Mo, 18. Dezember 2017

Rote Karte

05.09.2013 16:12

PC-Spiel "Fußballgott" erhält Platzverweis

Fans haben eine ganz eigene Sichtweise auf ihre Idole. Gerade im Fußball ist es ein schmaler Grat zwischen Verachtung und euphorischer Heldenverehrung. Die einen sind schlichtweg "Hundskicker", während der Lieblingsspieler nicht mehr und nicht weniger als ein "Fußballgott" ist. Das gleichnamige - laut Verpackung - "Fußball-Lifestyle-Spiel" für den PC verspricht, Spieler einmal in die Rolle ihres kickenden Helden schlüpfen zu lassen. Wirklich auf geht dieses Versprechen allerdings nicht.

"Fußballgott" möchte ein innovatives Spielerlebnis aus der Gott-Perspektive bieten. Die Bezeichnung Fußball-Lifestyle-Spiel macht von Anfang an stutzig, hört es sich doch nach glänzender Oberfläche mit wenig Tiefgang an. Wie der Test allerdings zeigen sollte, ist auch von glänzend nicht viel in diesem Spiel zu sehen. Dabei geht es nach dem Start zunächst durchaus noch positiv gestimmt ans Werk.

Die Kamera schwebt über dem Trainingsareal des Klubs, welches neben zwei Trainingsfeldern noch einige Klubgebäude beinhaltet. Dem nicht genug, kann in einen Teil der angrenzenden Stadt navigiert werden, wo sich etwa eine Radiostation und ein Pub befinden. Nach dieser ersten kurzen Erkundung entdeckt man die Spieler, die mehr oder weniger hoffnungsfroh darauf warten, mit dem Training zu beginnen.

Wenig Möglichkeiten, kein Tiefgang
Die Einstellungsmöglichkeiten halten sich dabei im Gegensatz zu klassischen Fußballmanagern jedoch arg in Grenzen. Wie bei Electronic Arts' populärer Lebenssimulation "Die Sims" zeigen Icons den derzeitigen Gemütszustand der Spieler. Diese können einzeln oder in Gruppen den Trainingsarten zugeordnet werden. Bei einem Training ist aber nun mal so, dass man beispielsweise nur die Verteidiger etwas Spezielles trainieren lassen möchte. Daran wurde offenbar nicht gedacht. Die Auswahl fällt zudem umständlich aus.

Tiefgang lassen auch die Spielertransfers vermisst. Man gibt schlicht bekannt, welcher Spielertyp gesucht wird, und bekommt irgendwann das Ergebnis in Form eines neuen Spielers präsentiert. Fertig. Das Vereinsgelände kann gleich überhaupt nicht verändert werden. Wenig aufregend präsentieren sich schließlich auch die Taktikschulungen oder Besuche beim Physiotherapeuten, die zusätzlich zum Training am Feld angeordnet werden können.

Partytiger, Frauenhelden und Selbstdarsteller
Am Ende des virtuellen Tages gewinnt das Spiel dann aber doch noch an Fahrt – zumindest für die virtuellen Kicker, die sich ins Nachtleben stürzen, um Frauen kennenzulernen, Party zu machen und dabei kräftig dem Alkohol zuzusprechen. Dass es vielleicht auch Spieler gibt, die ganz bieder einfach nach Hause gehen, scheint nicht ins Bild gepasst zu haben.

Es überrascht deshalb nicht nur aufgrund des finanziellen Aufwands wenig, dass es keine Originallizenzen echter Mannschaften und Spieler gibt. Welcher Verein will seine Angestellten schon als alkoholisierte Partytiger, Frauenhelden und egomanische Selbstdarsteller portraitiert haben?

Schwarze Schafe unter den Kickern
Der exzessive Lebenswandel hinterlässt natürlich bei dem einen oder anderen Spieler seine Spuren. Da wird dann schon mal im Rausch ein Fan angepöbelt, was man aber leider nur in Form von Textnachrichten mitbekommt. Außer den Kickern ist nämlich niemand in der Stadt zu sehen. Als Übervater muss man dann versuchen, die schwarzen Schafe auf die richtige Bahn zu bringen. Klingt recht interessant, ist aber spielerisch keine Offenbarung, geht es doch letztlich auch hier wieder nur um die Verbesserung der Zufriedenheit des betroffenen Spielers.

Die Spieldarstellung in 3D lässt den Lifestyle dann völlig vermissen. Altbackene Grafik und mäßige Animationen machen höchstens Lust darauf, den Stadion-Notausgang zu suchen. Einzig die Idee, begrenzt in das simulierte Spiel eingreifen zu können, darf als innovativ bezeichnet werden. Ein kleiner Lichtblick, der aber nicht mehr viel zum Besseren zu wenden vermag.

Fazit: Der Versuch, die "Sims" mit einem Fußballmanager zu kreuzen, ist gehörig in die Hose gegangen. Während die Idee noch vielversprechend klingt, endet die Umsetzung in einem Spiel mit wenig Tiefgang, geringer Abwechslung und folglich bald Langeweile. Schwer zu glauben, dass ein ehemaliger Profifußballer an der Entstehung mitgewirkt haben soll. Der angepriesene Lifestyle-Faktor erstreckt sich letztlich höchstens bis zum schön gestalteten Spiele-Cover. Fußballfans zeigen dem "Fußballgott" daher die rote Karte. Einzig jene, die nur ein wenig an Fußball interessiert sind, und denen eine detaillierte "Sims"-Simulation zu anstrengend ist, also etwas für zwischendurch suchen, haben mit "Fußballgott" einen möglichen Zeitvertreib gefunden.

Plattform: PC
Publisher: Headup Games
krone.at-Wertung: 4/10

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