Di, 16. Jänner 2018

Bundestagswahl

02.09.2013 07:26

TV-Duell Merkel - Steinbrück ohne klaren Sieger

Im einzigen Fernsehduell vor der deutschen Bundestagswahl haben sich Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kandidat Peer Steinbrück am Sonntagabend einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Angesichts des klaren Rückstands der Sozialdemokraten in allen Umfragen ging der Herausforderer in die Offensive. Insgesamt blieb die 90-minütige Debatte jedoch sachlich - und ohne eindeutigen Sieger. Detail am Rande: Entertainer Stefan Raab durfte erstmals das Duell mitmoderieren.

Beim einzigen TV-Duell vor der Wahl am 22. September schenkten sich die CDU-Chefin und der SPD-Mann nichts. Peer Steinbrück brauchte zwei Minuten, um sich mit Attacken gegen Angela Merkel dem Millionenpublikum am Fernseher als Bundeskanzler zu empfehlen. Er appellierte mit Blick auf die Dame neben ihm am Sonntagabend im TV-Studio an die Bürger: "Lassen Sie sich nicht einlullen."

Streit um Steuererhöhungen
Erwartungsgemäß zeichneten Kanzlerin und Kandidat ein völliges unterschiedliches Bild. Merkel sagte, Deutschland habe mit 29 Millionen Menschen heute so viele Beschäftigte wie nie zuvor. Der Bund werde 2015 erstmals wieder in der Lage sein, ohne neue Schulden auszukommen. Dann warnte sie: "Die Steuererhöhungspläne der Sozialdemokraten und der Grünen bringen die Gefahr mit, dass wir die gute Ausgangslage, die wir haben, nicht verbessern, sondern verschlechtern." Steinbrück entgegnete:" Wir wollen nicht die Steuern für alle erhöhen." Die SPD wolle jedoch die "fünf oberen Prozent" der Einkommensbezieher stärker heranziehen.

Deutlich wie noch nie schloss Merkel die Einführung einer Pkw-Maut auf Deutschlands Autobahnen aus. Damit ging die CDU-Vorsitzende auf Distanz zum Koalitionspartner CSU: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat eine Maut zur Bedingung für einen neuen Koalitionsvertrag gemacht.

Merkel schließt drittes Griechen-Paket nicht aus
Im Streit um ein mögliches drittes Rettungspaket für Griechenland ließ die Kanzlerin offen, wie hoch weitere Hilfen ausfallen könnten. Möglicherweise werde es ein neues Hilfspaket geben, aber niemand kenne die Größenordnung. "Keiner weiß genau, wie sich die Dinge in Griechenland entwickeln." Herausforderer Steinbrück hielt dagegen, man könne nicht immer nur die "Konsolidierungskeule" schwingen.

Besonders scharfe Angriffe Steinbrücks versuchte Merkel mit einem Lächeln zu parieren. So bei seinem Vorwurf, sie habe in der NSA-Geheimdienstaffäre ihren Amtseid verletzt, weil sie Schaden nicht vom deutschen Volk abwende. Er versicherte, er würde als Kanzler nicht wie Merkel wochenlang auf Informationen aus Washington über das Ausmaß der US-Ausspähungen warten, sondern handeln. Merkel konterte: "Ich handle nicht erst und denke dann nach, sondern mache es umgekehrt."

Kanzlerin in Umfragen weit vorn
In allen Umfragen haben die Sozialdemokraten derzeit einen großen Rückstand auf die Union. Merkel liegt auch im Vergleich mit Steinbrück weit vorn. Die CDU-Chefin bekräftigte ihr Vorhaben, die Koalition mit der FDP fortsetzen zu wollen. Auf die Frage nach einem möglichen neuen Bündnis mit der SPD sagte sie: "Ich möchte auch keine Große Koalition. Niemand strebt sie an." Steinbrück bekräftigte, dass er selbst in keine Große Koalition gehen werde.

2013 sind bisher viele Wähler unentschlossen, ob und wen sie wählen. Daher kann dieses Duell durchaus eine Entscheidungshilfe gewesen sein. Umfragen zufolge wünscht sich die Mehrheit genau das, was Steinbrück und Merkel in der Sendung ablehnten: eine Große Koalition.

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