Mo, 11. Dezember 2017

Heißer Wahlkampf

14.08.2013 12:44

Schönborn wünscht sich "Abrüstung der Worte"

Kardinal Christoph Schönborn wünscht sich im Wahlkampf eine "Abrüstung der Worte". Der Wiener Erzbischof war am Dienstagabend mit weiteren Religionsvertretern zu einem muslimischen Istar-Essen ins Bundeskanzleramt geladen. Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg kritisierte dabei die auf den Begriff "Nächstenliebe" aufgebaute aktuelle Kampagne der Freiheitlichen. FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache ließ das am Mittwoch nicht gelten: "Manche glauben, sie haben den Begriff gepachtet."

Es sei eine "nicht gute Übersetzung" des Wortes Nächstenliebe, sprach Eisenberg die Plakatkampagne der Freiheitlichen an, ohne jedoch die Partei direkt beim Namen zu nennen. In einer anderen Stelle der Heiligen Schrift heiße es nämlich "liebet den Fremden". Eisenberg bedankte sich wie auch Schönborn und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Fuat Sanac, für die Einladung zum Essen. Auch dabei komme man sich demnach näher.

Schönborn: "Stil des Gemeinsamen pflegen"
Schönborn ging zwar nicht auf die FPÖ-Kampagne ein, sprach sich aber generell für ein besseres politisches Miteinander aus. Wie auch die Religionsgemeinschaften untereinander bzw. der Staat und die Glaubensgemeinschaften, sollte man sich auch hier bemühen, den "Stil des Gemeinsamen" zu pflegen. Zudem erinnerte Schönborn daran, dass die Religionen in Österreich entscheidende Träger der Integration seien.

"Wenn ein Teil unglücklich ist, kann die ganze Gesellschaft nicht glücklich sein", ging auch Sanac auf das Thema Integration ein. Er wünschte sich vor allem eine "harmonische Gesellschaft". Auch er lobte die jahrelange enge Zusammenarbeit mit den staatlichen Institutionen.

Auch der Gastgeber, Bundeskanzler Werner Faymann, drückte seinen Stolz aus, dass man zu den Religionen in Österreich ein so gutes Verhältnis habe und dass auch das Miteinander unter den Glaubensgemeinschaften funktioniere. Dies sei vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht überall auf der Welt selbstverständlich.

Strache verteidigt Verwendung von "Nächstenliebe"
FPÖ-Chef Strache wiederum verteidigte am Mittwoch die Verwendung des Wortes "Nächstenliebe" in der Kampagne der Freiheitlichen gegen jegliche Kritik. "Manche glauben, sie haben den Begriff gepachtet", sagte der Parteichef bei der Präsentation des "inländerfreundlichen" FP-Wahlprogramms. Generalsekretär Herbert Kickl erklärte zudem, vom Wunsch Schönborns nach einer "Abrüstung der Worte" in der Politik fühle sich die FPÖ nicht angesprochen.

"Wir führen keine theologische Debatte", reagierte Strache vor allem auf Kritik der evangelischen Kirche. Es gehe nicht darum, wer den Begriff der Nächstenliebe als erstes verwendet habe - "ob das der Sokrates war oder der Buddha oder der Jesus". Niemand habe die Deutungshoheit. Dass die "Nächstenliebe" den Österreichern gelten solle und nicht etwa Banken und Spekulanten, versuchte Strache durch ein weiteres Bibelzitat zu bestärken: "Der barmherzige Samariter hilft ja auch nicht den Räubern und Verbrechern, sondern dem Opfer."

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