Fr, 20. Oktober 2017

Oma-Mord in OÖ

04.09.2013 18:30

Gutachterin: „Lukas ist keine tickende Zeitbombe“

Im Prozess rund um den Mord an einer 68-jährigen Oberösterreicherin, zu dem ihr 72-jähriger Mann den 19-jährigen Enkel angestiftet haben soll, war am Mittwoch im Landesgericht Ried die psychiatrische Sachverständige am Wort. Sie attestierte beiden Angeklagten Zurechnungsfähigkeit, aber auch narzisstische Störungen. Der Teenager sei süchtig nach Aufmerksamkeit, zum Großvater "würde es passen, dass er delegiert".

Der Enkel ist zu der Bluttat geständig. Er behauptet aber, sein Großvater habe ihn damit beauftragt. Der 72-jährige Leopold D. leugnet das vehement. Er verstrickte sich bei seiner Schilderung der Tatnacht - er fand das Opfer, als er von einem Maturatreffen nach Hause kam - jedoch häufig in Widersprüche. Die Psychiaterin Adelheid Kastner attestierte ihm Zurechnungsfähigkeit und keinerlei Anzeichen von Demenz - wohl aber, dass für ihn ein gutes Bild in der Öffentlichkeit wichtiger sei als die Realität.

19-Jähriger "keine tickende Zeitbombe"
"Er hat ein hohles Zentrum", beschrieb die Sachverständige den 19-jährigen Lukas. Er brauche die Bewunderung der anderen und habe sich auch immer bemüht, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Lukas sei u.a. wegen seiner musikalischen Begabung der Stolz der Familie gewesen. Zudem sei der Großvater seit seinem fünften Lebensjahr seine wichtigste Bezugsperson gewesen, erklärte Kastner.

Dem 19-Jährigen mangle es aber an Empathie, so die Sachverständige weiter. Zudem hielt sie es für unwahrscheinlich, dass die Tat aus ihm selbst herausgekommen sei. "Er ist keine tickende Zeitbombe", so Kastner, von ihm gehe keine hochgradige Gefährlichkeit aus.

"Enkel wollte Aufgabe zu Ende bringen"
Wieso die Tötung mit so starker Brutalität ausgeführt worden sei, begründet die Sachverständige so: "Er hatte keine Erfahrung." Der 19-jährige Angeklagte habe, als sein Opfer nach dem ersten Axthieb nicht sofort außer Gefecht war, gemerkt, dass so etwas im wirklichen Leben anders sei als im Fernsehen. Für Lukas gab es aber nach dem ersten Schlag kein Zurück mehr, er habe seine Aufgabe zu Ende bringen wollen und deshalb einen regelrechten Overkill gesetzt.

Widersprüchliche Zeugenaussagen
In den Zeugeneinvernahmen zeigten sich am Mittwoch Widersprüche. So will ein 70-Jähriger die beiden Angeklagten am 11. September in einem Kaffeehaus in Schärding gesehen haben. Dort sei auch der von der Staatsanwaltschaft als Mordauftrag gedeutete Satz "Die Oma muss weg" gefallen. Andere Zeugen gaben hingegen an, dass Leopold D. an diesem Tag mit ihnen an einem Seniorenausflug teilgenommen habe. Darüber hinaus bezeugte ein Bankbeamter vor Gericht, dass eine Unfallversicherung für das Opfer existiere, bei der der 72-jährige Witwer mit 40.000 Euro begünstigt sei - sofern er freigesprochen wird.

Der nächste und voraussichtlich letzte Prozesstag findet am Freitag statt. Dann sind noch weitere Zeugeneinvernahmen geplant. Ein Urteil gilt als wahrscheinlich.

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