So, 22. Oktober 2017

Nach 16 Jahren

21.03.2013 12:09

Landesrat Sepp Eisl zieht sich nach der Wahl in Sbg zurück

Das dienstälteste Salzburger Regierungsmitglied, Agrar- und Personallandesrat Sepp Eisl von der ÖVP, wird nach der Landtagswahl am 5. Mai der Politik den Rücken kehren. Er werde künftig weder für eine neue Regierung noch für den Landtag zur Verfügung stehen, gab er am Donnerstag bekannt. Ausschlaggebend für diese Entscheidung sei der Unfalltod seines Bruders vor einigen Wochen gewesen.

Eisl sprach bei einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag von der "rechten Zeit des Loslassens, um einem Frischen und Jüngeren Platz zu machen". Ursprünglich hätte er nach der Landtagswahl in der Regierung noch die Weichen stellen wollen, "durch den tragischen Unfalltod meines Bruders ist mir aber bewusst geworden, wie kurz unsere Zeit hier auf Erden ist. Für mich und meine Familie ist es nach diesem Schicksalsschlag klar geworden, dass ich nur eine gewisse Lebenszeit und Lebensenergie für das Land aufbringen kann. Für mich steht fest, dass ich zukünftig wieder verstärkt zu Hause in Abersee auf unserem Bio-Bauernhof aktiv sein will", erklärte Eisl.

Rücktritt hat nichts mit Finanzskandal zu tun
Der Finanzskandal (siehe Infobox) sei nicht der Grund für seinen Rückzug gewesen. "Was mich aber in letzter Zeit stark geschmerzt hat, ist die Führungslosigkeit und Wurstigkeit, die vorhanden ist." Frustrierend seien außerdem "der Geist der Schadenfreude" sowie "die Geisteshaltung, dass es scheinbar egal ist, was wir mit unseren Finanzen tun oder dass man Leute anlügt. Außerdem schmerzt es enorm, dass das Land durch Misswirtschaft in Misskredit gebracht wird", spielte er auf den Vergleich Salzburgs mit Kärnten oder Griechenland an.

Wenn die ÖVP im Zusammenhang mit dem Finanzskandal einen Fehler gemacht habe, dann den, "dass wir dem Koalitionspartner SPÖ zu stark vertraut haben". Auch die Anschuldigungen, die die FPÖ am Mittwoch mit ihrem Misstrauensantrag im Landtag erhoben hatte, wies der scheidende Landesrat zurück: "Die FPÖ hat ein Schuldeingeständnis erwartet, wo keine Schuld vorhanden ist."

Nachfolge ist bereits geklärt
Eisl kündigte an, er werde dem Land "natürlich" bis zur Angelobung einer neuen Landesregierung noch zur Verfügung stehen. Seine Nachfolge sei bereits geklärt, am Freitag werde Parteichef Wilfried Haslauer das künftige Regierungsteam der Volkspartei - so sie wieder einer Regierung angehört - präsentieren. "Es ist jemand, der etwas vom Agrarressort versteht und bei dem die Landwirtschaft gut vertreten sein wird."

Als Erfolge seiner 16-jährigen Regierungszeit hob Eisl hervor, dass Salzburg im Bereich der biologischen Landwirtschaft "weltweit Spitzenreiter" sei. Der Anteil der Biobauern sei in den vergangen elf Jahren um sieben Prozent auf insgesamt 38 Prozent gestiegen, dies sei dreimal so viel wie im Österreich-Schnitt. Die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Fläche betrage rund 50 Prozent. "Mit diesem hohen Anteil liegt Salzburg weltweit an erster Stelle." Zudem sei der Anteil erneuerbarer Energie in Salzburg seit 1997 von 32 auf 43,3 Prozent gestiegen, österreichweit liege man hier bei 31 Prozent.

Lobende Worte zum Abschied
Anschließend gab es dann noch Lob vom Landeshauptmannstellvertreter: Haslauer hob die "Zähigkeit, Grundsatztreue und Visionen" seines Parteikollegen hervor. Er bezeichnete Eisl als treuen Wegbegleiter und Freund im politischen Alltag. "Wir sind in den neun Jahren unserer Zusammenarbeit eng zusammengewachsen, wie Pech und Schwefel." Der Landesrat sei ein Mann mit politischem Mut, der polarisiere, der unterschiedliche Meinungen provoziere und der keine Diskussionen scheue - "ein Mann mit Ecken und Kanten".

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