Mo, 20. November 2017

Politik-Rückzieher

19.04.2013 13:42

Streuner in Sotschi sollen doch nicht getötet werden

Pläne zur "Beseitigung" von mehr als 2.000 streunenden Hunden und Katzen im Vorfeld der Olympischen Winterspiele im Februar 2014 in Sotschi haben den Behörden der russischen Stadt heftige Proteste eingebracht. Eine entsprechende Ausschreibung der Stadtverwaltung, die Ende März online gestellt worden war, habe "viel Kritik" hervorgerufen, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Nun wurde sie zurückgezogen.

"Wir haben eine Verpflichtung gegenüber der internationalen Gemeinschaft", hieß es noch am Mittwoch vonseiten des regionalen Parlamentsabgeordneten Sergej Kriwonossow gegenüber der Zeitung "RBK Daily". Das Problem herrenloser Tiere sei offensichtlich, so Kriwonossow: "Ihre Tötung ist der schnellste Weg zur Lösung des Problems." Tierschützer protestierten gegen die Entscheidung und forderten stattdessen, Hunde und Katzen zu kastrieren.

Angebot wurde wieder zurückgezogen
In dem Aufgabenfeld der Ausschreibung war gestanden, dass Patrouillen zwischen fünf und acht Uhr morgens auf den Straßen der Stadt im Südosten Russlands geplant seien, um die streunenden Tiere zu "beseitigen". Die Stadt verteidigte ihre Ausschreibung im Umfang von 1,7 Millionen Rubel (rund 43.000 Euro) damit, dass viele der Tiere Krankheiten weiter verbreiteten. Zudem würden Kinder häufig von den Tieren angegriffen.

Wohl wegen der Proteste und da sich keine Firma für die Aufgabe beworben hatte, wurde das Angebot wieder zurückgezogen. "Wir sind nicht grausam", sagte der Sprecher, "wir wollen nur das Problem lösen." Nun will die Stadtverwaltung stattdessen das erste Tierheim der Stadt für streunende Tiere errichten.

Pläne erinnern an Tötungen in der Ukraine
Bereits vor der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Ukraine hatten Berichte über Massentötungen von Streunern international für Empörung und sogar für Boykottaufrufe gesorgt. "Krone"-Tierlady Maggie Entenfellner und ihr Team machten sich damals vor Ort ein Bild der Lage, überbrachten Hilfsgüter und Spenden und führten Verhandlungen mit ukrainischen Politikern (siehe Infobox). Mit Erfolg: Seitdem führt die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" Kastrationsaktionen in mehreren ukrainischen Städten durch.

Maggie Entenfellner: "EU ist gefordert"
Über die grausamen Pläne der Regierung von Sotschi zeigte sie sich schockiert: "Es erfordert einen Schulterschluss aller europäischen Länder und eine klare Positionierung gegen die Massentötungen wehrloser Tiere", appellierte Entenfellner. Würden tatsächlich Hunde getötet, "bleibt nur der totale Boykott der Olympischen Winterspiele in Sotschi".

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