Mi, 22. November 2017

Rückgang seit 2008

12.04.2013 13:52

Über eine Million Österreicher von Armut bedroht

1,4 Millionen Österreicher waren im Jahr 2011 armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Dies geht aus der am Freitag veröffentlichten Österreich-Auswertung des EU-Sozialberichts SILC hervor. Sozialminister Rudolf Hundstorfer sieht Österreich jedoch auf einem guten Weg. Im Langzeitvergleich seit 2008 habe es nämlich einen Rückgang um 125.000 Personen gegeben.

Zwar ist die Gesamtzahl gegenüber dem Jahr 2010 um 34.000 Personen angestiegen, das liegt jedoch laut Statistik Austria, die die Auswertung im Auftrag des Sozialministeriums durchgeführt hat, innerhalb der statistischen Schwankungsbreite.

Als Schwelle für die Armutsgefährdung gilt ein Haushaltseinkommen von 1.066 Euro innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten für Alleinlebende (pro Kind werden 320 Euro dazugezählt, pro weiterem Erwachsenen 533 Euro). Unter "erheblicher materieller Deprivation" leiden Personen, die wesentliche Grundbedürfnisse kaum oder gar nicht stillen können - dazu zählen etwa eine Urlaubswoche pro Jahr oder eine geheizte Wohnung. Wer über der Armutsgrenze lebt, aber davon betroffen ist oder kaum oder gar nicht arbeitet, ist für die Statistiker ausgrenzungsgefährdet.

Hundstorfer: "Werden EU-Ziel für 2018 erreichen"
Das EU-weit definierte und auch von Österreich verfolgte Ziel, das bis 2018 erreicht werden muss, ist die Verringerung der armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Menschen um 235.000 Personen im Vergleich zum Wert aus dem Jahr 2008. Mit 125.000 Personen weniger zum Stand 2011 sei man auch "einer der wenigen EU-Staaten, die das gemeinsame Ziel auch tatsächlich umsetzen", so Hundstorfer. Wichtigster Hebel für die weiteren Bemühungen sei die Beschäftigungspolitik: Erwerbstätigkeit verringert die Armutsgefährdung, lautet die Formel.

"Working poor": Frauen vor allem von Teilzeitfalle bedroht
Wobei auch Österreich seine "Working poor", also Personen, die trotz Job arm sind, hat: 5,4 Prozent der Erwerbstätigkeiten bzw. 198.000 Personen betrug er 2011. Mit ein Grund seien auch die insgesamt 900.000 Teilzeit-Beschäftigungsverhältnisse, so der Sozialminister. "50 Prozent" von ihnen seien "unfreiweillig", und "dieser Anteil der Unfreiwilligen soll nicht wachsen". Unterstützt wurde er darin von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die schon lange vor der Teilzeitfalle vor allem zu Frauen, die letztendlich zu Altersarmut führe, warnte.

Bericht liefert Stoff für Debatte über das Thema Wohnen
Ein weiterer Aspekt des Armutsberichts, der auch für den Nationalratswahlkampf von besonderer Bedeutung ist, betrifft den Bereich Wohnen. "Wohnen wird besser, aber auch teurer", konstatierte die Statistik Austria trocken in ihrer Studie. Zwar litten 2011 deutlich weniger Personen unter "prekärer Wohnqualität" (etwa kein WC in der Wohnung, dunkle Wohnräume, Feuchtigkeit oder Schimmel). Doch das hat seinen Preis: "Der Anteil der Personen, deren Wohnungsaufwand ein Viertel des jährlich verfügbaren Haushaltseinkommens übersteigt, befindet sich 2011 auf einem historischen Höchstwert."

Dieser Anteil beträgt insgesamt 19 Prozent, bei den Armutsgefährdeten sind es sogar zwei Drittel, und ausschließlich auf die Mieter bezogen 40 Prozent, sagte der Sozialminister. Zahlen, die Heinisch-Hosek und Hundstorfer auf die Regierungsarbeitsgruppe zum Thema Wohnen hoffen lassen - wobei SPÖ und ÖVP ja mit ihren Vorstellungen noch sehr weit auseinander sind.

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