Mi, 13. Dezember 2017

Industrialisierung

03.09.2013 11:47

Ruß ließ vor rund 150 Jahren Gletscher schmelzen

Der Mensch hat bereits Mitte des 19. Jahrhunderts das Klima beeinflusst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern aus den USA und Österreich, die den bisher rätselhaften Rückgang der Alpengletscher zwischen 1860 und 1930 untersucht haben. Sie kommen zum Schluss, dass der massiv steigende Ausstoß von Ruß durch die Industrialisierung in Europa Grund für den Gletscherschwund war.

Zwischen Anfang des 15. und Mitte des 19. Jahrhunderts herrschten kalte, lange Winter und niederschlagsreiche, kühle Sommer vor. Der Vorstoß der Alpengletscher in dieser "Kleinen Eiszeit" endete Mitte des 19. Jahrhunderts abrupt.

Gletscher in Alpen zogen sich um rund einen Kilometer zurück
Zwischen 1860 und 1930 zogen sich die Gletscher in den Alpen um durchschnittlich einen Kilometer zurück - und das, obwohl die Klimabedingungen durchaus zu einem weiteren Anwachsen der Eismassen gereicht hätten: Denn die Temperaturen in dieser Zeit waren kühler als im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert und die Niederschlagsmengen vergleichsweise unverändert, schreiben die Wissenschaftler in der Studie - diese wurde u.a. von der US-Weltraumorganisation NASA finanziert -, die im Fachmagazin "PNAS" veröffentlicht wurde.

So ist offenbar der rasante Ausstoß an Ruß durch die zunehmende Industrialisierung für den Gletscherrückgang verantwortlich. Diese hatte ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem rasanten Anstieg des Kohleverbrauchs geführt, nicht zuletzt aufgrund der wachsenden Industrie und des Transports, speziell Eisenbahnen. Die dabei in die Luft abgegebenen Rußpartikel wurden durch Niederschläge aus der Atmosphäre gewaschen und landeten u.a. auch auf den Gletschern. Durch die höhere Absorption des Sonnenlichts wurde so vor allem im Sommer die Schnee- und Gletscherschmelze stark beschleunigen.

Rußablagerungen teilweise verdoppelt
Bei der Untersuchung von Gletschereis-Proben aus der Schweiz entdeckten die Forscher, dass sich die Rußablagerung nach dem Jahr 1850 teilweise verdoppelt hatten. Einer der stärksten Anstiege konnte dabei am Fiescherhorn Gletscher gemessen werden: So stieg die Ablagerung der Partikel in 3.900 Metern Seehöhe von drei bis vier Mikrogramm zwischen den Jahren 1860 und 1870 auf rund 20 Mikrogramm im Jahr 1880. Die Konzentration blieb bis in die 1920er-Jahre auf dieser Höhe, ging dann zurück, um schließlich in den 1940er-Jahren auf rund 30 Mikrogramm anzusteigen.

"Das zeigt klar, welch weitreichenden Auswirkungen das menschliche Handeln auf das Weltklima haben könnte", sagte Georg Kaser vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck. Die Wissenschaftler wollen nach den Alpen nun auch die Auswirkungen von Ruß auf andere Weltgegenden untersuchen, etwa im Himalaya-Gebiet.

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