So, 17. Dezember 2017

Pink Panther in Doku

02.09.2013 17:01

"Wir nehmen nur unwichtige Dinge reicher Menschen"

Zum ersten Mal geben die erfolgreichsten Juwelendiebe der Welt Einblick in ihr Netzwerk des schnellen Geldes. Havana Marking, eine britische Journalistin, befasste sich seit 2003 mit den spektakulären Diebestouren der berüchtigten "Pink Panther"-Bande. 2010 gelang es ihr schließlich, mit einem untergetauchten Bandenmitglied Kontakt aufzunehmen. Was sie dabei erfuhr, zeigt Marking in ihrer Doku "Smash & Grab - The Story of the Pink Panthers", die nun bei den Filmfestspielen in Kitzbühel erstmals in Österreich gezeigt und mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

Ein heißer Sommertag im Jahre 2010. Havana Marking, britische Filmemacherin und Journalistin, wartet neben einem Kriegsdenkmal in der Peripherie von Podgorica. Sie ist nach Montenegro gereist, um ein Mitglied der "Pink Panther"-Bande zu treffen. Hier, am desolaten Rand der Hauptstadt, soll sie ein nicht näher beschriebener Mann abholen. Ihr Mobiltelefon musste sie im Hotelzimmer lassen - es könnte verwanzt sein.

Nach einer halben Stunde wird sie tatsächlich zu einem exklusiven Beachklub gebracht, in dem ihr Gesprächspartner, ein attraktiver Endvierziger mit Rolex am Handgelenk, bereits auf sie wartet. Es ist der Beginn von "Smash & Grab", einer Doku, in der vier Bandenmitglieder, darunter eine Frau, über die Hintergründe der "Pink Panther" auspacken.

"Bande ist wie Familie"
"Wir sind überall dort, wo reiche Menschen sind, sei es Genf, Singapur oder Dubai", erzählt der Panther, der Mike genannt wird. Und weiter: "Im Prinzip nehmen wir nur unwichtige Dinge reicher Menschen an uns, da wir sie nicht haben und gut brauchen können. Diamanten bedeuten mir nichts. Ich sehe nur ihren materiellen Wert. In keiner Form ist er einfacher zu transportieren als mit diesen wunderbaren glitzernden Steinen." Die Bande sei wie eine Familie, wobei man immer nur einen Vorgesetzten, nie aber den "Big Boss" kennenlernen würde. "Dadurch weiß man nie, an welchem Platz in der Hierarchie man steht."

Frauen spielen bei "Pink Panthers" wichtige Rolle
Eine ganz wichtige Rolle im kriminellen System spielen laut Mike die Frauen: "Sie müssen außergewöhnlich sein: elegant, extrem gut aussehen, gebildet sein und dabei ein Auftreten haben wie Madonna. Auf ihren Späh-Touren fahren sie in teurer Designerkleidung und mit Chauffeur vor und lassen sich beim Juwelier die teuersten Stücke zeigen. Dabei mustern sie bereits die Räumlichkeiten in Hinblick auf einen Überfall. Der gesamte Strategie-Plan wird von ihnen ausgemacht. Wir Männer statten lediglich ein paar Wochen oder Monate später unseren Besuch ab: sehr schnell und sehr gut vorbereitet."

Eine dieser raffinierten Pantherinnen ist Lela. Sie hat gemeinsam mit Mike einst einen ganz großen Coup in Spanien gelandet: Ein halbes Jahr arbeitete sie als Verkäuferin getarnt in einem kleinen Souvenir-Shop, der nicht ganz zufällig einen Diamantenhändler zum Nachbarn hatte. Während einer traditionellen Fiesta des Städtchens mit Feuerwerk und Musik sprengten sie einfach die Wand zum Nebengeschäft und räumten die Auslagen leer...

Lela: "Familie weiß nichts von meinem Vorleben"
Havana Marking trifft Lela ebenfalls in Montenegro. In einem kleinen Städtchen an der Küste führt sie nun ein biederes Leben als Hausfrau und Mutter. "Meine Familie weiß nichts von meinem Vorleben. Ich bin vor zehn Jahren ausgestiegen, weil ich Kinder haben wollte. Mein damaliger Freund, Milan, hatte mich als Teenager zur Bande gebracht. Wir haben ein Leben auf der Überholspur geführt: viel Geld, Partys und exotische Reisen. Doch Milan wollte immer mehr, während ich mich nach Normalität, einem stabilen Zuhause sehnte. So verließ ich ihn, obwohl er meine große Liebe ist", gibt die Ex-Gangsterin Einblick in ihr Doppelleben.

"Folge unseres Jobs ist Paranoia"
Aber kann es so einfach sein, seine dunkle Vergangenheit einfach zur Seite zu schieben? Markings Recherchen ergeben das Bild einer in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens verwurzelten Organisation, die sich während der Kriegswirren der 90er-Jahre auf internationale Raubzüge spezialisiert hat. Mike gibt an, dass Montenegro bis vor Kurzem ein sicheres Rückzuggebiet für die Panther war. Nun hat er Angst, geschnappt und ausgeliefert zu werden: "Ich drehe mich auf der Straße ständig um, weil ich glaube, dass mich jemand verfolgt. Eine Folge unseres Jobs ist Paranoia."

"Halte nichts von ihrem Robin-Hood-Mythos"
Dass die Panther vor einer Wende stehen, weiß auch die serbische Jounalistin Milena Miletic, die der Bande seit Jahren nachspürt. Sie ist sich jedoch sicher: "Sie werden neue Wege finden, um ihre Verbrechen auszuüben, da sie mächtige Strukturen im Hintergrund haben. Ich halte nichts von ihrem Robin-Hood-Mythos. Sie spenden das Geld, das sie von den gestohlenen Juwelen bekommen, ja nicht dem Roten Kreuz oder armen Familien in Montenegro. Nein, sie geben es für Drogen und teure Immobilien aus."

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Marking: "Die 'Pink Panther' sind weder moderne Robin Hoods noch Opfer der Kriegswirren. Auch wenn sie wie Gentlemen wirken, ist das Netzwerk rund um sie dunkel, gefährlich und abschreckend. Ich hoffe, mein Film erklärt den Zusammenhang, räumt mit Mythen auf und zeigt eine größere Wahrheit: Die westlichen Länder, die durch die Sanktionen von 1992 eine Bildung vieler krimineller Netzwerke gefördert haben, sind heute gleichzeitig Abnehmer der gestohlenen Juwelen. Sie haben eine weitaus größere Rolle im System, als wir es uns eingestehen wollen."

Publikumspreis in Kitzbühel
Bis zur Fertigstellung des Films 2012 traf Marking noch zwei weitere Mitglieder der Panther. Die Treffen fanden an unterschiedlichen Plätzen in Serbien und in Montenegro statt. Ihr Einsatz hat sich gelohnt: Denn die Doku "Smash & Grab" wurde bei den Filmfestspielen in Kitzbühel mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Zudem hat der Film österreichischen Anteil: Als Koproduzent fungierte die Wiener Produktionsfirma "Sabotage Film", die in Kitzbühel mit mehreren Filmen vertreten war.

Gangster-Action wie im Film
Die weltweit agierende "Pink Panther"-Bande soll mehr als 200 Mitglieder zählen. Ihre Wurzeln sind laut Interpol in Serbien und in Montenegro. Der Wert der von ihnen erbeuteten Juwelen wird auf 250 Millionen Euro geschätzt. Die Bande ist in Zellen organisiert, deren Mitglieder sich nach einem nicht erkennbaren System immer wieder treffen, um gemeinsame Aktionen durchzuführen. Die Mehrheit der "Pink Panther" ist nach Überfällen in London, Paris, Dubai, Genf, Monaco, Tokio, aber auch Wien und Wels (siehe Bilder aus der Überwachungskamera beim Überfall auf den Juwelier Hübner im Jahr 2012) immer noch auf freiem Fuß.

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