Sa, 18. November 2017

Alarm bei Motorsäge

07.06.2013 15:04

Android-Handys wachen über Urwald in Indonesien

Dass Android-Handys echte Multitalente sind, beweist die Umweltschutzorganisation Rainforest Connection. Die Organisation benutzt Android-Handys, die mit Solarzellen ausgerüstet an Urwaldriesen hängen und mithilfe ihrer Mikrofone nach den Motorsägen illegaler Holzfäller lauschen. Vernimmt eines der Anti-Holzfäller-Handys das Geräusch einer sich in den Stamm eines Baumes fressenden Kette, schlägt es sofort Alarm und alarmiert Wildhüter.

Eine kleine Armee lauschender Androiden, die den Regenwald Indonesiens schützt: Das ist die Vision von Topher White, dem Gründer der Umweltschutzorganisation Rainforest Connection. Wie die Zeitschrift "New Scientist" berichtet, nutzt White für ein Pilotprojekt in den Wäldern Indonesiens neue Android-Handys, die der Organisation gespendet wurden. Wenn der Lauschangriff auf die illegalen Holzfäller in Gang gekommen ist, will White aber auf ausgemusterte Handys umsteigen - der Umwelt zuliebe.

Die modifizierten Handys werden im Regenwald von speziellen Solarzellen mit Strom versorgt, die optimal auf die Lichtverhältnisse am Waldboden abgestimmt sind. Weil dort die Zeiträume, in denen Sonnenstrahlen auftreffen, recht kurz sind, muss die Solarzelle das Maximum aus diesen Zeitfenstern herausholen. Das ständig aktive Mikrofon eines jeden Smartphones soll einen Radius von ungefähr einem haben Quadratkilometer abhören können und bei Motorsägengeräuschen zuverlässig Alarm schlagen.

Handys alarmieren Wildhüter
Zunächst sollen die Handys Wildhüter alarmieren, wenn sie verdächtige Geräusche aufnehmen. White kann sich aber auch vorstellen, die Überwachungsdaten per Smartphone-App für jedermann zugänglich zu machen. "Wir wollen, dass sich die Leute fühlen, als wären sie mitten in den dramatischen Ereignissen an der Umweltschutz-Front", so White.

Whites Idee mit dem Android-Lauschangriff im Wald ist eine Reaktion auf die Tatsache, dass der flächendeckende Schutz des indonesischen Regenwaldes vor illegalen Schlägerungen derzeit nur schwer realisierbar ist. "Wir sehen auf Satellitenbildern, wie viel Wald geschlägert wurde, allerdings erst danach, wir können also nicht feststellen, wann es passiert", zitiert das Magazin Dwiati Novita Rini, die an der Wiederaufforstung von Regenwäldern in Sumatra arbeitet. Zwar sei es möglich, die Wälder aus der Luft zu überwachen, das sei aber zu teuer, um es regelmäßig zu tun.

Pilotprojekt im Westen Sumatras
Ein Pilotprojekt mit 15 lauschenden Android-Smartphones soll jetzt zeigen, dass die Überwachung der Wälder auch günstiger möglich ist. Die Handys werden in einem 25.000 Hektar großen Areal im Westen Sumatras eingesetzt. Wenn der Versuch erfolgreich ist, will White die Technologie so weit vereinfachen, dass ausgemusterte Android-Handys einfach in eine entsprechende Box gelegt, angeschlossen und an einen Baum genagelt werden können.

"Letztlich sind wir auf Einheimische angewiesen, die einschreiten, wenn ein 'Ereignis' entdeckt wird", so White. Es sei eines seiner Kernanliegen, die Überwachungstechnologie für Einheimische möglichst einfach, effektiv und zugänglich zu machen.

Die Regenwälder Indonesiens sind hinter jenen im Amazonasbecken und am Ufer des Kongo die drittgrößten der Welt. Jedes Jahr gehen in Indonesien mehr als eine Million Hektar Regenwald verloren. In den vergangenen 50 Jahren ist die Fläche der indonesischen Urwälder um mehr als die Hälfte geschrumpft. Für die reiche Tier- und Pflanzenwelt der Inselgruppe ist der Verlust ihres Lebensraumes eine ernste Bedrohung.

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