Sa, 25. November 2017

Helfer unterwegs

07.08.2013 13:19

Tierrettung: Ausrücken, wenn Tiere Hilfe brauchen

Verletzte Tiere nach einem Unfall oder Brand zu bergen und rasch zum Tierarzt zu bringen, ist die Hauptaufgabe der Grazer Tierrettung.

Unglaubliche 1.300 jährliche Einsätze der Tierrettungsmannschaften zählt die Statistik der Grazer Berufsfeuerwehr – sie reichen vom kleinen Meerschweinchen bis zur im Misthaufen stecken gebliebenen Kuh. Viele der Hilfesuchenden melden aus dem schützenden Nest gefallene Vogelkinder, scheinbar auf Bäumen festsitzende Katzen und in Schutzgittern gefangene Tauben.

Imkerausrüstung an Bord
Sofort wird der eingehende Notruf an die diensthabende Mannschaft am Grazer Dietrichsteinplatz weitergeleitet, die dann mit dem speziell ausgerüsteten Tierrettungsfahrzeug ausrückt. Mit an Bord sind Käfige, Tierfutter, verschiedene Tragegurte, aber auch eine vollständige Imkerausrüstung (für den Fall, dass sich – was tatsächlich geschah – ein Hornissenschwarm in ein Kinderzimmer "verirrt" und sachgemäß entfernt werden muss) sowie ein Narkosegewehr, für dessen Bedienung der diensthabende Tierarzt gerufen wird.

Die Katze im Kamin
Der Hauptbrandmeister Christian Essl, dessen Vater schon der Tierrettung angehört hatte und diese Leidenschaft an seinen Sohn weitergab, erzählt von einem seiner ersten Einsätze: Bewohner eines Einfamilienhauses hatten tagelang eine Katze miauen gehört, sie jedoch nicht orten können, bis es der herbeigerufenen Mannschaft gelang, den ziemlich kniffligen Aufenthaltsort von "Minka" ausfindig zu machen: Sie war vom Dach abgerutscht und in den Kamin gestürzt.

Kontakt mit Exoten gehört zum Alltag
Ohne zu zögern erteilten die Besitzer die Erlaubnis zum Aufstemmen des Kamins und Minka konnte zwar verschreckt und ausgehungert, aber unverletzt geborgen werden. Doch auch Rettungseinsätze für exotische Tiere, wie etwa Schlangen, Spinnen oder Chamäleons, gehören zum Alltag der Florianis.

Sticker helfen bei Brandeinsätzen
Der gefährlichste Einsatz für die Tierrettung ist jener, bei dem es darum geht, bei oder nach einem Brand die im Gebäude lebenden Tiere aufzuspüren und rechtzeitig in Sicherheit zubringen. Um die Bergung zu beschleunigen, gibt es nun spezielle Sticker (siehe Bild oben), auf denen die genaue Beschreibung jedes im Haushalt lebenden Tieres angeführt wird.

Sie sind kostenlos bei der Hauptfeuerwache am Grazer Lendplatz sowie beim Portier im Rathaus erhältlich. Diese Aufkleber sind die "Erfindung" eines Grazer Feuerwehrmannes, der ähnliche bei einem USA-Urlaub sah. Für die österreichweite Verbreitung steht die Berufsfeuerwehr gerne für Auskünfte zur Verfügung.

Wildtierexpertin hilft oftmals aus
Vor Kurzem fungierte der Einsatzwagen als "Arche Noah auf vier Rädern": Unmittelbar hintereinander mussten eine ungiftige Äskulapnatter, ein junger verletzter Rabe und eine im Straßgangerbad ausgesetzte Wasserschildkröte geborgen werden.

Die Schlange wurde sofort wieder in den Murauen freigelassen, die Schildkröte in das Landestierheim gebracht und das Rabenkind zu Monika Großmann vom Verein "Kleine Wildtiere in großer Not". Die engagierte Tierfreundin hat vor 15 Jahren mit der Versorgung einer verletzten Fledermaus den Grundstock zu ihrem weithin bekannten Tierschutzverein gelegt, ist mittlerweile anerkannte Spezialistin für die Aufzucht von Eichhörnchen und Rehkitzen.

Spenden werden dringend benötigt
Oft ist ihr die körperliche Erschöpfung anzusehen, und die finanziellen Probleme nagen an ihr. Dann hilft sie beim Füttern der putzigen Igelbabys und die Sorgen sind fast vergessen. Ohne die Unterstützung treuer Spender wäre die Weiterführung des Vereins kaum möglich – allein im heurigen Jahr wurden schonmehr als 2.000 Tiere abgegeben – von den Mitarbeitern der Tierrettung und Privatpersonen aus ganz Österreich. Dringende Sanierungs- und Erweiterungsbauten sind nötig, Politiker in Stadt und Land sowie Wirtschaftsbosse sind zur Hilfe aufgerufen!

Echte Notfälle erkennen lernen
Besonders betont wird von den Tierrettern, dass junge Vögel, die sich auf dem Boden, aber nicht unmittelbar in Gefahr befinden, stets in Ruhe gelassen werden sollen. Diese Phase ist Teil des Fliegenlernens. Oft versagt bei besorgten Mitbürgern, die umgehend die Tierrettung verständigen, der gesunde Menschenverstand, denn häufig kommen Elterntiere sofort herbei, um ihre Kinder zu versorgen.

Ein weiterer eindringlicher Appell wird aufgrund der anhaltenden Hitzewelle an alle Tierbesitzer gerichtet: Lassen Sie Ihre Lieblinge niemals im heißen Auto zurück! Dies bedeutet Todesgefahr!

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