Sa, 21. Oktober 2017

Ukraine-Skandal

12.08.2013 11:45

Bärenjunges für 750 Euro an TV-Sender verkauft

Wie einfach es ist, einen jungen Bären auf dem Schwarzmarkt zu erstehen, hat unlängst der bekannte ukrainische Fernsehsender 1+1 aufgedeckt: Für nur 750 Euro wurde der fünf Monate alte Braunbär "Bodia" in einer Undercover-Aktion an den Sender verkauft. Die "Vier Pfoten" wurde gebeten, die Rettungsaktion zu unterstützen und überstellte den kleinen Bodia erfolgreich in die Bärenstation Nadiya in Berezivska, Zhytomyr.

Die kürzlich durchgeführte Undercover-Aktion der ukrainischen TV-Station "1+1" bringt einmal mehr den blühenden illegalen Bärenhandel in der Ukraine ans Licht. Die Recherche des Senders endeten mit dem Kauf des fünf Monate alten männlichen Bärenjungen Bodia für 10.000 Ukrainische Hrywnja (umgerechnet rund 750 Euro) im Juli dieses Jahres.

Zukunft als Touristenattraktion
Bodia wurde den Journalisten ohne rechtliche Dokumente verkauft. Laut der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten", die von 1+1 für die Bärenrettung herangezogen wurden, hätte Bodias unglückliche Zukunft darin bestehen können, ein Dasein als Touristenattraktion zu fristen oder als Köder missbraucht zu werden, um Hunde für die Jagd in der Wildnis zu trainieren.

Schicksal erinnert an Bärin "Nastia"
Der Fall von Bodia erinnert stark an das Schicksal einer anderen kleinen Bärin, deren Geschichte um die Welt ging: "Nastia" war vom Zoo Lutsk an skrupellose Tierhändler verkauft und brutal ihrer Mutter entrissen worden. Die "Vier Pfoten" retteten die kleine Bärin daraufhin und überführte sie in die temporäre Bärenstation Nadiya in Zhytomyr.

Zu früh von der Mutter getrennt
"Wieder einmal werden die korrupten Aktivitäten von Tierhändlern in der Ukraine deutlich", sagt Amir Khalil, Tierarzt bei den "Vier Pfoten". "In der Wildnis bleibt ein Bärenjunges zwei Jahre lang bei der Mutter. Wenn es ihr zu früh entrissen wird, wird das Junge traumatisiert und leidet unter dem Mangel einer echten Sozialisation."

Bodia als Gesellschaft für Nastia?
Nachdem sie von 1+1 kontaktiert worden waren, handelten die Bärenexperten sofort: Bodia wurde in die vorläufige Bärenstation Nadiya in der Stadt Berezivska gebracht – ein sicheres und angemessenes neues Zuhause. Das Zentrum wurde im November 2012 eröffnet und dient bereits als neues Zuhause für Nastia. Khalil: "Nastia ist heute ein gesundes einjähriges Bärenmädchen, und ihre natürlichen Instinkte werden jeden Tag stärker. Bodia könnte ein guter Gefährte für sie sein; wir werden versuchen, die zwei jungen Bären zu vergesellschaften, sobald unsere Experten es für angebracht halten."

"Handel mit Bären muss beendet werden"
Privater Bärenhandel ist in der Ukraine illegal. Khalil: "Wir ersuchen die ukrainische Regierung, umgehend gegen die betreffenden Tierhändler vorzugehen. Die Gesetze müssen effizient exekutiert und Verstöße strenger geahndet werden, um die Tiere vor derart brutalen Machenschaften zu schützen. Der Handel mit jungen Bären muss endgültig beendet werden."

Etwa 80 weitere Bären in schlechter Haltung
Seit 2011 haben die "Vier Pfoten" in der Ukraine fünf Bären gerettet, die privat unter grausamen Bedingungen gehalten wurden. Aber die Untersuchungen und Rettungsinitiativen der Organisation werden hier noch nicht enden. Nach Schätzungen der Regierung werden noch 80 weitere ukrainische Bären unter äußerst schlechten Bedingungen gehalten.

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