So, 17. Dezember 2017

Tausende wehren sich

10.09.2013 11:17

Mexiko: Bürgerwehr kämpft gegen Drogenkartell

In Mexiko formiert sich immer mehr Widerstand gegen die brutalen Kartelle, die sich seit über zehn Jahren einen Krieg mit der Regierung liefern und die Bevölkerung bedrohen. Im Bundesstaat Michoacan in der Landesmitte etwa kämpft seit Monaten eine immer besser bewaffnete und koordinierte Bürgerwehr gegen Gewalt und Erpressung - mit Erfolg.

Es begann mit einigen kleineren Selbstverteidigungsgruppen, berichtet die "Washington Post", doch in den letzten Monaten verbreitete sich der Widerstand der Bürger über Dutzende Städte in ganz Michoacan.

Der Bundesstaat ist in den Fängen der "Tempelritter", des drittgrößten Drogenkartells Mexikos. Die Mitglieder sind berüchtigt dafür, Schutzgeld zu erpressen - für alles von Kühen bis hin zu Tortillas. Wer nicht bezahlt, wird ermordet. Im Mai wurde die Armee in die Region entsandt, doch die Soldaten würden meist lediglich Checkpoints an Hauptstraßen überwachen, so der Bericht.

"Ich werde in Freiheit leben"
So sehen viele Bürger keine andere Möglichkeit, als der Drogenmafia selbst den Kampf anzusagen. Vom untersetzten 63-jährigen Bauern über den 23-Jährigen mit Metallschüssel als Helmersatz bis hin zu einer 47-jährigen Bürokratin reicht das Spektrum der Bürgerwehrler - Letztere sagte etwa zur "Washington Post": "Es kann sein, dass ich ein Jahr lebe oder 15, aber ich werde in Freiheit leben."

Waffen und Autos von Kartellen erbeutet
In diesem Kampf um Freiheit gibt es Erfolge zu vermelden: Einigen Gruppen ist es bereits gelungen, Gangster zu verjagen - ein Vorhaben, an dem die staatlichen Behörden seit zehn Jahren scheitern. Die freiwilligen Kämpfer begannen laut Bericht, sich mit alten Jagdgewehren und sogar Steinschleudern zu wehren, doch inzwischen sei ihr Arsenal beträchtlich: Die Bürgerwehren konnten den Kartellen zum Teil mit Silber verzierte AK-47-Gewehre abnehmen, genau wie gepanzerte Wagen und andere Beute.

Tausende wehren sich
Das haben sie auch Jose Manuell Mireles zu verdanken, der inzwischen viele Aktivitäten der Bürgerwehr koordiniert. "Wir sind mit nur einem Gedanken zusammengekommen: töten oder getötet werden", beschreibt Mireles die Verzweiflung der Einwohner. Alles, was die Bürger hätten, sei ihr Wille, sich zu wehren. Inzwischen seien Tausende der Drogenmafia auf den Fersen, schätzte er.

Peinlich für Mexikos Präsidenten
Ob Präsident Pena Nieto dem Treiben der Milizionäre - deren Erfolge an seinem ohnehin beschädigten Image kratzen - noch lange zusieht, ist allerdings unklar. Vielfach habe die Armee schon versucht, den Bürgern Waffen abzunehmen, heißt es, bisher jedoch ohne großen Erfolg. Es gebe Gerüchte, die Regierung wolle Mireles und einen weiteren Anführer vor Gericht stellen. Andererseits würden Soldaten vermehrt mit der Bürgerwehr kooperieren.

Bürgerwehr eroberte Stadt
Michoacan ist nicht der erste Bundesstaat, in dem die Bürger genug haben vom Terror der Drogenmafia. Im südlich angrenzenden Gerrero operiert ebenfalls schon seit Längerem eine Bürgerwehr mit rund 1.500 Mitgliedern. Diese eroberten zum Beispiel Ende März eine Stadt von den Kartellen zurück (siehe Infobox). Auch dort erklärten die Widerständler, sie hätten kein Vertrauen in die Behörden und genug von den Erpressungen und Morden der Kriminellen.

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