Sa, 16. Dezember 2017

Zahlreiche Abstürze

15.08.2013 17:16

Vertrauensindex: Gewinner und Verlierer seit 2008

Das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung ist geringer geworden. Eine Analyse des aktuellen APA/OGM-Vertrauensindex zeigt, dass sowohl Bundeskanzler Werner Faymann als auch Vizekanzler Michael Spindelegger seit Regierungsantritt 2008 nach gutem Beginn deutlich an Vertrauen eingebüßt haben. Am stabilsten hielten sich diesbezüglich SP-Sozialminister Rudolf Hundstorfer und VP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Von den Oppositionschefs kann nur Grünen-Obfrau Eva Glawischnig punkten.

Der Vertrauensindex bildet einen Saldo aus "Vertrauen" und "kein Vertrauen" in Prozent ab. Basis waren jeweils rund 500 Interviews unter Österreichern ab 16 Jahren.

Faymann und Spindelegger nach starkem Beginn abgesackt
Faymann sei mit einem überraschenden Wahlerfolg stark gestartet, analysiert OGM-Chef Wolfgang Bachmayer den positiven Vertrauenssaldo des Kanzlers von 29 Prozent Anfang 2009. Dann sei es jedoch zu einer Stagnation gekommen - und mit der Inseratenaffäre sei er ins Vertrauensminus (-6 Punkte) gekommen. Zuletzt konnte er wieder leicht aufholen (-2).

Auch Spindelegger erlebte 2008 - als er noch Außenminister war - einen guten Einstieg und erreichte 2010 einen positiven Vertrauenssaldo von 22 Prozent. Nach seinem Aufstieg zum Vizekanzler und ÖVP-Chef büßte er aber rasch an Vertrauen ein und rutschte im Herbst des Vorjahres ins Minus. Als Gründe dafür macht Bachmayer die Debatte um seine Führungsqualitäten im Zuge der von Landeshauptmann Erwin Pröll durchgesetzten Wehrpflicht-Volksbefragung sowie die Spekulationen um seine Übersiedelung ins Finanzministerium anstelle von Maria Fekter aus. Neuer Rückenwind durch Wahlerfolge der ÖVP im ersten Halbjahr flaute zuletzt wieder ab.

Positive Werte für Hundstorfer, Mitterlehner, Klug und Kurz
Als "Paarlauf der Zwillingsminister auch beim Vertrauensindex mit stabilen und zufriedenstellenden Werten" beurteilt der OGM-Chef die seit 2008 fast durchgehend positiven Vertrauenssaldi für Hundstorfer und Mitterlehner.

Als Senkrechtstarter (beide +18) erwiesen sich zudem SP-Verteidigungsminister Gerald Klug und VP-Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz. Der erst heuer im März nach der SPÖ-Niederlage bei der Wehrplicht-Volksbefragung statt Norbert Darabos ins Amt gekommene Klug habe den "Malus seines Amtsvorgängers als großen Bonus" nützen können, analysiert Bachmayer. Sein Auftreten und seine Optik seien "stimmig". Kurz sei nach seinem Start im April 2011 zwar zunächst von den Medien verrissen worden, in der Bevölkerung habe er aber von Anfang an Vertrauen genossen. In der Zwischenzeit habe er auch Rückenwind durch die Unterstützung der Medien und profitiere laut Bachmayer auch davon, dass er in der Integrationspolitik wenig polarisiert.

Zahlreiche Bruchpiloten, Berlakovich weit abgeschlagen
Kein Vertrauen bringt die Bevölkerung hingegen SP-Unterrichtsministerin Claudia Schmied sowie den ÖVP-Ministern Nikolaus Berlakovich, Beatrix Karl, Maria Fekter und Johanna Mikl-Leitner entgegen. Dabei genoss Schmied als unabhängige Expertin anfangs viel Vertrauen (+24 Anfang 2009). Im Zuge der Debatte um Gesamtschule und Neue Mittelschule kam sie dann jedoch ins Minus und seit den anhaltenden Misserfolgen bei den Lehrerverhandlungen rutschte sie ganz ab (zuletzt -24).

Ähnlich erging es auch Finanzministerin Fekter und Landwirtschaftsminister Berlakovich. Dieser verzeichnete bis zur Hälfte der Legislaturperiode ein positives Vertrauenssaldo und glitt erst dann ins Minus. Mit seinem PR-Desaster um den Bienenschutz erlebte er einen Absturz und nimmt seither den letzten Platz (-42) unter allen Regierungsmitgliedern ein. Auch Fekter bekam "Antrittsapplaus", rutschte aber laut Bachmayer bald durch ihre "Polarisierung als wenig diplomatische Iron Lady" ins negative Vertrauenssaldo. Aktuell (-22) schade ihr vor allem das Hypo-Thema.

In ein negatives Saldo ist auch Justizministerin Karl gerutscht (-14), nachdem sie "in einige Fettnäpfchen getreten" war, erinnerte Bachmayer etwa an ihr wenig diplomatischen Aussagen zur Vergewaltigung eines minderjährigen Untersuchungshäftlings. Gleich von Anfang an negativ beurteilt wurde Innenministerin Mikl-Leitner (-17), die nach Ansicht des OGM-Chefs zunächst ein zu "hartes Bild" vermittelte. Das habe sich aber langsam gebessert (zuletzt -11).

Glawischnig bei Oppositionschefs mit Abstand voran
Von den Oppositionschefs genießt eindeutig Glawischnig das meiste Vertrauen. Der Start der Grünen Bundessprecherin verlief zwar "holprig" (-20). Seither kann sie sich aber über eine stetige Zunahme der Akzeptanz freuen - und seit der Besetzung des Korruptionsthemas sowie den Wahlerfolgen im ersten Halbjahr 2013 hat sie ein positives Vertrauenssaldo (zuletzt +5). Die drei anderen Oppositionspolitiker liegen deutlich im Vertrauensminus: FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache (seit 2008 fast konstant) und Frank Stronach jeweils bei minus 35 und Josef Bucher bei minus 32.

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