Fr, 17. November 2017

Für TV-Reportage

05.07.2013 10:26

3D-Druck-Pistole in Israels Parlament geschmuggelt

Wären es nicht Journalisten, sondern Terroristen gewesen, wäre Israels Premier Benjamin Netanyahu jetzt wahrscheinlich tot. TV-Reporter haben kürzlich eine mittels 3D-Drucker hergestellte Kunststoffpistole an Metalldetektoren vorbei ins israelische Parlament, die Knesset, geschmuggelt. Sie gelangten mit der Waffe bis auf wenige Meter an Netanyahu heran. Bei der Pistole handelt es sich um das Modell "Liberator", dessen Baupläne seit einigen Wochen im Netz kursieren.

Wie die israelische Zeitung "Times of Israel" berichtet, war die Aktion das Werk des TV-Senders Channel 10. Reporter Uri Even hatte die Pistole mit einem 3D-Drucker ausgedruckt und für die Sendung "Tzinor Layla" offenbar gleich zwei Mal unbemerkt in die Knesset geschmuggelt.

Einmal gelang es Even dabei sogar, mit der Pistole bis auf wenige Meter an Premier Netanyahu heranzutreten und die Waffe zu ziehen. Wäre Uri Even kein Reporter, sondern Terrorist gewesen, wäre Netanyahu jetzt wohl tot.

Hunderte 3D-Drucker für Waffenbau verfügbar
Allein in Israel gebe es Hunderte 3D-Drucker, auf denen solche Plastikwaffen gedruckt werden könnten, berichtet die Zeitung. Die günstigeren Modelle wie den "Replicator 2" des Herstellers MakerBot gibt es schon für unter 2.000 Euro.

Entwickelt wurde der "Liberator" von US-amerikanischen Waffennarren, die mit ihrem Start-up Defense Distributed seit geraumer Zeit am 3D-Druck von Schusswaffen arbeiten. Der Kopf der Gruppe, Cody Wilson, hatte die Baupläne für die Waffe im Mai online gestellt (siehe Infobox). Sie sollen binnen weniger Tage rund 100.000 Mal heruntergeladen worden sein.

"Liberator"-Baupläne verbreiten sich im Web
Zwar wurde Defense Distributed von der US-Regierung schon nach kurzer Zeit aufgefordert, die Pläne offline zu nehmen, über diverse andere Websites und Tauschbörsen verbreiten sie sich allerdings nach wie vor. Die Büchse der Pandora ist offen und kann nicht so einfach wieder verschlossen werden.

Die Technologie "stellt eine ganz neue Herausforderung für die Sicherheitssysteme in Israel und der ganzen Welt dar", sagt der Knesset-Sicherheitschef Yossi Grif. Man untersuche den Vorfall bereits und arbeite daran, möglichst bald eine Lösung für das Problem mit den unentdeckbaren Plastikwaffen zu finden.

3D-Druck-Pistole auch Gefahr für Schütze
Bevor sie die Waffe in Israels Parlament schmuggelten, testeten die Reporter sie zunächst auf ihre Funktionstüchtigkeit. Weil australische Behörden die Waffe bereits ausgedruckt und getestet hatten, wussten die Journalisten um die Gefährlichkeit der Waffe. In Australien ist ein Exemplar des "Liberator", der bis auf den Schlagbolzen zur Gänze aus Plastik besteht, beim Abfeuern explodiert.

Um zu prüfen, ob das auch mit ihrer Plastikpistole passieren würde, feuerten die Reporter sie zunächst von einem Stativ aus ab und betätigten den Abzug mit einer Schnur. Das Ergebnis: Der Lauf explodierte tatsächlich, die Kugel traf jedoch ihr Ziel. In der Praxis kann das Abfeuern des "Liberator" also ernsthafte Verletzungen für den Schützen nach sich ziehen. Terroristen wird das kaum stören.

Plastikwaffen zur realen Bedrohung geworden
Das Ziel der Aktion war, die Gefahr durch Waffen aus dem 3D-Drucker einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen. Trotzdem reagiert das Büro des Premierministers ungehalten. Es nennt die Aktion einen "unverantwortlichen Akt, der jene, die diese dubiose 'journalistische Mission' ausgeführt haben, in Gefahr gebracht hat und ernsthafte Schäden verursachen hätte können".

Fakt ist: Gedruckte Plastikwaffen, die durch Metalldetektoren geschmuggelt werden können, sind Realität. Flughäfen, Regierungsgebäude oder Botschaften – Einrichtungen, die mit Metalldetektoren bisher relativ zuverlässig vor hineingeschmuggelten Waffen geschützt werden konnten -, sind nicht länger sicher. In den USA wird deshalb bereits eine Reform des Gesetzes für unentdeckbare Feuerwaffen diskutiert. Terroristen und Kriminelle halten sich allerdings nicht an Gesetze.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden