Di, 21. November 2017

Schwere Schlappe

11.07.2013 08:17

Preisabsprachen bei E-Books: Apple laut Urteil schuldig

Schwere Schlappe für Apple: Nach einem wochenlangen Verfahren ist eine Richterin am Mittwoch in New York zu der Überzeugung gelangt, dass Apple illegale Preisabsprachen für den US-amerikanischen E-Book-Markt getroffen hat. Der iPhone- und iPad-Hersteller muss sich nun auf eine Strafe und Schadenersatz einstellen. Darüber wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Richterin Denise Cote folgte in ihrem Urteil der Argumentation des Justizministeriums, welches das Verfahren angestoßen hatte. Das Ministerium hatte Apple vorgeworfen, zum Start des iPads im Jahr 2010 zusammen mit Verlagen die Preise für elektronische Bücher zum Schaden der Verbraucher künstlich hochgeschraubt zu haben.

"Apple spielte eine zentrale Rolle beim Aufbau und der Ausführung dieser Verschwörung", heißt es in dem Urteil. Die Absprachen seien nur deshalb so erfolgreich gewesen, "weil Apple sie organisiert hat". Das US-Justizministerium feierte das Urteil als einen "Sieg für Millionen Verbraucher, die elektronische Bücher lesen".

Die fünf involvierten Verlage - Hachette Livre, Harper Collins, Simon & Schuster, Penguin sowie Macmillian - hatten sich bereits nach und nach mit der US-Justiz geeinigt und teilweise die Preise gesenkt. Apple dagegen zog ein Gerichtsverfahren vor.

"Apple nutzte den günstigen Moment"
Die Hintergrundgeschichte: Als Apple 2010 sein iPad auf den Markt brachte, dominierte Amazon das E-Book-Geschäft. Der weltgrößte Onlinehändler verkaufte dabei aktuelle Bestseller für seine Kindle-Lesegeräte in den USA besonders günstig für 9,99 Dollar. Dabei zahlte Amazon den Verlagen beim Einkauf der Titel einige Dollar pro E-Book mehr, wie aus Unterlagen zum Verfahren bekannt wurde. Die Buchbranche war dennoch unzufrieden, weil sie befürchtete, dass mit dem Verramschen ihrer Titel die Leser künftig generell niedrigere Preise erwarteten.

"Apple wollte nicht mit Amazon (oder einem anderem E-Book-Händler) über den Preis konkurrieren", stellte Richterin Cote fest. Mit den Preisabsprachen habe Apple praktisch über Nacht eine zusätzliche Einnahmequelle und eine attraktive Zusatzfunktion für sein iPad bekommen und die Verlage hätten Amazons 9,99-Dollar-Preis brechen können. "Apple nutzte den günstigen Moment und machte seinen Zug."

Verlage wollten Gegenpol zu Amazon errichten
Die Verlage sahen im Markteintritt von Apple die Chance, einen Gegenpol zu Amazon aufzubauen. Unter der Regie von iTunes-Chef Eddy Cue und dem damaligen Konzernlenker Steve Jobs einigte sich Apple mit den US-Verlagen auf ein sogenanntes Agentur-Modell. Dabei bestimmen die Verlage den Preis, Apple sicherte sich die übliche Kommission von 30 Prozent.

Eine Klausel legte zudem fest, dass kein anderer Händler die Bücher günstiger bekommen konnte als Apple. Mit diesem Druckmittel in der Hinterhand stellten die Verlage den Gerichtsunterlagen zufolge Amazon ein Ultimatum: Der Online-Händler sollte entweder auch zu einem Agentur-Modell wechseln oder länger auf neue Titel warten müssen. Amazon lenkte ein. Laut der Klageschrift stiegen die Preise auf 12,99 oder 14,99 Dollar.

Ähnliches Kartellverfahren in der EU
Die EU-Kommission hatte ein ähnliches Kartellverfahren eröffnet. Hier machten jedoch nicht nur die Verlage, sondern auch Apple außergerichtlich Zugeständnisse. Mit der im Dezember geschlossenen Einigung bekamen Händler für mindestens zwei Jahre mehr Spielraum für Rabatte bei E-Books. Allerdings hat dies keinen Einfluss auf nationale Regelungen wie die österreichische Buchpreisbindung, bei der die Verlage grundsätzlich die Preise von Büchern im Handel festlegen.

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