Do, 23. November 2017

„Krone“-Interview

09.09.2013 07:00

Jonny Lang: „Ich bin das fünfte Kind im Haus“

Berühmt mit 16, Grammy-Nominierung mit 19, Hochzeit mit 20 - Blues-Musiker Jonny Lang lebte schon in jungen Jahren auf der Überholspur. Nach einer ausgedehnten Pause kehrt der erwachsen gewordene US-Amerikaner mit seinem neuen Album "Fight For My Soul" zurück. Im "Krone"-Interview spricht der 32-Jährige über sein intaktes Familienleben, notwendige Änderungen im Geschäftsprozess und warum er für seine Frau oft das fünfte Kind in der Familie ist.

Jonny Lang war schon immer ein Frühstarter. Als der Blues-Musiker 1997 mit seinem zweiten Album "Lie To Me" den großen Durchbruch schaffte, war er erst zarte 16 Jahre alt. In einem Alter, wo man in Amerika seinen Führerschein macht und hierzulande erstmals legal Bier bestellt, tourte Lang bereits durch die Vereinigten Staaten und begeisterte mit seiner tiefen, ganz und gar erwachsenen Stimme ein immer größer werdendes Publikum.

Jugend mit Tücken
Erfolgreiche Karriere statt behutsamer Jugend – nicht immer einfach für den Gitarristen: "Ich bin in vielen Bereichen etwas schneller erwachsen geworden, als es vielleicht gut gewesen wäre, aber das lässt sich jetzt ohnehin nicht mehr ändern", verrät Lang im "Krone"-Interview, "natürlich habe ich Sachen vermisst, aber du kannst nicht alles haben. Ich bin viel mehr glücklich, dass alles so gekommen ist, wie es eben jetzt ist."

"Jetzt" bedeutet, dass Lang nach siebenjähriger Schaffenspause mit "Fight For My Soul" endlich wieder ein Studioalbum produziert hat und zum musikalischen Angriff bläst. Die lange Abwesenheit ist aber keinesfalls mangelnder Motivation oder kreativer Leere zuzuschreiben, sondern dem Aufbau einer Familie. Bereits im Alter von 20 ehelichte Lang seine Frau Haylie – vier Kinder folgten. "Vor sechs Jahren haben wir das erste Kind bekommen und nicht mehr damit aufgehört", lacht er, "mir war es einfach wichtig, so viel Zeit wie möglich zu Hause bei der Familie zu verbringen. Hätte ich nach den vielen Touren gleich an einem Album geschrieben, wäre gar keine Zeit mehr für das Privatleben geblieben."

Das fünfte Kind im Haus
Wenn es die Kosten zulassen, nimmt Lang seine Familie mittlerweile auch zu nahen Tourstationen mit. Die Kluft zwischen Berufs- und Privatleben ist für den 32-Jährigen weit weniger eklatant, als so mancher denken würde. "Meine Frau ist diesbezüglich sehr verständnisvoll und verfällt in eine Art Routine, wenn ich gerade unterwegs bin. Komme ich dann zurück, zerstöre ich diese Routine. Ich bin dann sozusagen das fünfte Kind", fügt er lachend hinzu.

Das neue Material klingt aber weder kindlich noch unreif. Neben memorablen Blues-Songs und der stimmlichen Brillanz hat Lang in seiner ersten Single-Auskoppelung "Blew Up (The House)" vermehrt mit Rock-'n'-Roll- und Soul-Elementen experimentiert.

Anfang einer neuen Ära
Eine Leichtigkeit, die sich in gewisser Weise auch durch einen autarken Arbeitsstil entwickelt hat. Nach dem erfolgreichen Album "Turn Around" (2006) hat sich der Barde einer geschäftlichen Wandlung unterzogen und die Zusammenarbeit mit den großen Major-Labels beendet.

Eine Entscheidung, die er auch sieben Jahre später nicht bereut. "Bei 'Fight For My Soul' hat mir niemand reingeredet und ich konnte machen, was und wann ich es wollte. Ich hatte schon immer ein gutes Verhältnis zu den Leuten meiner alten Plattenfirma, bin aber draufgekommen, dass ich vieles selbst besser hinkriegen kann."

Vom Schnee zur Sonne
Auf dem neuen Album transportiert Lang eigene Erfahrungen. "Manche Songs handeln sich um persönliche, innere Kämpfe und um Ungerechtigkeiten. Wieder andere sind fiktive Geschichten, die die Menschen hoffentlich auch selbst auf sich beziehen können." In eine positive Richtung lenkte ihn auch der Umzug vom verschneiten Fargo in North Dakota ins sonnige Los Angeles. "Die einzige Gemeinsamkeit dieser Städte ist, dass dort Menschen leben", lacht er über die Richtungsänderung, "außerdem ist meine Frau in Südkalifornien aufgewachsen und da war es recht schnell klar, dass sie nicht nach North Dakota möchte."

Jedenfalls möchte Lang mit dem neuen Album wieder nach oben. Vielleicht reicht es auch für eine zweite Grammy-Nominierung. Bis zu einem Wien-Konzert müssen sich die Fans noch etwas gedulden: "Es ist noch nichts spruchreif, aber ich komme unter Garantie wieder nach Österreich. Hier bin ich auch schon mal mit Deep Purple aufgetreten – unvergesslich."

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