Mo, 18. Dezember 2017

Kunst oder Schund?

09.09.2013 16:09

Bietet völlig absurdes Theater: "Killer Is Dead"

Goichi Suda alias Suda51 ist kein Unbekannter in der Gaming-Szene: Mit Spielen wie "killer7", "No More Heroes", "Shadows Of The Damned" oder "Lollipop Chainsaw" schuf er in sowohl optischer als auch erzählerischer Hinsicht einzigartige Spiele, die stets ein bisschen schrill und schräg, kurzum anders, waren. Sein jüngster Streich namens "Killer Is Dead" macht da keine Ausnahme. Der Grat zwischen Kunst und Schund ist diesmal allerdings ein äußerst schmaler.

"Killer Is Dead" erzählt die Geschichte des Auftragskillers Mondo Zappa, zu dessen Markenzeichen ein schwarzen Anzug, ein schnittiges Katana sowie, durchaus untypisch, ein kybernetischer Arm zählen. Letzterer nährt sich vom Blut seiner Feinde und erfüllt im Verlauf des Spiels gleich mehrere Funktionen – vom Schießeisen bis zum Bohrer. Ein echtes Multifunktions-Werkzeug eben.

Killer und Gigolo in einem
Wenn Mondo nicht gerade mordend durch die Lande zieht, dann sucht und versucht er sein Glück bei den Frauen, die er zunächst mit den Augen und dann später richtig auszieht, um von den entblößten Pixel-Schönheiten Upgrades zu erhalten. Gigolo-Missionen nennen die Entwickler diese optionalen Herausforderungen, die dem Spiel schon im Vorfeld der Veröffentlichungen – völlig zu recht - einen zweifelhaften Ruf einbrachten.

Hübsche Oberfläche mit wenig darunter
Plumper Sexismus ist aber nicht das einzige Vergehen, dessen "Killer Is Dead" sich schuldig macht. Es ist vor allem die konfuse Erzählweise, die den Titel hinter anderen Spielen Sudas zurückfallen lässt. Anfangs noch cool und geradezu poetisch im Stil einer Grafik-Novelle in Szene gesetzt, entwickelt sie sich alsbald zu einer wirren Aneinanderreihung kaum nachvollziehbarer Handlungsfragmente, deren Absurdität nur noch durch zumeist sinnentleerte Dialoge und eine schrill kichernden Assistentin in Schulmädchenuniform getoppt wird.

Vieles von dem, was Suda51 mit seinen bizarren Charakteren offenbar zu erklären versucht, bleibt auch nach Stunden noch ein Rätsel. Und so ertappt man sich dabei, wie man immer öfter die teils ausgiebigen Zwischensequenzen überspringt – auch auf die Gefahr hin, sich damit selbst um tiefergehende Einblicke in das Leben des wahnsinnigen Königs auf dem Mond, der wildgewordenen Dampflokomotive oder des grünlich schimmernden Einhorns zu bringen.

Überzeugende Action
So verwirrend "Killer Is Dead" aber auch sein mag: In spielerischer Hinsicht präsentiert sich der Suda51-Titel eingängig wie selten zuvor. Mit Katana und Robo-Arm metzelt sich Mondo durch die insgesamt zwölf Gebiete, an deren Ende jeweils ein Boss-Kampf auf ihn wartet. Über Erfolg und Misserfolg im Kampf entscheidet dabei stets das richtige Timing. Wer Angriffsmuster erkennt, rechtzeitig ausweicht und das passende Knöpfchen drückt, kann alsbald vernichtende Kombos entfesseln und mit Finishing-Moves die Reihen der Gegner lichten.

Gerade diese Spezialattacken sind derart imposant inszeniert, dass es eine wahre Freude ist und sich der Blutrausch fast schon virtuell nacherleben lässt. Ganz ungetrübt bleibt der optische Genuss aber trotzdem nicht. Oftmals übertreibt es Suda51 mit seinen starken Kontrasten und den grellen Farben, hinzukommen Probleme mit der Kamera und dem sogenannten Tearing, das Bilder immer wieder zerreißt und so den positiven und stimmigen Gesamteindruck schmälert.

Der Soundtrack aus der Feder von Akira Yamoka, der bereits für die Klänge der "Silent Hill"-Serie verantwortlich zeichnete, hinterlässt ebenfalls gemischte Gefühle. Denn fast ebenso oft, wie manche Töne das optische Geschehen gekonnt unterstreichen und zur Atmosphäre beitragen, treffen sie daneben und lassen die Handlung unfreiwillig gleich noch komischer wirken.

Fazit: Nur weil etwas anders und außergewöhnlich ist, ist es noch lange nicht gut. Mit "Killer Is Dead" verliert sich Entwickler Suda51 in vielen nur schwer bis gar nicht nachvollziehbaren Gedankengängen und erschafft ein wirres Konstrukt, das bis auf seine optisch hübsch anzusehende, bunte Oberfläche und seinen aus dem Rahmen fallenden Sexismus nur wenig zu bieten hat, was es nicht schon an anderer Stelle zu sehen gab (u.a. "Devil May Cry", "Bayonetta"). Schade, denn ohne eine mitreißende und vor allem nachvollziehbare Geschichte verliert auch das an sich gut in Szene gesetzte Kernelement des Spiels, nämlich der Kampf, schnell an Reiz.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Deep Silver
krone.at-Wertung: 6/10

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