Sa, 18. November 2017

Kührer-Prozess

12.09.2013 18:27

Nachbar (48) berichtete über Fund des Skeletts

Tag drei im Prozess rund um den Tod von Julia Kührer: Am Donnerstag wurde am Landesgericht Korneuburg die Befragung von weiteren Zeugen - insgesamt sind rund hundert geladen - fortgesetzt. Dabei kam auch jener Mann zu Wort, der am 28. Juni 2011 die skelettierte Leiche der Schülerin im Erdkeller auf dem Grundstück des 51-jährigen Angeklagten fand.

Während am Mittwoch Familie, Freunde und Schulkolleginnen Einblick in das Lebensumfeld des Mädchens und die damalige Jugendszene im Ort gaben, beleuchteten am Donnerstag Zeugen die Persönlichkeit von Michael K. Er sei ein Angeber, war zu hören. "Ollas was bei drei net am Bam war, hat eam ghört", beschrieb ihn ein Botenfahrer.

Laut der Chefin einer Partnervermittlung, deren Kunde der Beschuldigte war, beschwerte sich eine Dame, er sei "kein Gentleman". Eine frühere Freundin des Angeklagten erklärte jedoch auch, dass der 51-Jährige ein gewisses Charisma hatte. Eine Freundin Julias gab an, diese habe sich "Crystal Meth" aus der Videothek und auch aus Dietmannsdorf besorgt.

Nachbar: "Habe schon lange den Verdacht gehabt"
Danach schilderte ein Nachbar in Dietmannsdorf, wie es Ende Juni 2011 zur Auffindung der sterblichen Überreste des Mädchens gekommen war. Er habe schon lange den Verdacht gehabt, dass die Leiche in dem Erdkeller liegen könnte, erklärte der 48-Jährige. Bestärkt darin habe ihn die Beobachtung seines Vaters, der am Vormittag ausgesagt hatte, den Angeklagten K. im Auto mit einem dunkelhaarigen Mädchen zufahren gesehen zu haben.

Außerdem sei K. nach Julias Verschwinden ebenfalls "von heute auf morgen" verschwunden, so der 48-Jährige. Dazu habe man K. mit "Drogengeschichten" in Verbindung gebracht. Geredet sei damals viel worden, aber an die Öffentlichkeit sei niemand gegangen, meinte der Nachbar. Im September, Oktober 2006 sei in der Ortschaft ein unerklärlicher, penetranter Geruch bemerkt worden, sagte der Zeuge.

"Warum soll ein Mann keine Angst haben?"
Knapp fünf Jahre später, am 28. Juni 2011, feierte er seinen Geburtstag, dabei wurde vom Fall Kührer geredet. Sein Nachbar bestätigte ebenfalls denselben Verdacht zu haben. Allein wäre er aber nie in den Keller gegangen, meinte der 48-Jährige auf die Frage, ob er von Alkohol enthemmt war, als er mit seinem Nachbarn in den Keller einstieg. "Warum soll ein Mann keine Angst haben?", entgegnete er auf die Frage des Senats, warum er sich das nicht vorher nicht getraut habe.

Der 48-Jährige und sein Nachbar kletterten auf das Grundstück und begaben sich in den Keller. Mit Taschenlampen leuchteten sie den rund 15 Meter langen Weg aus - und fanden im hinteren Teil zuerst einen Oberschenkelknochen. Sie riefen die Polizei, Kriminalisten wurden zugezogen. Untersuchungen bestätigten schließlich, dass es sich um die Überreste der Schülerin handelte.

Finderlohn gespendet
Von der Auslobung eines Finderlohns in dem Fall habe er irgendwann erfahren, sagte der Mann. Den Finderlohn habe er gespendet. Wieso in der ersten Aussage festgehalten wurde, dass beide angaben, zufällig eingedrungen zu sein, weil der Ball ihres Hundes in den Keller gerollt war, könne er nicht erklären, sagte er am Donnerstag vor Gericht. Relevant sei das Auffinden der Leiche, sagte Richter Helmut Neumar. Verfahren wegen Falschaussage würde es jedenfalls keines geben.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Nach zwei weiteren Verhandlungstagen ist für den 24. September ein Urteil geplant.

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