Mo, 20. November 2017

Wien-Konzert

29.04.2013 11:44

Standing Ovations für Sinead O‘Connor im Konzerthaus

Eigentlich wollte Sinead O'Connor bereits 2003 dem Dasein als Musikerin ein Lebewohl sagen und Religionslehrerin werden. So weit kam es dann glücklicherweise nicht, und so stand die 46-Jährige Sonntagabend im gut gefüllten Großen Saal des Wiener Konzerthauses vor einem stehend applaudierenden Publikum.

Nach dieser stimmlichen Präsenz, die sie die 90 Minuten bis dahin zeigen konnte, war die Begeisterung mehr als verdient. Auf den großen Hit "Nothing Compares 2 U" wurde nicht vergessen.

Sinead O'Connor, die 1987 mit 21 Jahren ihr Debüt "The Lion And The Cobra" vorlegte, gelang drei Jahre später ein Welthit mit einem Cover des Prince-Songs "Nothing Compares 2 U". Es sollte ihr einziger Charterfolg bleiben. Ein Hitfeuerwerk war für das Wien-Konzert also nicht zu erwarten, was dem Auftritt aber nicht schadete. Zwar war die Sängerin bei der Interaktion mit dem Publikum sehr zurückhaltend, beinahe distanziert, dafür bewies sie, dass sie stimmlich immer noch eine Ausnahmeerscheinung ist.

Härtegrad nach oben geschraubt
Ein gutes Drittel des Abends machten Songs aus ihrem neuen Album, dem 2012 erschienenen "How About I Be Me (And You Be You)?", aus. Das neunte Werk der Irin war ein eher unerwartetes künstlerisches Lebenszeichen. Von diesem stammte auch der Opener "Queen Of Denmark", eine Coverversion von John Grant. O'Connor interpretierte dieses As von einem Song dann im Verlauf um einiges härter als im Original und sorgte so nach dem sanften Beginn schon einmal für eine kleine Überraschung.

Ihr Beginn machte nach drei Songs klar, dass es kein besinnlicher Balladenabend werden würde, auch wenn die Sängerin zweimal auf ihre musikalische Begleitung verzichtete und nur ihr beeindruckendes Stimmorgan wirken ließ. Ansonsten bildeten Midtempo-Songs die Mehrheit, und diese wurden von ihrer fünfköpfigen Band solide und zum Teil mit harter Gitarrenarbeit eingespielt. Mittelpunkt war ohnehin O'Connor selbst bzw. ihre Stimme. Diese wurde offenbar auch in den Jahren ihres Nischendaseins weiter geschult. Mit sehr viel Soul interpretierte die Sängerin neues und altes Material. Mit reichlich Vorab-Applaus begrüßt wurden die bekannteren Stücke wie "The Emperor's New Clothes", "Jackie" und "Fire On Babylon" - aber auch die neuen Songs hielten mit.

Private Probleme
Der Wien-Gig der "Crazy Baldhead Tour" konnte so auch als lange vermisstes Lebenszeichen der Irin verstanden werden. Mediales Interesse an O'Connor gab es zuletzt nicht unbedingt aufgrund ihrer künstlerischen Leistung. Das achte Album "Theology" aus dem Jahr 2007 wirkte uninspiriert und fast ein wenig langweilig, zwei Jahre zuvor coverte sie auf "Throw Down Your Arms" klassische Roots-Reggae-Songs. Man las eher von ihrer vierten Ehe im Jahr 2011, die nur 17 Tage halten sollte, oder ihrer Kritik an der katholischen Kirche. Ebenso machte die Musikerin ihre psychischen Probleme publik, wegen denen sie Anfang 2012 ihre Tour verschieben musste.

Eigentlich wollte O'Connor ja vor einem Jahrzehnt dem Musik-Biz Lebewohl sagen. Unter anderem auch, weil ihr die Berühmtheit zu schaffen machte. Doch die Sängerin, die ihre erste Gitarre als Teenager von einer Nonne geschenkt bekam, änderte ihre Meinung und überraschte mit dem Album "How About I Be Me". Dass sie die Berühmtheit weiterhin für keinen Vorteil hält, unterstrich inhaltlich ihre einzige Zugabe "VIP". Von einem dezenten Synthie-Loop begleitet, endete der Auftritt mit nur noch hingehauchten Worten.

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