Do, 19. Oktober 2017

PC-Markt bricht ein

11.04.2013 08:54

US-Marktforscher: „Windows 8 ist gescheitert“

Der Siegeszug von Tablets und Smartphones lässt die Verkäufe klassischer PCs taumeln: Nach Daten der renommierten Marktforschungsfirma IDC lieferten die Hersteller im ersten Quartal insgesamt 76,3 Millionen PC aus - das entspricht einem Rückgang um beinahe 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Einen schlimmeren Absturz habe es seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1994 nicht gegeben, erklärte IDC am Mittwoch.

Eigentlich sollte Windows 8 den PC-Herstellern eine Wende bescheren. Doch nach Ansicht von IDC machte Microsoft mit seinem neuen Betriebssystem die Situation nur noch schlimmer. "Es scheint klar, dass die Veröffentlichung von Windows 8 nicht nur dahingehend gescheitert ist, den PC-Markt anzukurbeln", sagte IDC-Analyst Bob O'Donnell. "Es scheint sogar, dass der Markt abgebremst wurde."

Nach seiner Ansicht könnten sich die Kunden einfach nicht an die Software gewöhnen. Als Gründe führte er die radikal andere Bedienung des Betriebssystems mit seinen bunten Kacheln an sowie den Wegfall des vertrauten Start-Buttons an. Zudem seien manche PCs durch den Einbau von berührungsempfindlichen Bildschirmen teurer geworden.

Der IDC-Konkurrent Gartner veröffentlichte kurz darauf ebenfalls seine Marktzahlen, die einen etwas moderateren Absatzrückgang von elf Prozent auf 79,2 Millionen Personal Computer auswiesen. Zugleich gab Gartner-Analyst Mikako Kitagawa eine düstere Prognose für die PC-Branche ab: Nicht einmal in den Entwicklungsländern sei noch ein starkes Wachstum beim Absatz klassischer Notebooks und Desktops zu erwarten.

"Der PC kommt heute in vielerlei Formen daher"
"Der traditionelle PC ist auf dem Rückzug", räumte Microsoft-Sprecher Thomas Mickeleit gegenüber der Nachrichtenagentur dpa ein. Gleichzeitig zog er aber die Aussagekraft der Absatzzahlen in Zweifel. "Der PC kommt heute in vielerlei Formen daher." Gerade durch Windows 8 habe die Zahl der Mischgeräte aus PC und Tablet zugenommen. So gebe es Notebooks mit Touchscreen und Tablets mit abnehmbarer Tastatur. Durch die neuen Formen sei es schwierig, die Absatzzahlen genau zu ermitteln, erklärte Mickeleit.

Tablets gesondert ausgewiesen
In die PC-Absatzzahlen von Gartner und IDC fließen keine Tablets ein, diese werden gesondert ausgewiesen. Hier gingen die Verkaufszahlen bis zuletzt steil nach oben. Während Windows auf etwa 90 Prozent aller PCs läuft, prognostizieren die IDC-Marktforscher bei Tablets für dieses Jahr nur einen Anteil von knapp fünf Prozent. Microsoft war erst vergleichsweise spät in das Geschäft eingestiegen; auf den meisten Tablet-Computern läuft Googles Betriebssystem Android oder Apples iOS. Bis 2017 sehen die IDC-Experten den Windows-Anteil auf gut zehn Prozent steigen.

Privatnutzer wenden sich vom PC ab
Vor allem private Nutzer haben sich vom PC abgewendet. Firmen setzten noch auf die leistungsstarken Rechner, allerdings erneuern sie ihre Hardware seltener. "Die geringeren Auslieferungen an sich waren keine Überraschung, aber die Heftigkeit des Rückgangs", sagte IDC-Experte David Daoud. Die Branche müsse nun darum kämpfen, "für den Kunden relevant zu bleiben".

Microsoft plant angeblich Mini-Surface
Microsoft selbst plant offenbar, mit einer Ausweitung seines Tablet-Angebots zu reagieren. Nach dem Debüt seines Surface-Tablets im Oktober wolle das Unternehmen noch eine kleinere Variante mit 7-Zoll-Display auf den Markt bringen, berichtete das "Wall Street Journal". Auch Apple hatte ein iPad mini auf den Markt gebraucht, nachdem kleinere Android-Tablets immer beliebter wurden.

Lob für Lenovo
Neben Microsoft bekamen auch einige große PC-Hersteller von den IDC-Marktforschern die Leviten gelesen: Bei Hewlett-Packard läuft ein groß angelegter Umbau; um Dell tobt eine Übernahmeschlacht. Das habe die Nachfrage von Kundenseite weiter abgeschwächt, konstatierten die Branchenkenner. Als rühmliche Ausnahme führten sie den chinesischen Hersteller Lenovo an, der seine Auslieferungen den Daten zufolge stabil halten konnte.

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