Do, 14. Dezember 2017

Wintervorbote

13.09.2013 11:39

Capcom lässt Gamer mit "Lost Planet 3" frösteln

Auch wenn wir es noch nicht wahrhaben wollen: Die Tage werden wieder kürzer und kälter. Während sich in den Supermärkten bereits erste Lebkuchen- und Spekulatius-Türme stapeln, läutet Publisher Capcom den Winter vorzeitig mit "Lost Planet 3" ein. krone.at hat den frostigen Shooter unter die Lupe genommen.

In "Lost Planet 3" verschlägt es Gamer abermals auf den nicht gerade lebensfreundlichen Planeten E.D.N. III, allerdings viele Jahre vor den Ereignissen des ersten Teils. Die angenehme Folge dessen: Es ist zwar kalt, aber nicht so arschkalt, dass Protagonist Jim Peyton ständig Gefahr laufen würde, in den eisigen Weiten zu erfrieren. Als eine Mischung aus fürsorglichem Familienvater, Ingenieur und Söldner ist es seine Aufgabe, für das bereits hinlänglich bekannte Unternehmen NEVEC den E.D.N. III durchströmenden Rohstoff namens T-Energie abzubauen und hier und da ein paar zusätzliche Handgriffe zu erledigen – gegen Bares, versteht sich.

Tolle Charaktere in nur durchschnittlicher Story
Denn das Einzige, was für Peyton zählt, ist, seine auf der Erde zurückgebliebene und auf ihn wartende Familie durchzufüttern. Die Beziehung zwischen dem Kolonisten und seiner Frau ist Gegenstand zahlreicher Videobotschaften, die sich die voneinander Getrennten durchs Weltall schicken, und verleiht dem Spiel die gewisse menschliche Note. Man merkt, dass Entwickler Spark ("Call of Duty: Finest Hour") viel Zeit darauf verwendete, den Charakteren eine Persönlichkeit und somit Leben einzuhauchen. Dessen ungeachtet verläuft die eigentliche Handlung auf sehr vorhersehbaren Bahnen, erst recht für Fans, die zumindest den ungefähren Fortgang der Geschichte bereits aus Teil eins kennen. Guter Mensch, böser Konzern – "Avatar" lässt grüßen.

Schwerfällige Steuerung
Auch in Sachen Gameplay gelingt es "Lost Planet 3" letztlich nicht, vollends zu überzeugen. Zu einfach und geradlinig gestrickt sind die Missionen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wenn Peyton nicht in seinem Reparatur-Mech sitzt, um durch Stürme eingefrorene oder beschädigte Förderanlagen und andere überlebenswichtige Einrichtungen wieder instand zu setzen, dann nutzt er den gewaltigen Roboter, um schwerfällig von A nach B zu gelangen. Etwaige Monster, die ihm dabei in die Quere kommen, sind in der Regel so flink, dass sie aufgrund der behäbigen Mech-Steuerung nur schwer zu fassen sind, sodass man sich als Spieler immer wieder genötigt sieht, den Mech zu verlassen und sein Glück gegen die Akriden genannten Alien-Gegner zu Fuß zu versuchen.

Ohne den Mech funktioniert die Steuerung zwar auf Anhieb besser, doch optimal sind das Zielverhalten und das Deckungsfeature trotzdem nicht. In Panik geraten muss man deswegen jedoch nicht: Mit einem gekonnten und vor allem rechtzeitigen Sprung zur Seite lassen sich selbst die großen, gepanzerten Boss-Gegner mit ein wenig Geduld und gezielten Schüssen auf ihre rot leuchtenden Schwachstellen außer Gefecht setzen. Die Dramatik dieser an sich imposant anzusehenden Kämpfe geht durch das ständige Gehopse jedoch leider verloren. Bei den kleinsten Gegnern ist sie gleich gar nicht vorhanden: Diese dienen bestenfalls als Kanonenfutter. Einzig in der "Mittelgewichtsklasse", etwa bei den pantherartigen Akriden oder den rollenden Krebsen, scheint die Herausforderung zu stimmen.

"Pimp my Mech"
Wenn Peyton nicht gerade in seinem Mech sitzt oder zu Fuß durch die Eislandschaften streift, wobei ein Enterhaken beim Überwinden von Steilklippen wertvolle Dienste leistet, dann ist er im Hauptquartier seines Arbeitgebers anzutreffen, das als Ausgangspunkt für die Haupt- sowie die wenigen optionalen Nebenmissionen dient. Letztere bestehen in der Regel nebst zusätzlicher Laufarbeit hauptsächlich darin, eine bestimmte Anzahl bestimmter Gegner zu töten. Sie sind demnach wenig originell, bescheren Peyton aber weitere Credits auf dem Konto, mit denen sich neue, durchwegs konventionelle Waffen, Upgrades für selbige sowie diverse Mech-Verbesserungen kaufen lassen.

Karge und trostlose Optik
In Sachen audiovisueller Präsentation weiß "Lost Planet 3" durchaus zu gefallen. Aufgrund der klimatischen Bedingungen sind die Schauplätze zwar etwas karg und trostlos, was aber gut zur vorherrschenden Stimmung passt und das Gefühl der Isolation und Abgeschiedenheit unterstreicht. Schade nur, dass sich die anfangs offen geglaubte Spielwelt bei genauerem Hinsehen als deutlich weniger weitläufige Ansammlung einzelner Kartenabschnitte entpuppt, von denen einige noch dazu immer wieder durchlaufen werden müssen. Pluspunkte sammelt der Capcom-Titel hingegen mit seinem Weltschmerz versprühenden Country-Blues-Rock-Soundtrack, der durch die virtuellen Boxen des Mechs schallt. Witziger Einfall: Zusammengestellt und nach E.D.N. III verschickt wurde die Playlist von Peytons Frau, wodurch der musikalischen Untermalung zusätzliche Bedeutung beigemessen wird.

Erfrischender Multiplayer
Schließlich hält "Lost Planet 3" noch einen umfangreichen Online-Multiplayer-Part parat, der mit durchaus innovativen Neuerungen aufzuwarten vermag. So dürfen Gamer ihren Charakter beispielsweise über einen Fertigkeitenbaum nach Belieben formen und den eigenen Spielvorlieben anpassen – sei es in Richtung Sniper oder Sanitäter. Bei den Modi überrascht der Third-Person-Shooter neben klassischen Spielvarianten wie Team Deathmatch (5 vs 5) unter anderem mit einer spannenden Capture-The-Flag-Variante, bei der die Flagge ein wildes und sich bewegendes Alien ist. Gleichermaßen fordernd wie spaßig ist auch der Überlebensmodus, in dem zwei Teams zu je drei Spielern zuerst Horden von Akriden abwehren und dann um einen Kontrollpunkt kämpfen müssen. Je nach Karte gibt es übrigens auch ein Wiedersehen mit den bekannten Vital Suits sowie kleinen, mit Maschinengewehr und Raketenwerfer bewaffneten Mechs.

Fazit: "Lost Planet 3" lässt nicht zuletzt aufgrund der überaus menschlichen Charaktere zwar niemanden kalt, so richtig überspringen will der Funke aber trotzdem nicht. Zu gewöhnlich sind Story und Gameplay, zu gewöhnungsbedürftig hingegen oftmals die Steuerung. Da helfen auch die hübsche Aufmachung und der gute Soundtrack nur wenig. Etwas anders verhält es sich beim Mulitplayer: Hier ist es den Entwicklern besser gelungen, frische Ideen einzubringen und Akzente zu setzen.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Capcom
krone.at-Wertung: 7/10

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