Fr, 15. Dezember 2017

"Der letzte Zeuge"

06.09.2013 17:32

Hitlers Leibwächter Rochus Misch (96) gestorben

Er war der wohl letzte Augenzeuge von Adolf Hitlers letzten Stunden im Berliner "Führerbunker". Jetzt ist Rochus Misch, der ehemalige Leibwächter des Diktators, im Alter von 96 Jahren in Berlin gestorben. Fünf Jahre lang begleitete er Hitler in unmittelbarer Nähe, lebte dort, wo sein Chef wohnte. Dieser sei "kein Monster" gewesen, sagte Misch einmal. "Das war kein Übermensch, das war ein ganz Normaler." Aussagen wie diese zogen teils heftige Kritik von anderen Zeitzeugen und Historikern nach sich.

Immer wieder hatte Misch die Gelegenheit genutzt, seine Geschichte zu erzählen. Er tat das auch, damit junge Menschen nicht versäumten, "rechtzeitig die richtigen Fragen zu stellen", schrieb er in der Einleitung seiner Autobiografie "Der letzte Zeuge". Er wolle zeigen, "warum das damals mir und so vielen anderen nicht gelang".

"Unpolitischer Mensch", kein NSDAP-Mitglied
Der 1917 geborene Misch war nach eigenen Angaben ein unpolitischer Mensch und nie Mitglied in der NSDAP. Aber der Jubel für Hitler und seine Sicherheitsleute bei den Olympischen Spielen 1936 hätten ihn als Dorfkind beeindruckt, erzählte er. Aufgrund der Aussicht auf eine Beamtenlaufbahn sei er der sogenannten Verfügungstruppe beigetreten, so Misch. Daraus sollte später die Waffen-SS werden.

In der SS-Leibstandarte Adolf Hitler arbeitete Misch von 1940 bis Kriegsende als Leibwächter und Telefonist des Diktators. Seine erste Begegnung mit Hitler beschrieb er so: "Wir standen einen Meter auseinander. Mir war eiskalt, mir war heiß, mir war alles."

"Führerbunker" als Leichenhalle
Hitler habe ihn als engen Mitarbeiter schließlich in den "Führerbunker" mitgenommen. Dort habe eine Stimmung wie in einer Leichenhalle geherrscht, erzählte Misch später. Alle hätten Hitlers Selbstmordpläne geahnt. "Auf diesen Schuss haben wir gewartet." Nach dem Tod von Hitler und Eva Braun blieb Misch noch tagelang im Bunker. Dann habe Hitlers Propagandabeuftragter Joseph Goebbels ihn mit den Worten entlassen: "Wir haben verstanden, zu leben, wir werden auch verstehen, zu sterben."

Misch zog alle Stecker aus seiner Telefonanlage und flüchtete am 2. Mai 1945 aus dem Bunker. Neun Jahre verbrachte er danach in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Zweifel an Unwissenheit des Leibwächters
Nach Kriegsende wurde die Rolle, die Misch im Dritten Reich spielte, differenziert gesehen: Viele Experten bezweifelten, dass er bei seiner Nähe zu Hitler nichts von den NS-Gräueltaten wusste. Außerdem wurde vielfach kritisiert, dass Misch auch dann noch im Bunker ausharrte, als Hitler bereits tot war.

Nach seiner Kriegsgefangenschaft zog Misch wieder nach Berlin, wo er jetzt mit 96 Jahren starb. Er habe sich von einem Schlaganfall nie mehr erholt, berichtete sein Co-Autor. "Kommunikation war mit ihm zuletzt schlecht möglich." Trotzdem hatte Misch noch im Sommer das Vorwort für ein Buch über ihn geschrieben, das laut seinem ehemaligen Manager im Oktober in englischer Sprache erscheinen soll.

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