Fr, 15. Dezember 2017

Eishockey-A-WM

13.05.2013 23:10

Russland zu stark: Österreich steigt nach 4:8 ab

Österreichs Eishockey-Nationalteam bleibt eine "Aufzugsmannschaft": Die ÖEHV-Auswahl musste sich am Montag bei der WM in Helsinki dem haushohen Favoriten Russland trotz starker Leistung mit 4:8 geschlagen geben und ist neuerlich abgestiegen. Nachdem am Nachmittag die erhoffte Schützenhilfe von Frankreich gegen Lettland (1:3) ausgeblieben war, hätte Österreich gegen Russland eine Sensation und zumindest einen Punkt benötigt, um erstmals seit 2004 den Klassenerhalt zu sichern.

Viel Kampfgeist und vier Tore reichten im bisher trefferreichsten Spiel des Turniers gegen hocheffiziente Russen (8 Tore bei 18 Torschüssen) nicht aus. Damit geht es für Österreich so wie schon 2005 (Wien und Innsbruck), 2007 (Moskau), 2009 (Bern und Zürich) und 2011 (Kosice und Bratislava) wieder in die Zweitklassigkeit.

Österreich zeigte im abschließenden Spiel nach dem intensiven WM-Programm mit sieben Spielen in zehn Tagen viel Moral und Einsatz. Von Müdigkeit war in den ersten beiden Dritteln wenig zu bemerken, obwohl mit Kapitän Thomas Koch (Augenverletzung), Rekord-Teamspieler Gerhard Unterluggauer (Adduktorenverletzung) und Stürmer Daniel Welser (gesperrt) drei Spieler pausieren mussten. NHL-Star Thomas Vanek führte das Team daher erstmals als Kapitän an und stürmte in einer Linie mit Michael Raffl und Center Thomas Hundertpfund.

Russen starten blitzartig
Im Tor kam Rene Swette anstelle von Bernhard Starkbaum zu seinem WM-Debüt - und ließ gleich den ersten, haltbaren Schuss passieren: Alexander Pereschogin traf nach 85 Sekunden zwischen die Schoner zur Führung. Nachdem Stürmerstar Ilja Kowaltschuk mit seinem achten Turniertreffer zum 2:0 nachlegte (9.), schien die Partie früh den erwarteten Verlauf zu nehmen.

Drei rot-weiß-rote Tore in einem Drittel reichen nicht
Doch die Österreicher gaben nicht auf. Nur 38 Sekunden später gelang Matthias Iberer der Anschlusstreffer (9.), und plötzlich funktionierte auch das bisher so ineffiziente Powerplay. Nur 15 Sekunden nach dem ersten Treffer fälschte Vanek einen Schuss von Thomas Pöck zum 2:2 ab (10.).

In der 16. Minute ging das Team von Manny Viveiros sogar in Führung. Diesmal fälschte Raffl einen Vanek-Pass zum 3:2 ab. Ilja Nikulin gelang im Zwei-Mann-Überzahlspiel aber noch im ersten Drittel der Ausgleich für die Russen, die mit nur fünf Torschüssen drei Tore erzielten. Viveiros brachte den bisher so guten Starkbaum statt Swette, der bei einem Check auf den Kopf gefallen war.

Mitteldrittel: Österreich kämpft sich auf 4:4 heran
Im Mitteldrittel brachte Alexander Radulow die Russen im Powerplay wieder in Führung (25.), doch ein von Nikulin ins eigene Tor abgefälschter Schuss von Florian Iberer brachte den neuerlichen Ausgleich (28.). Sergej Mosjakin (32.) und Sergej Soin in Unterzahl (38.) sorgten aber dafür, dass die von ihrer Hochform weit entfernten Russen mit zwei Toren Vorsprung ins Schlussdrittel gingen.

Dort war für die weiter beherzt kämpfende ÖEHV-Auswahl nichts mehr zu holen. Nikita Sajzew (42.) und Jewgeni Kusnezow (50.) machten mit zwei weiteren Treffern endgültig alles klar.

Zwei Siege bleiben unbelohnt
Damit blieben teils gute Leistungen bei diesem Turnier mit Siegen gegen Vize-Weltmeister Slowakei (2:1 n.V.) und der etablierten A-Nation Lettland (6:3) unbelohnt. Zu viele defensive Fehler zu Turnierbeginn gegen die USA und Frankreich, schlechte Leistungen im Powerplay (nur ein Tor aus sechs Spielen) und mangelnde Chancenauswertung - insbesondere gegen Frankreich und Deutschland - kosteten das durchaus mögliche Ticket für die nächste A-WM in Minsk 2014.

Österreich ist damit die einzige Mannschaft in den vergangenen zehn Weltmeisterschaften, die mit zwei Siegen abstieg. Vor dem aktuellen Scheitern war das bereits 2009 geschehen: Siege in der Relegation gegen Ungarn und Deutschland waren damals ohne Wert, weil Deutschland als WM-Gastgeber 2010 nicht absteigen konnte.

Division 1A wartet
Das nächste WM-Turnier für die rot-weiß-roten Cracks steigt vom 12. bis 18. April 2014 - allerdings in der zweitklassigen Division 1A. Dann sind die Mitabsteiger Slowenien, Ungarn, Japan, Südkorea und die Ukraine die Gegner. Wo das Turnier stattfindet, wird nächste Woche entschieden. Bisher einziger Bewerber ist die südkoreanische Hauptstadt Seoul.

Viveiros: "Nicht die schlechteste Mannschaft der Gruppe"
Teamchef Viveiros bezeichnete die Niederlage als "sehr, sehr bitter". Seiner Einschätzung nach war Österreich "nicht die schlechteste Mannschaft dieser Gruppe. Wir haben besser gespielt als andere Mannschaften. Die ersten fünf Partien hätten wir alle gewinnen können, da waren wir oft die bessere Mannschaft. Dass wir wieder in der B-Gruppe sind, das ist wegen der ersten fünf Partien. Wir sind wirklich enttäuscht".

Zum packenden Showdown am Montagabend meinte der gebürtige Kanadier: "Wir haben ein paar Fehler in unserem Drittel gemacht, die haben uns das Spiel gekostet. Wir haben heute genug Tore gemacht und hatten genug Chancen, aber wir haben leichte Tore bekommen. Gegen so eine gute Mannschaft kannst du nicht so viele Torchancen zulassen. Sie machen aus einer Chance ein Tor, und wir brauchen oft fünf Chancen dafür. Das ist der Unterschied zwischen dem russischen und dem österreichischen Eishockey."

Vanek: "Noch nie so knapp dran"
Auch NHL-Superstar Vanek zeigte sich nach dem Spiel geknickt: "Wir haben unsere Chancen gehabt. Der Abstieg ist sehr bitter. So knapp dran waren wir noch nie. Es war mehr drinnen, vielleicht waren wir nicht kaltschnäuzig genug. Leider haben wir ein paar dumme Tore bekommen. Jetzt haben wir den Russen vier Tore geschossen, vor dem Spiel hätten wir das gerne angenommen."

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