Do, 14. Dezember 2017

Empörung in Vukovar

02.09.2013 21:46

Alle kyrillischen Amtstafeln von Mob zerstört

"Keine zwei Schriften, wo Kroaten getötet worden sind", lautet die Devise der Gegner von Amts- und Ortstafeln in kyrillischer Schrift in der ostkroatischen Stadt Vukovar. Dass man es ernst meint, haben wütende Demonstranten am Montag bewiesen. Nicht lange hielten die ersten zweisprachigen Amtstafeln, die die Stadtverwaltung in den Morgenstunden dem Minderheitengesetz folgend anbringen ließ. Diese wurden abmontiert und zum Teil mit Hämmern zerstört. Verhaftungen entfachten neue Proteste.

Laut Medienberichten versammelten sich im Laufe des Vormittags etwa hundert Menschen, die dagegen protestierten und das Anbringen weiterer Tafeln verhinderten. Die Hammer schwingenden Aktivisten wurden mit Applaus und Jubelschreien bedacht, wie ein Video (kroatisch) auf der Online-Seite der Tageszeitung "Vecernji List" zeigt. Im Zuge der Randale wurden laut Medien vier Polizisten verletzt. Fünf Personen wurden verhaftet, woraufhin neue Proteste entfacht wurden, die bis in die Abendstunden des Montags andauerten.

Etwa 300 Menschen protestierten vor dem Polizeigebäude in Vukovar für die Freilassung der fünf Betroffenen. Verhandlungen zwischen der Polizei und den Demonstranten verliefen ergebnislos.

Regierung hält weiterhin an ihrem Plan fest
Verwaltungsminister Arsen Bauk verurteilte die Zerstörungsaktion und sagte, dass sie "politisch motiviert" gewesen sei. Bauk hielt an der Einführung von zweisprachigen Schildern fest, überließ es in seiner Aussage am Montag jedoch der Stadtversammlung, festzulegen, ob einige Straßen ausgenommen werden.

Serben-Vertreter: "Per Gesetz garantiert"
Milorad Pupovac, Vertreter der serbischen Partei SDSS, verurteilte die Entfernung der Tafeln ebenfalls. Die Bezeichnung von Kyrillisch als "Schrift von Aggressoren" zeuge von Intoleranz und Unverständnis, so Pupovac. "Es ist wichtig, dass man Leuten, die das behaupten, die dieser Meinung sind, oder denen diese Meinung serviert wurde, öffentlich eine andere Botschaft schickt." Dass manche nicht akzeptieren, was Serben per Gesetz garantiert sei, sei "besorgniserregend", da es Gegenstand politischer Manipulation werden könne, so der Parlamentarier.

"Erniedrigung für Vukovar": Weitere Proteste geplant
Die Proteste, die vom "Rat für die Verteidigung eines kroatischen Vukovar" organisiert wurden, gingen am Montag nach der Zerstörung der Tafeln schnell zu Ende. "Rat"-Anführer Tomislav Josic kündigte weitere Aktionen an, sollten neue Tafeln aufgestellt werden. Zweisprachige Tafeln seien "eine Erniedrigung für Vukovar", so Josic: "Kyrillisch kam mit Panzern nach Vukovar, jetzt kommt es mit Transparenten und starken Polizeikräften", so der Kriegsveteran.

Die Stadt war einer der blutigsten Schauplätze der kriegerischen Auseinandersetzungen beim Zerfall Jugoslawiens. Im Herbst 1991 wurde es von jugoslawischen Truppen wochenlang belagert und fast vollständig zerstört. Im Zuge der Militäraktion wurden zahlreiche Kriegsverbrechen begangen, nach der Einnahme der Stadt wurde die nicht-serbische Bevölkerung vertrieben.

Verfassung schreibt Zweisprachigkeit vor
Laut der Volkszählung 2011 besteht die Bevölkerung Vukovars zu einem Drittel aus Serben. Die kroatische Verfassung schreibt für solche Orte die Aufstellung zweisprachiger Aufschriften vor. Seit zu Jahresbeginn bekannt wurde, dass die Mitte-links-Regierung dieser Forderung nachkommen will, wurden zahlreiche Proteste organisiert, um das zu verhindern.

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