Sa, 18. November 2017

Nach Grünen-Kritik

09.08.2013 15:25

ORF-Redakteure wehren sich gegen „Parteiproporz“

Nach der FPÖ haben zuletzt auch die Grünen den ORF als Wahlkampfthema entdeckt. In verschiedenen Aussendungen und Medienberichten monierten der grüne Mediensprecher Dieter Brosz und Grünen-Chefin Eva Glawischnig mangelnde Präsenz der Öko-Partei in den "Zeit im Bild"-Sendungen des ORF. Die ORF-Journalisten setzten sich am Freitag via Aussendung gegen die Vorwürfe zur Wehr und warfen den Grünen vor, "übelsten Parteiproporz" zu verlangen.

Hintergrund ist der grüne Verdacht der Bevorzugung von Regierungsparteien bei der Einladungspolitik des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Anlass dafür sind verschiedene Studien, die die O-Ton-Präsenz der verschiedenen Parteienvertreter in den ORF-Nachrichtensendungen erheben. Traditionsgemäß erreichen Regierungsparteien bei solchen quantitativen Methoden höhere Präsenzwerte als Oppositionsparteien, da Regierungsmitglieder stärker im medialen Fokus stehen. Die Grünen sprachen von einem "journalistischen Armutszeugnis" des ORF und orten dort "mangelndes Rückgrat".

Redakteursrat: "Grüne fordern Parteifunk"
Von den ORF-Journalisten hagelte es deshalb am Freitag herbe Kritik. "Angeblich für die journalistische Unabhängigkeit des ORF zu sein und gleichzeitig Sendezeit nach dem Parteiproporz einzufordern, ist einigermaßen skurril", meinte Redakteursratsvorsitzender Dieter Bornemann. "Die Grünen verlangen in Wahrheit übelsten Parteiproporz in der Berichterstattung. Sie glauben, sie haben das Recht auf Berichterstattung, völlig unabhängig davon, ob es journalistisch relevant ist oder nicht. Das hat nichts mit Unabhängigkeit zu tun. Im Gegenteil: Das ist Parteifunk, den die Grünen da verlangen."

"Unabhängigkeit nicht mit Stoppuhr und Lineal messen"
"Weder Parteizentralen noch ORF-Management können bestimmen, wie die Berichterstattung im ORF ausfällt", so der ORF-Redakteursrat. "Diese Entscheidung fällt ausschließlich in den Redaktionen. Unabhängigkeit und Ausgewogenheit wird nicht mit Stoppuhr und Lineal vermessen, sondern es zählt ausschließlich journalistische Relevanz. Nach diesem Maßstab werden die Grünen - wie jede andere politische Partei auch - beurteilt."

Dass SPÖ und ÖVP in den Medien öfter vorkommen als die Opposition, habe rein journalistische Gründe, so Bornemann. Regierungsparteien seien politisch verantwortlich und damit naturgemäß Gegenstand der politischen Berichterstattung. Aber allein der Gedanke, die Berichterstattung über Oppositionsparteien würde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterdrückt, sei völlig absurd.

"Grüne können sich Krokodilstränen sparen"
Sollte den Grünen die Unabhängigkeit des ORF ein echtes Anliegen sein, und es ihnen nicht nur um ihr eigenes Vorkommen in den ORF-Sendungen gehen, gäbe es dafür laut Bornemann lohnendere Aufgaben als die grundlose Beschimpfung von ORF-Redaktionen, etwa die Unterstützung der weiteren Ent-Parteipolitisierung der ORF-Gremien. "Krokodilstränen über die angeblich fehlende Unabhängigkeit der ORF-Berichterstattung können sich die Grünen gerne sparen."

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