Mo, 20. November 2017

Konzert in Wien

21.06.2013 09:14

Gitarrenmeister Mark Knopfler kam, sah und spielte

Wenn Mark Knopfler seine rote Fender Stratocaster auspackt und die ersten Akkorde spielt, dann weiß man: Der Mann beherrscht sein Instrument wie kein Zweiter. Eine Talentshow lieferte der Gitarrenmeister am Donnerstagabend in einer fast ausverkauften Wiener Stadthalle ab. Und er bewies, dass er mit seinen 64 Lenzen noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Wenn er die Bühne betritt, dann tut er das fast schon zurückhaltend, doch sobald der Meister der Gitarren die ersten Takte spielt, entbrennt frenetischer Applaus. Mark Knopfler geht es nicht darum, Hallen zu füllen – das macht er nebenbei. Wer ihn einmal in Aktion gesehen hat, weiß: Der will einfach gute Musik machen.

Der mehrfache Grammy-Gewinner, der einst Gründer und Frontman der legendären Dire Straits war, versteht es, das Publikum zu begeistern. Und das tut er auf eine derart unprätentiöse Weise, dass man hin und wieder den Eindruck bekommt, es wäre völlig egal, ob da fünf oder 15.000 Leute im Publikum sitzen. Der Gitarrenvirtuose eröffnete seine Show Donnerstagabend mit "What It Is", einer Single aus seinem im Jahr 2000 erschienen Album "Sailing to Philadelphia".

"Good Evening, Vienna"
Mit seiner Hommage an den Country, "Corned Beef City", schlug Knopfler rockigere Töne vor und nahm die Konzertbesucher mit auf die gute alte US-Landstraße. Danach ein kurzer Gruß - "Good Evening, Vienna, es ist schön, heute wieder hier zu sein" – und schon legte er wieder los, diesmal mit seiner aktuellen Single "Privateering" aus dem gleichnamigen Album. Dafür griff der Meister zur Akustikgitarre und wünschte seinem Gitarristen noch schnell "Good Luck". "Privateering" verbindet den klassischen Knopfler-Sound, den er seit seinen ersten Erfolgen mit den Dire Straits hegt und pflegt, mit Blues-Elementen und sanftem Rock.

Bei "Father and Son" und "Hills Farmers Blues" zeigte Knopfler, unterstützt von sieben Musikern, erneut, wie sehr er sein Instrument beherrscht. In seinen Soli entlockte er der Gitarre Töne, die bei anderen wohl nur für Ohrenschmerzen sorgen würden, bei ihm fügt sich aber nahtlos Akkord an Akkord und zerfließt zu einem einzigen Gesamtkunstwerk. Kopflers Stil auf der Bühne ist unaufdringlich, fast schüchtern, auf eine eigene Art und Weise aber charmant. Außer um seine Musiker vorzustellen, richtet er das Wort nicht an das Publikum. Muss er aber auch nicht. Das erledigt seine Musik für ihn.

Kuschelstimmung bei "Romeo and Juliet"
Als der Brite, der vor einigen Jahren von der Queen in den Order of the British Empire aufgenommen wurde, schließlich zu seiner silbernen Resonatorgitarre griff, war Kuschelstimmung angesagt. Denn mit dem Dire-Straits-Hit "Romeo and Juliet" brachte Knopfler seine Interpretation der größten Liebesgeschichte aller Zeiten zu Gehör - und das freute das Publikum natürlich besonders.

Einen fast Hendrix-artigen Sound ließ der Gitarrenmeister schließlich mit "Song for Sonny Liston" hören. Apropos Jimi Hendrix: Wer an Gitarrenvirtuosen denkt, kommt natürlich an ihm nicht vorbei. Mittlerweile hat sich Mark Knopfler aber wohl weit in den Gitarrenolymp gezupft und braucht den Vergleich in keinem Fall zu scheuen. Bei seinem Auftritt demonstrierte Knopfler ebenso die Vielfalt seiner Musik, ob exotisch ("Postcard from Paraguay"), wehmütig ("Haul Away") oder für unterwegs ("Marbletown"). Und zwischendurch legte er einfach mal eine kleine Jam-Session mit seiner Band ein.

Nach nur zwei Zugaben war Schluss
Bei "Speedway at Nazareth" wurden die Verstärker schließlich wieder aufgedreht und eine geballte Ladung Gitarrenriffs donnerte durch die Halle. Mit der Dire-Straits-Nummern "Telegraph Road" beendete der Meister dann auch das Programm. Nach zwei Zugaben ("Shangri-La" und "Far away") war Schluss, was vom an sich begeisterten Publikum dann doch mit einigen Buh-Rufen kommentiert wurde.

Fazit: Er kann es noch immer. Auch nach 36 Jahren im Showbiz weiß Mark Knopfler sein Publikum zu begeistern. Sein Sound ist ästethisch, ohne dabei altmodisch zu wirken, denn er versteht es, sich immer wieder neu zu erfinden. Ein großer Showman war Mark Knopfler nie, die Bühnenaction eines Bruce Springsteen wird bei ihm schon alleine durch den dezenten Bauchansatz verhindert. Knopfler wirkt durch seinen Sound und die absolute Perfektion, mit der er sein Instrument beherrscht. Und somit braucht es für einen Abend voll guter Musik eigentlich nur zwei Zutaten: Mark Knopfler und die rote Fender Strat.

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