Fr, 15. Dezember 2017

Vernetzte Fahrzeuge

12.09.2013 10:13

Das Auto wird zum App-Store auf Rädern

Das Auto geht den Weg des Smartphones - und das Geschäft der Industrie wird sich mit dem Vormarsch des Internets tiefgreifender verändern als in den gut 100 Jahren davor, davon sind Branchenbeobachter überzeugt. Denn die Autobauer geben über Partnerschaften mit IT-Unternehmen so viel Kontrolle ab wie nie zuvor. Doch die Annäherung verläuft oft mühsam und reibungsvoll: "Da prallen zwei verschiedene Welten aufeinander", sagt ein Insider.

Dabei gibt es auf dem Weg zum vernetzten Auto kein Zurück mehr. "Es wäre naiv anzunehmen, dass, wenn das Auto ein Teil des Internets wird, das Internet den Spielregeln der Autoindustrie folgt", sagt Ralf Lenninger, der beim Autozulieferer Continental die Kontakte zur IT-Branche pflegt. "Das vernetzte Auto ist nur mit vernetzten Industrien zu machen." So gab Continental auf der IAA eine Partnerschaft mit dem IT-Riesen IBM bekannt, mit der unter anderem Cloud-Dienste ins Auto kommen sollen. Der Netzausrüster Cisco ist bereits im Boot. Ein weiterer Partner wird gesucht.

Es gehe dabei etwa um hochpräzise Straßenkarten, sagt Christian Senger, Chef der Autoelektronikforschung bei Continental. Ein Thema, mit dem zum Beispiel Nokia für sich wirbt. Der finnische Konzern, der kürzlich den Verkauf seiner Handysparte an Microsoft besiegelte, ist diesmal erstmals bei der IAA dabei und zeigt eine Plattform für Online-Dienste.

Mit der Zeit wird das Auto zu einer Art App Store auf Rädern, ist sich Lenninger sicher. "Es entsteht eine Plattform für Anwendungen anderer Anbieter mit Funktionen, über die wir heute noch nicht einmal nachdenken." Karten im Navigationsgerät könnten per Funk aktualisiert werden oder kommen gleich aus der Cloud und Apps weisen auf freie Parkplätze hin oder übermitteln bei Unfällen persönliche Informationen an Rettungsdienste. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Fortschritte beim autonomen Fahren
Die Spitze der Evolution für das vernetzte Auto ist das autonome Fahren - und hier macht die Industrie enorme Fortschritte. Noch vor zwei Jahren zeigte der französische Zulieferer Valeo auf der IAA ein System, das rückwärts im 90-Grad-Winkel einparken konnte. Jetzt sucht sich das Auto mit Valeo-Technik eine Lücke auf dem Parkplatz komplett selbst. Daimler hingegen ließ einen Testwagen auf Basis der Mercedes-S-Klasse die rund 100 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim fahren - völlig autonom, und zwar mit seriennaher Technik, wie der Konzern betont.

"Technologischer Overkill"
Aber sind Autofahrer auch bereit, für all das mehr zu zahlen? Der Autozulieferer Bosch wollte genau das in einer Studie zu dem Thema herausfinden. "Generell sind die Befragten eher zurückhaltend, wenn es darum geht, für die Funktionen tiefer ins Portemonnaie zu greifen", heißt es darin. Am ehesten bereit, einen Aufpreis zu zahlen, waren die Teilnehmer für Funktionen zur Notbremsung oder auch für einen Ausweichassistenten. "Die Kunst liegt darin, keinen technologischen Overkill zu machen", glaubt Conti-Mann Senger.

Erste selbstfahrende Autos ab 2020
Das selbstfahrende Auto werde etwa 2020 in den Alltag kommen, prognostizieren unter anderem der Pionier Google und Renault-Chef Carlos Ghosn. "Bis dahin werden wir die bisherigen Probleme im Griff haben", zeigte sich Ghosn in Frankfurt überzeugt. "Wir kennen die Lösungen, wir müssen nur dafür sorgen, dass sie verlässlich und erschwinglich werden." Zugleich räumt er ein: "Das Problem der Haftung ist noch nicht geklärt." Denn wer trägt die Verantwortung, wenn ein selbstfahrendes Auto in einen Unfall verwickelt wird? Der in diesem Moment untätige Mensch am Steuer oder der Hersteller?

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