So, 19. November 2017

Im TV-Duell

09.09.2013 23:18

Strache-Angriffe perlten an Spindelegger ab

Man hatte ein sehr untergriffiges und turbulentes TV-Duell zwischen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und ÖVP-Bundesparteiobmann Michael Spindelegger erwartet. Doch die ORF-Konfrontation am Montagabend verlief entgegen den von beiden Spitzenkandidaten bisher gezeigten Auftritten eher ruhig. Zwar ritt Strache immer wieder Attacken gegen die ÖVP - diese kümmere sich zum Beispiel nicht um die kleinen Leute. Doch Spindelegger ließ sich nicht beeindrucken und appellierte, Strache solle die Bevölkerung nicht verunsichern.

Im Gegensatz zu seinen bisherigen Auftritten in den heurigen TV-Konfrontationen zeigte sich Spindelegger deutlich ruhiger. Dafür setzte er auf sarkastische Pointen, etwa als er in Richtung Strache angesichts von dessen Euro-Skepsis als FPÖ-Plan mutmaßte: "Die Griechen brauchen wieder die Drachme und die Österreicher die Strachme."

Ganz so sagte es der FPÖ-Chef danach nicht. Strache machte aber klar, dass für ihn eine Rückkehr zu den nationalen Währungen eine Option sei, sollte sich kein Euro der starken Wirtschaftsnationen entwickeln. Als Argument gegen die Gemeinschaftswährung diente dem freiheitlichen Obmann, dass EU-Staaten ohne Euro wie Schweden heute wirtschaftlich besser dastünden als Österreich.

"Rot-Schwarz kriecht unter Teppich nach Brüssel"
Einmal mehr sprach sich Strache für eine drastische Senkung der österreichischen EU-Beiträge aus. Von Rot-Schwarz erwarte er in dieser Beziehung nichts, krieche die Regierung doch immer "unter dem Teppich nach Brüssel", so Strache.

Spindelegger konzedierte, dass auch er sich ein besseres Verhandlungsergebnis beim Ringen um die österreichischen Beiträge vorstellen hätte können, sei doch aus seiner Sicht zu wenig auf den österreichischen Rabatt geachtet worden: "Schlecht ist das Ergebnis nicht, aber es ist auch nicht gut."

"Ihr Horizont reicht nur bis zur Landesgrenze"
An sich brach der Vizekanzler aber neuerlich eine Lanze für EU und Euro – nämlich im Sinne der österreichischen Wirtschaft und der Landwirtschaft. Den FPÖ-Chef nimmt Spindelegger als Europapolitiker weiterhin nicht ernst: "Ihr Horizont geht nicht über die Landesgrenze hinaus", befand der Vizekanzler.

Nicht viel miteinander anfangen konnten die Kontrahenten auch, was die Ausländer-Frage angeht. Strache warnte vor "Asylbetrug und Islamismus" und hielt der Regierung vor, beim "Import von kriminellen Ausländern" wegzuschauen. Zudem warnte der FPÖ-Chef vor Massenzuwanderung aus Bulgarien und Rumänien. Spindelegger bestritt dies inhaltlich und meinte: "Ich bin fassungslos, wie man Menschen in Österreich so verunsichern kann."

ÖVP "regiert", FPÖ "queruliert"
Strache versuchte sich auch noch als Sozialpolitiker, erklärte, die Regierung habe die Ärmsten der Armen im Stich gelassen, womit er etwa eine fehlende Valorisierung des Pflegegelds ebenso meinte wie die niedrigen Pensionsanpassungen. Spindelegger meinte hierzu: "Ich bin derjenige, der regiert, und er ist derjenige, der queruliert."

Ganz fallen gelassen hat Spindelegger die schwarz-blaue Karte aber nicht. Auf die Frage, ob es zu einer entsprechenden Zusammenarbeit kommen könnte, meinte der VP-Chef, Grundvoraussetzung wäre, dass EU und Euro nicht infrage gestellt würden. Von Strache kam eine Koalitionsbedingung - nämlich die Abschaffung der "ORF-Zwangsgebühren" - in jenem Moment gefordert, als er von mehreren Zwischenfragen der Moderatorin ein wenig genervt war.

"Wenn ich Dritter werde, trete ich zurück"
Auf die allerletzte Frage von Moderatorin Ingrid Thurnher, was passieren würde, sollte die ÖVP bei der Wahl auf den dritten Platz hinter die FPÖ zurückfallen, antwortete Spindelegger: "Dann trete ich sofort zurück."

"Krone"/IMAS-Umfrage: Spindelegger klar vorne
Laut der aktuellen repräsentativen "Krone"/IMAS-Umfrage zur TV-Konfrontation gewann Spindelegger mit eindeutigem Vorsprung. Der Vizekanzler wurde in fast sämtlichen Kategorien wie "sympathisch", "sachlich", "überzeugend" und "kompetent" deutlich besser bewertet als Strache. Im Gesamteindruck waren 49 Prozent der Befragten der Ansicht, Spindelegger habe besser abgeschnitten, 32 Prozent meinten, Strache sei der Bessere gewesen. Als gleich gut bewerteten 19 Prozent der Befragten den ÖVP- und den FPÖ-Chef. Ein Prozent der Befragten machte zu dieser Runde keine Angaben. Insgesamt wurden 311 Personen telefonisch befragt.

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