Do, 19. Oktober 2017

Oma-Mord in OÖ

23.08.2013 08:02

Opfer hortete in Lade Indizien für Seitensprünge

Ein delikates Detail wird im beginnenden Mordprozess über das Familiendrama in Taufkirchen an der Pram in Oberösterreich eine Rolle spielen: Mordopfer Renate D. (68) hatte bis zu 26 Jahre lang in einer geheimen Lade jene Zettel aufgehoben, auf denen sich Gatte Leopold (72) Wegbeschreibungen für Seitensprünge aufgeschrieben hatte.

Es war eine Ehehölle hinter der Fassade gutbürgerlichen Glücks: Leopold D., der seinen Lieblingsenkel Lukas (19) zum Mord an der Ehefrau und Oma Renate D. angestiftet haben soll, führte lange Zeit ein Doppelleben. Der ehemaligen Hauptschuldirektor, Kapellmeister, Museumsgründer und Konsulent leistete sich vier Seitensprünge. Aus einer dieser außerehelichen Beziehungen entstand auch ein lediges, mittlerweile erwachsenes Kind.

Bereits im November des Vorjahres hatte Wolfgang D., Sohn des 72-Jährigen und Onkel von Lukas, Einblicke in die zerrüttete Ehe seiner Eltern gegeben. So hätte sein Vater mit seinen Seitensprüngen für Dauerstreit gesorgt, wie der 45-Jährige damals erklärte.

Auch mehrfach Prostituierte aufgesucht
Doch damit nicht genug. Der in jeder Hinsicht umtriebige Machtmensch gönnte sich Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre offenbar mehrfach Besuche bei Prostituierten in Passau und Regensburg. Damit er auch sicher zu den Objekten seiner Begierde hinfand, notierte er sich auf Zetteln genaue Wegbeschreibungen, die er zusammen mit den Zeitungsinseraten in seiner Manteltasche mit sich führte.

Ehefrau Renate sammelte diese delikaten Indizien und versteckte sie in einer Geheimlade. In der Beschuldigtenvernehmung am 21. Jänner 2013 gestand Leopold D. diese "Krise". Aber auch seine Frau sei fremdgegangen. In der ersten Einvernahme am 27. Oktober 2012 um 4.51 Uhr früh, also drei Stunden nach der Auffindung der Leiche, hatte Leopold D. allerdings noch behauptet, die Ehe sei harmonisch verlaufen, außer kleinen Meinungsverschiedenheiten habe es keinerlei Streitigkeiten gegeben.

Das triste Desaster einer kaputten Ehe
Warum ist dieser Blick ins Intimleben wichtig? Weil Leopold D. stets behauptet hatte, kein Motiv für die Anstiftung zum Mord zu haben. Doch nun zeigt sich ein anderes Bild: das triste Desaster zweier Menschen, denen der schöne Schein der heilen Welt so wichtig war, dass sie lieber ihre private Hölle ertrugen, als auseinander zu gehen. Bis die tägliche Konfrontation, der ständige Druck zur Eskalation führten. Auf diesem Szenario baut die Anklage auf.

Ob es wirklich so war und wer lügt - Enkel oder Opa -, das werden die Geschworenen ab Montag im Landesgericht Ried im Innkreis entscheiden müssen - ein Thriller im Gerichtssaal.

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