Fr, 24. November 2017

Von Moss gerettet

06.06.2013 11:26

Galliano bereut antisemitische Tirade

Der wegen antisemitischer Äußerungen in Ungnade gefallene Modedesigner John Galliano (52) hat in seinem ersten Interview nach dem Skandal Reue gezeigt. "Es ist das Schlimmste, was ich in meinem Leben gesagt habe. Aber ich habe es nicht so gemeint", sagte Galliano der US-Ausgabe der Zeitschrift "Vanity Fair".

Der Designer hatte 2009 in einem Pariser Café Juden und Asiaten unter anderem mit Nazi-Parolen beleidigt. Daraufhin war er vom französischen Luxuslabel Dior als Chefdesigner entlassen und von einem Gericht zu 6.000 Euro Strafe auf Bewährung verurteilt worden.

"Ich habe versucht herauszufinden, warum mein Ärger auf diese Menschen gerichtet war", sagte Galliano in der Juli-Ausgabe des Blattes. "Inzwischen habe ich verstanden, dass ich so extrem sauer war und so unglücklich mit mir selbst, dass ich einfach die schlimmsten Dinge gesagt habe, die ich sagen konnte."

Nach dem Skandal hatte Galliano Alkoholprobleme eingestanden und sich in eine Entzugsklinik begeben. Inzwischen sei er seit mehr als zwei Jahren trocken, sagte der Designer. Aber damals sei er ein "Sklave" des Alkohols gewesen - auch wenn er sich das niemals habe eingestehen wollen. "Ich hätte nie auch nur für eine Sekunde zugegeben, dass ich Alkoholiker war. Ich dachte, dass ich es kontrollieren könnte."

"Habe in einer Blase gelebt"
Seine Sucht sei völlig ausgeartet. "Ich habe in einer Blase gelebt. Wenn ich hinter dem Laufsteg war, war da eine Schlange von fünf Leuten, die mir helfen wollten. Einer hatte eine Zigarette für mich, der nächste das Feuerzeug. Ich wusste nicht mal, wie man einen Bankautomaten bedient." Wenn der Entzug nicht gewesen wäre, hätte das Ganze schlimm ausgehen können, glaubt Galliano. "Ich wäre in einer Irrenanstalt oder unter der Erde gelandet."

An den Vorfall 2009 in dem Pariser Café könne er sich nicht mehr erinnern, erzählt der in Gibraltar geborene und hauptsächlich in Großbritannien aufgewachsene Modedesigner. "Mein Assistent hat mir von dem Video erzählt. Als ich es gesehen habe, musste ich mich übergeben."

Kate Moss hat ihn gerettet
Aus der Alkoholsucht geholt habe ihn danach vor allem auch das mit ihm befreundete Model Kate Moss, für deren Hochzeit mit dem Musiker Jamie Hince er 2011 das Kleid schuf. "Das Brautkleid von Kate zu entwerfen, hat mich gerettet. Es war meine kreative Rehabilitation. Sie hat mich herausgefordert, wieder ich selbst zu sein."

Inzwischen habe er gelernt, mit dem Skandal umzugehen, sagte Galliano. "Es klingt bizarr, aber ich bin so dankbar für das, was passiert ist. Ich habe so viel über mich gelernt. Ich habe den kleinen Buben wiederentdeckt, der unbedingt etwas entwerfen wollte - den hatte ich verloren. Ich bin lebendig."

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden