. Er will damit beweisen, dass die Häftlinge tatsächlich geschossen haben. Das Gericht hat am Montag einen Sachverständigen damit beauftragt festzustellen, ob es sich bei den Lichtblitzen um Mündungsfeuer oder beispielsweise um abprallende Kugeln handelt.

Guatemalas Ex-Präsident auf Zeugenliste
Im Lauf der Verhandlung am Montag konfrontierte die Staatsanwältin Figueroa mehrfach mit widersprüchlichen Details in seinen Aussagen. Der Angeklagte konterte wortreich. Er betonte erneut, er habe sich in Guatemala Feinde im Sicherheitsapparat gemacht, weil er sich gegen die blühende Korruption eingesetzt habe.

Auf die Frage, wieso er dann in eine hohe Position bei der Polizei habe kommen können und nicht von seinen Widersachern verhindert worden sei, meinte er, es sei Linie des damaligen Präsidenten Oscar Berger gewesen, dem Militär Macht wegzunehmen. Berger wird voraussichtlich am Mittwoch persönlich vor dem Landesgericht Ried aussagen.

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