So, 17. Dezember 2017

Einstimmiges Urteil

06.09.2013 21:58

"Oma-Mord": 18 Jahre Haft für Opa, 12 für Enkel

Im Prozess um den Mord an einer 68-jährigen Frau in Oberösterreich, zu dem ihr Mann (72) den 19-jährigen Enkel angestiftet haben soll, sind am Freitagabend die Urteile gefallen. Der Ehemann der Toten wurde zu 18, sein Enkel zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Entscheidung der Geschworenen am Landesgericht Ried im Innkreis fiel einstimmig. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Beim Enkel wurden sein Geständnis, die Unbescholtenheit, sein junges Alter unter 21 Jahren und die Persönlichkeitsstruktur mildernd gewertet. Erschwerend wirkte sich die heimtückische und brutale Vorgehensweise aus.

Auch die Unbescholtenheit des Großvaters wurde als strafmildernd anerkannt. Die Instrumentalisierung eines nahen, ihm anvertrauten Angehörigen und die Heimtücke wirkten dagegen erschwerend. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass der Mann seinen Enkel zu der Tat angestiftet hat.

Opa bestreitet Verwicklung in Tat
Der Teenager soll seine Großmutter Ende Oktober des Vorjahres mit Axthieben und Messerstichen getötet und die Tat als Einbruch getarnt haben. Der Großvater war zu diesem Zeitpunkt bei einem Maturatreffen. Als der 72-Jährige nach Hause kam, fand er die blutüberströmte Leiche seiner Frau. Der 19-Jährige gestand die Tat, sagte aber, sein Großvater habe ihn damit beauftragt. Dieser leugnete das, verstrickte sich bei Details aber häufig in Widersprüche.

Die psychiatrische Sachverständige Adelheid Kastner attestierte beiden Angeklagten Zurechnungsfähigkeit, aber narzisstische Persönlichkeitsstörungen. Der 19-Jährige sei süchtig nach Bewunderung. Es sei für ihn einfacher gewesen, die Bluttat zu begehen, als die Anerkennung seines Opas zu verlieren. Zu den variierenden Angaben des 72-Jährigen in Detailfragen sagte sie, dieser zeige keine Anzeichen von Demenz. Der Wunsch nach einer positiven Wirkung in der Öffentlichkeit sei für ihn jedoch stärker als die Realität.

Staatsanwalt: Opa machte Enkel "lebenslang zum Mörder"
"Er hat ihn lebenslang zum Mörder seiner Großmutter gemacht", gab sich der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer von der Bestimmungstäterschaft des Großvaters überzeugt. Das Motiv seien demnach Eheprobleme gewesen. Die Verteidiger des 72-Jährigen kritisierten, dass die Anklage nur auf den Aussagen des 19-Jährigen basiere.

"Ich habe die Wahrheit gesagt", beteuerte der junge Mann in seinen Schlussworten. Bei einem Lokalaugenschein soll er gefragt haben: "Opa, warum lässt du mich jetzt alleine?" Der Bursch gab sich reumütig: "Ich kann es leider nicht mehr rückgängig machen, auch wenn ich es gerne täte."

Großvater geht in Berufung
Der Staatsanwalt und der Verteidiger des Enkels gaben nach Verkündung der Schuldsprüche keine Erklärung ab. Die Anwälte des Großvaters meldeten volle Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde an. Die Urteile, die die Angeklagten gefasst aufnahmen, sind somit nicht rechtskräftig.

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