Mo, 20. November 2017

Bestechungsanklage

17.07.2013 15:31

F1-Boss Ecclestone drohen bis zu zehn Jahre Haft

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat den Formel-1-Chef Bernie Ecclestone wegen Bestechung des ehemaligen BayernLB-Vorstandes Gerhard Gribkowsky angeklagt. Die Anklage sei Ecclestone zugestellt worden, sagte Gerichtssprecherin Margarete Nötzel am Mittwoch in München. Dem 82-jährigen Ecclestone wird vorgeworfen, Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Bank 44 Millionen Dollar, das sind rund 33,5 Millionen Euro, Schmiergeld gezahlt zu haben. Das deutsche Recht sieht für dieses Delikt bis zu zehn Jahre Haft vor.

Gribkwowky wurde inzwischen bereits zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, treibende Kraft für das Verbrechen war nach Ansicht der Richter aber Ecclestone selbst: Er habe Gribkowsky mit seinem Charme und seiner Raffinesse "ins Verbrechen" geführt, sagte Richter Peter Noll in der Urteilsbegründung. Seitdem ist klar, dass es für Ecclestone eng wird. Entscheidend in einem möglichen Prozess wird die Frage sein, ob Ecclestone wusste, dass Gribkowsky bei einer staatlichen Bank angestellt war - und somit ein Amtsträger, der kein Geld annehmen darf.

Affäre geht auf Jahr 2006 zurück
Kennengelernt hatten sich Ecclestone und Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Mehrheit der Bank im Jahr 2006. Der Banker Gribkowsky hatte als Risikovorstand der BayernLB den Auftrag, die Anteile der Bank an der Formel 1 zu Geld zu machen. Dabei arbeitete er eng mit Ecclestone zusammen, der die Bank am Steuer der Formel 1 lieber heute als morgen loswerden wollte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Ecclestone die Millionen zahlte, damit Gribkowsky die Rennserie an seinen Wunschkandidaten verkauft. Also winkte er dem Banker aus Bayern mit einem Job als Berater in der Glamourwelt der Formel 1 samt Millionenhonorar. Dafür sollte er den BayernLB-Anteil an den britischen Investor CVC geben - was auch gelang. Die BayernLB geht davon aus, dass sie ohne den Pakt der beiden Männer wesentlich mehr für ihre Formel-1-Anteile erhalten hätte - und fordert mehr als 400 Millionen Dollar Schadenersatz von Ecclestone.

Ecclestone wies Vorwürfe stets zurück
Ecclestone selbst wies den Verdacht der Bestechung stets von sich und beschuldigte Gribkowsky, ihn unter Druck gesetzt zu haben. "Er war gut darin, mich subtil zu bedrohen und in Angst zu versetzen", sagte er bei seiner Zeugenaussage. Er sei in seinem Leben schon mehrfach bedroht worden, "aber so noch nie." Ihm sei es daher darum gegangen, Gribkowsky "friedlich, freundlich und ruhig" zu halten, "damit er nicht auf dumme Gedanken kommt". Ecclestone will befürchtet haben, dass der Banker britischen Behörden Gerüchte über eine Stiftung seiner Frau mitteilen hätte können - mit der Folge von Steuernachzahlungen in Höhe von zwei Milliarden Pfund.

Zeit in der Formel 1 womöglich bereits abgelaufen
Sollte es zu einem Verfahren und auch zu einer Verurteilung kommen, weiß Ecclestone, was ihn als "Zampano" der Formel 1 erwartet: Die Besitzergesellschaft CVC "wird wahrscheinlich gezwungen sein, mich loszuwerden, wenn die Deutschen mich holen. Es ist ziemlich klar, wenn ich eingesperrt würde", hatte er Ende vergangenen Jahres dem "Sunday Telegraph" gesagt. CVC soll bereits einen Headhunter für die Nachfolge engagiert haben.

Rücktritt? "Ich wüsste nicht, warum ich das tun sollte"
Einen eigenständigen Rücktritt als Formel-1-Chef schließt Ecclestone vorerst allerdings aus. "Ich wüsste nicht, warum ich das tun sollte. Ich werde das tun, was ich immer gemacht habe: weiter arbeiten und meinen Job tun. Für mich ändert sich durch diese Sache nichts", sagte er der "Bild". Eine Verhandlung findet nach Gerichtsangaben nicht vor Mitte September statt. Nach Zustellung der Anklage haben Ecclestones Anwälte bis Mitte August Zeit für ihre Stellungnahme. Der Engländer müsste vor Gericht persönlich erscheinen. "Wenn es sein muss, sicher, dann bin ich da. Warum nicht?"

Bis zu zehn Jahre Haft möglich
Ecclestone droht im Falle einer Verurteilung eine lange Haftstrafe. Das deutsche Strafgesetz sieht für Bestechung eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor. Für besonders schwere Fälle von Bestechung sind laut Gesetz ein bis zehn Jahre Haft möglich.

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