Sa, 25. November 2017

Suiten auf Pacht

21.04.2013 09:00

Mit Zimmerservice, bitte! Diese Stars lebten im Hotel

Das Leben im Hotel – ein Luxus für Gutbetuchte, denen die allgemeine Lobby als erweitertes Wohnzimmer dient. Immer wieder steigen und stiegen Stars in 5-Sterne-Herbergen ab, wo sie gleich jahrelang eingecheckt blieben. Ein teurer Zufluchtsort, aber ziemlich exklusiv.

Udo Lindenberg hat's gern bequem daheim. Also suchte sich der Hamburger Alt-Rocker eine Wohnung, wo er nicht nur den Wagen direkt vor der Tür parken kann, sondern auch ein Portier im Erdgeschoß freundlich grüßt. Wo täglich aufgeräumt und die Wäsche gewaschen wird, wo es gleich im Haus eine gemütliche Bar gibt und im Fall des Falles ein Anruf genügt, damit ein livrierter Kellner das Essen bis ins Wohnzimmer trägt.

Ganze 17 Jahre lang wohnte Udo Lindenberg (66) in einem Hotel, nämlich dem "Atlantic Kempinski" in Hamburg, bevor er 2011, verstört durch größere Umbauarbeiten im Haus, doch noch die Koffer packte. Die Jahre davor genoss er den Blick auf die Alster aus seiner Zwei-Zimmer-Logis, das altehrwürdige Flair, die Sonderrechte als VIP-Dauergast (er durfte als Einziger rauchen und ließ sich mitunter mitten in der Nacht das Hallenbad aufsperren). Zuletzt vermachte er der Nobelherberge Dutzende seiner Bilder, die er zum Teil abends an der Bar gemalt hatte.

Ein Leben mit Zimmerservice
Leben im Hotel, Suite mit Zimmerservice anstelle einer Luxusvilla – gar nicht so selten entscheiden sich Stars für eine solche Lösung: Sie leben in der Öffentlichkeit und werden auf Wunsch trotzdem gut abgeschirmt. Sie wählen Zimmer oder Suiten, wo sie sich diskret zurückziehen können, und genießen dennoch die Betreuung durch das Hotelpersonal. So blieb das Mimen-Paar John Travolta ("Pulp Fiction") und Kelly Preston ("Der Guru") einmal für fast ein Jahr auf der Insel Bermuda und genoss das Alltagsleben im Hotel "Pink Beach Club".

Den Rekord hält zweifellos Modeschöpferin Coco Chanel, die über 30 Jahre lang eine Zimmerflucht im Hotel "Ritz" an der Place Vendôme in Paris bewohnte und dort auch 1971 verstarb. Die Suite ist heute eine Sehenswürdigkeit im Hotel (das allerdings derzeit von Grund auf renoviert wird). Denn der Daueraufenthalt eines berühmten Zeitgenossen färbt natürlich auf die Herberge ab.

Skandalträchtige Hotelgäste
Nicht immer im positiven Sinn: Das Hotel "Savoy" in London wird bis heute vom Hautgoût des Skandals umweht, seit dort vor rund 100 Jahren der Schriftsteller Oscar Wilde einzog. Er hatte seine Stadtwohnung allerdings nur verlassen, um eine Liebesaffäre mit dem jungen Lord Douglas ausleben zu können – in einer Epoche, wo Homosexualität noch als "Unzucht" unter Strafe stand. Der Skandal brachte Wilde schließlich auch ins Gefängnis, beim Prozess traten Hotelmitarbeiter als Zeugen gegen ihn auf.

Auch das Personal des "Washington Square Hotels" in New York mag so manches erlebt haben, als Anfang der 60er-Jahre der blutjunge, aufstrebende Folksänger Bob Dylan mit seiner Lebensgefährtin Joan Baez dort wohnte und sie dem ausgelassenen Leben im gerade trendy gewordenen Stadtteil Greenwich Village frönten. Im selben Haus hatte übrigens auch eines der großen Vorbilder des Barden gewohnt, nämlich der walisische Poet Dylan Thomas, dem Dylan, der Sänger, seinen Künstlernamen verdankt.

Selbst im sonnigen Kalifornien ziehen Stars mitunter ein schattiges Hotelzimmer dem Leben im Eigenheim samt Pool und Garten vor: zum Beispiel im Hotel "Château Marmont" am Sunset Boulevard von Los Angeles, einem etwas merkwürdigen Gebäude, das ursprünglich ein Nachbau eines französischen Schlosses an der Loire hätte werden sollen. "Matrix"-Held Keanu Reeves residierte dort vorübergehend, Charakterdarsteller Robert de Niro quartierte sich gleich für zwei Jahre ein – und wurde so beinahe zum Zeugen des tragischen Todes des Komödianten John Belushi ("Blues Brothers"), der 1982 an einer Überdosis Drogen verstarb. De Niro hatte ihn kurz davor noch besucht.

Marcel Prawy: Österreichs berühmtester Hotel-Bewohner
In Wien erinnert sich das Hotel "Sacher" noch heute an "Opernführer" Marcel Prawy: Der privat einigermaßen schrullige, hochgebildete Musikkritiker und Dramaturg wohnte von 1992 bis zu seinem Tod 2003 in einem eher kleinen Zimmer. Als er verstarb, hinterließ er Unmengen von alten Musikheften, Noten und Opernprogrammen, säuberlich archiviert in Tausenden von Plastiksackerln.

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