Mi, 18. Oktober 2017

'Jahrhundertprojekt'

21.05.2013 14:49

Lehrerausbildung: Reform bringt teils starke Änderungen

Die Regierung hat am Dienstag im Ministerrat die Reform der Lehrerausbildung Richtung Parlament geschickt. Wer Lehrer werden will, muss dafür künftig unabhängig vom Schultyp zunächst ein Aufnahmeverfahren bestehen und danach ein vierjähriges Bachelor-, ein ein- bis eineinhalbjähriges Masterstudium und eine dem Turnus der Mediziner ähnliche einjährige Praxiseinführung durch einen Mentor hinter sich bringen. Die SPÖ freut sich über ein "Jahrhundertprojekt", die Opposition ist unzufrieden.

Deutliche Änderungen bringt die neue Lehrerausbildung für die bisher an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildeten Lehrer für Pflichtschulen (Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs-, Polytechnische Schule): Ihre Ausbildungsdauer wird von bisher drei Jahren (Bachelor) auf fünf bis fünfeinhalb Jahre (Bachelor und Master als Voraussetzung für Fixanstellung) fast verdoppelt. Volksschullehrer können aber auch künftig zur Gänze an den PH ausgebildet werden. Kaum Änderungen bei der Dauer gibt es für Lehrer an allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) oder berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), hier müssen sich Studieninteressenten allerdings erstmals den an PH bereits etablierten Zugangsverfahren stellen.

Für Sekundarlehrer (AHS, BMHS, Hauptschule) muss der Master zumindest in Kooperation mit einer Uni stattfinden - wobei man im Wissenschaftsministerium davon ausgeht, dass es auch schon beim Bachelor mehr Kooperationen geben wird, um den Absolventen einen Anschluss ohne zusätzlich von den Unis eingeforderte Prüfungen zu ermöglichen. Der Master kann dann berufsbegleitend während oder aber vor Beginn der einjährigen Induktionsphase absolviert werden (vorgesehen waren ursprünglich ein bis zwei Jahre).

Am Begutachtungsentwurf war von vielen Seiten kritisiert worden, dass die Elementarpädagogen (Kindergartenpädagogen) vorerst nicht wie ursprünglich geplant Teil der gemeinsamen Ausbildung sein werden. So sieht zwar der Gesetzesentwurf ein Bachelorstudium für den "Elementar- und/oder Primarbereich" vor, allerdings betonten sowohl Unterrichtsministerin Claudia Schmied als auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, dass eine Ausbildung für diese Gruppe vorerst mangels entsprechender Angebote weiterhin nicht an den Hochschulen stattfinden wird.

SPÖ hoch erfreut - Opposition zeigt Mängel auf
Aus Sicht von SP-Bildungssprecher Elmar Mayer bringt die Reform "eine einheitliche und gleichwertige Ausbildung auf höchstem Niveau", Praxisnähe und Wissenschaftlichkeit würden deutlich gesteigert. Für Wissenschaftsminister Töchterle rückt durch die neue Lehrerausbildung die Strukturdebatte in den Hintergrund: Immerhin bekomme künftig jeder Schüler, egal ob er eine AHS oder Hauptschule/Neue Mittelschule besucht, "den besten Lehrer", da künftig jeder Sekundarstufenlehrer einen universitären Masterabschluss absolvieren muss. Um sicherzustellen, dass es "keinen Abschluss ohne Anschluss" geben wird, sollen die PH die Curricula für Bachelor und Master gemeinsam vorlegen.

Unzufrieden mit der Reform der Regierung zeigen sich indes die Oppositionsparteien: Die Grünen orten ein "überaus teures und pädagogisch kontraproduktives Kompetenz-Wirrwarr", das BZÖ findet die Reform "halbherzig". Beide Parteien bemängeln zudem das weitgehende Fehlen der Kindergartenpädagogen. Laut Grünen-Bildungssprecher Harald Walser ist damit Österreich - nach einer entsprechenden Reform in Malta - das einzige Land in Europa, das seine Elementarpädagogen nicht auf akademischem Niveau ausbilde. BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner befürchtet unterdessen, dass das geplante vierjährige Bachelorstudium nur dazu diene, "hier billigere Lehrer ohne Master auszubilden".

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