Mo, 11. Dezember 2017

3D-Animation

04.09.2013 13:54

Wiener Forscher stellen Leben in Ur-Ozean nach

Wissenschaftler des Naturhistorischen Museums Wien (NHM) haben die Zeugnisse des Massensterbens im Ur-Ozean Tethys analysiert und sind dabei auf drei bisher unbekannte Arten urtümlichen Kopffüßer, der sogenannten Ammoniten, gestoßen. Zudem konnten sie die Ereignisse rekonstruieren, die zur Ablagerung der untersuchten Überreste führten. Die Ergebnisse ihrer Arbeit fassten die Forscher in einer 3D-Animation zusammen (Video oben anschauen).

In der oberen Trias müssen Millionen rund ein bis drei Zentimeter großer Ammoniten flache Bereiche der Tethys bevölkert haben. Vor rund 230 Millionen Jahren kam es jedoch zu einem Massensterben, die Kopffüßer wurden am Meeresboden abgelagert. Heute finden sich die Überreste dieses Ereignisses im Taurusgebirge in Anatolien.

Warum es zu dem Massensterben kam, ist bis heute ein Rätsel. "Möglicherweise war es eine Ökokatastrophe, etwa mit Sauerstoffmangel, vielleicht starben sie auch nach der Fortpflanzung, ähnlich wie dies heute noch bei vielen Tintenfischen der Fall ist", erklärte Alexander Lukeneder von der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des NHM. Schon als Student stieß er auf erste Fossilien in der Türkei, in den vergangenen Jahren haben die Wissenschaftler die Gegend im Taurusgebirge im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts systematisch untersucht.

Sie entdeckten dabei in einem Gebiet von rund acht Quadratkilometern acht Fundstellen mit bis zu einem Meter mächtigen Ammoniten-Kalkbänken. "Man geht hier regelrecht auf dem Dach des ehemaligen Riffs", so Lukeneder. Er schätzt, dass die darüberliegenden Schichten mit Ammoniten die Überreste von mehr als 200 Millionen Tieren bergen. In einem Gesteinsblock, kleiner als eine halbe Schuhschachtel, den Lukeneders Frau Susanne im Zuge ihrer Doktorarbeit genauer unter die Lupe nahm, fanden sich die Schalen von exakt 3.256 Kopffüßern.

Wissenschaftler rekonstruierten Massensterben
Weil zwischen den Kalkschalen und dem umgebenden Kalkgestein keine Dichteunterschiede bestehen, konnte die Probe nicht mithilfe eines Computertomografen durchleuchtet werden. Millimeter um Millimeter wurde deshalb die Probe abgeschliffen, um schließlich aus 70 Schichtbildern exakte Größe und Lage jedes einzelnen Tieres bestimmen zu können.

Aus diesen Daten konnten die Wissenschaftler dann die Ereignisse nach dem Massensterben rekonstruieren. Die kalkigen Schalen der Ammoniten dürften von Strömungen am Meeresboden konzentriert worden sein. Aufgrund der Ausrichtung der Ammoniten gehen die Forscher davon aus, dass sie schließlich durch - von Erdbeben ausgelöste - marine Hangrutschungen zu ihrem endgültigen Ablagerungsort transportiert wurden.

3D-Animation zeigt Vorgänge im Ur-Meer
Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler nicht nur in der Fachzeitschrift "Palaeontology" veröffentlicht, sondern auch für ein breites Publikum aufbereitet. In Kooperation mit dem Animations-Unternehmen "7reasons" haben die Forscher die Ammoniten digital zum Leben erweckt und ihren urzeitlichen Lebensraum und die Vorgänge rund um die Ablagerung rekonstruiert. Lukeneder hat zudem eine Dokumentation über die Arbeiten in der Türkei gedreht. Beide Filme werden am 2. Oktober im Vortragssaal des NHM im Rahmen der Reihe "Forschung aktuell" präsentiert.

Trotz der Vielzahl der gefundenen Ammoniten bleibt ein Rätsel weiter ungelöst: Bisher ist unklar, wie viele Arme die urzeitlichen Kopffüßer hatten. Obwohl selbst von Quallen schon Fossilien gefunden wurden, gibt es bisher keine versteinerten Überreste von Ammoniten-Weichteilen. Heute gibt es Kopffüßer mit acht und zehn Armen - wie viele sie früher hatten, bleibt unklar.

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