Mo, 20. November 2017

Nach nur fünf Jahren

02.04.2013 11:14

IBM-Supercomputer „Roadrunner“ wird abgeschaltet

Vor fünf Jahren hat er seinen Dienst im US-Atomwaffenforschungslabor Los Alamos angetreten und seitdem wertvolle Arbeit bei der Erforschung von Kernwaffen und Lasern geleistet. Am kommenden Wochenende tritt er seinen Ruhestand an – ohne großes Aufsehen oder eine Abschiedszeremonie. Die Rede ist vom einst schnellsten Supercomputer der Welt, dem 121 Millionen US-Dollar teuren "Roadrunner" von IBM, der nach einem recht kurzen Leben nun Platz für einen sparsameren, kleineren und doch leistungsfähigeren Nachfolger machen muss.

Bei Laptops oder Desktops ist es der natürliche Lauf der Dinge: Nach einigen Jahren stoßen die verbauten Komponenten immer öfter an ihre Leistungsgrenzen, müssen aufgerüstet oder ausgemustert und ersetzt werden.

121-Millionen-Rechner mit fast 20.000 Prozessoren
Am Beispiel des einst schnellsten Supercomputers der Welt, dem 121 Millionen US-Dollar teuren und mit insgesamt 6.480 Opteron-Serverprozessoren und 12.960 Cell-Prozessoren ausgestatteten "Roadrunner" wird nun deutlich, dass auch für Supercomputer ähnliche Regeln wie für die heimischen Rechenknechte gelten.

Nach nur fünf Jahren wird der sündhaft teure Supercomputer am kommenden Wochenende außer Dienst gestellt und durch einen kleineren, energiesparenderen und trotz höherer Leistung günstigeren Nachfolger ersetzt. Einen Monat lang wird der "Roadrunner" dann noch an seinem Dienstort im US-amerikanischen Los-Alamos-Atomwaffenlaboratorium verbleiben und Forschern für Tests und Experimente zur Verfügung stehen. Dann folgt die endgültige Demontage.

Auch heute noch auf Platz 22 der Supercomputer
Dabei wäre er eigentlich immer noch ein begabter Rechenkünstler. Auf der Top-500-Liste der Supercomputer rangiert der altehrwürdige Roadrunner mit einer Rechenleistung von 1,04 Petaflops, also rund 1.040 Billionen Rechenoperationen in der Sekunde, auch heute noch auf Platz 22.

Kein schlechter Wert für einen betagten Supercomputer, auch wenn er die Liste 2008 noch anführte. Ein Blick an die Spitze der Rangliste zeigt jedoch: "Titan" (siehe Infobox), der neue Herrscher am Olymp der Supercomputer, ist mit rund 17,6 Petaflops um ein Vielfaches schneller als IBMs "Roadrunner".

"Roadrunner" knackte als Erster die Petaflop-Hürde
Als IBMs "Roadrunner" 2008 in Dienst gestellt wurde, war er dem US-Sender NBC zufolge mit seiner Mixtur aus handelsüblichen Serverprozessoren von AMD und teuren Cell-Prozessoren, wie sie auch in der Spielkonsole PS3 zum Einsatz kommen, der erste Rechner der Welt, der die Petaflop-Hürde nahm. Nur fünf Jahre später sind die Top-Geräte fast 20-mal so schnell.

Der Nachfolger des §Roadrunner§ ist bereits in Betrieb. Der neue Supercomputer "Cielo", den sich das Los-Alamos-Laboratorium mit zwei anderen Forschungsstätten teilt, ist ähnlich schnell wie der "Roadrunner", benötigt aber viel weniger Platz und war mit einem Preis von 54 Millionen US-Dollar nicht einmal halb so teuer. Auch der Energieverbrauch ist geringer.

Bei IBM schätzt man, dass sich die Leistung der Supercomputer alle zehn Jahre um den Faktor 1.000 erhöht. Die kurzen Lebenszyklen, die selbst Giganten wie dem "Roadrunner" schon nach wenigen Jahren zum Verhängnis werden können, sind ein notwendiger Teil dieser Entwicklung. Um Platz für die Rechenkünstler der Zukunft zu machen, müssen betagte Geräte nun einmal weichen.

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