Do, 19. Oktober 2017

Majestätsbeleidigung

23.03.2013 17:00

Böse Kate-Kritik macht Autorin zum Staatsfeind Nr. 1

Sie spricht Klartext: Mit despektierlichen Bemerkungen über Herzogin Catherine wurde eine der wichtigsten Autorinnen Großbritanniens zum Staatsfeind Nummer eins!

Mrs. Makellos. Das Lächeln perlweiß, der Blick strahlend. Und wie erst die bitterschokoladenbraune seidige Haarpracht die schmalen Schultern umfließt. Die Taille fragil trotz protokollierter, in elegante Mantelkleider verpackter Schwangerschaft. Der Smalltalk der Herzogin: freundlich-zurückhaltend. Kate, die Vorzeigeprinzessin.

Zu perfekt, befand eine rhetorisch versierte Frau, Hilary Mantel, resche 60, die bereits zweimal mit dem angesehenen Booker-Literaturpreis (2009 für "Wolf Hall", 2012 für "Bring Up The Bodies") ausgezeichnet wurde. Dass sie ihre Kritik öffentlich anbrachte, sorgt in England für hochkochende Empörung. Mantel hatte in einer Vorlesung im British Museum über die Rolle berühmter adeliger Ehefrauen im Wandel der Geschichte gesprochen und Kate mit der modeverrückten Marie-Antoinette verglichen, sie als "Modepüppchen, das nur über sein Styling definiert wird", beschrieben. Nachsatz: "Ihre einzige Daseinsberechtigung besteht darin, Kinder zu gebären!"

Entrüstung in Großbritannien
Ja, Kate sei eine künstlich wirkende "Plastikprinzessin" und "royale Gebärmaschine". Entrüstete Stimmen formierten sich zu einem babylonischen Twitter-Orkan, ereiferten sich in TV-Shows, und gar Premierminister Cameron, der just zu diesem Zeitpunkt auf Staatsbesuch in Indien weilte und ergriffen auf den Taj Mahal starrte, sprang ritterlich bemüht in die Bresche und attestierte der Herzogin "eine engagierte und brillante Persönlichkeit".

Nun hatte Mantel auch Cameron im Visier und ließ ihm ausrichten, sein Statement sei töricht, und im Übrigen sei Kate so schrecklich dünn, dass gar nicht die Gefahr bestehe, ihr Charakter könnte in irgendeiner Form sichtbar werden. Brutale Worte für eine junge Frau, deren Image seit ihrer Hochzeit mit William rund um die Uhr von royalen Beratern kontrolliert wird.

Kate als Affront für selbstbewusste Frauen?
Dass Kate bislang nichts aus ihrem Universitätsabschluss in St. Andrews machte und, anstatt sich eine Karriere in der Kunstwelt aufzubauen, ihren Prinzgemahl über alles stellt, sei, so Hilary Mantel, ein Affront für junge Frauen, die auf eigenen Beinen stehen wollen.

Nach den Eskapaden von Enfant terrible Fergie und nach Dianas Tod, der ein ganzes Königreich in ein kollektives Meer der Tränen gestürzt hatte, schmückt sich der Hof nur zu gern mit der apart-angepassten Kate, die die Regeln der Royals längst verinnerlicht hat. Bis sie den Mut findet, ihrer wahren, entplastifizierten Persönlichkeit Raum zu geben, wird sie Premier David Cameron wohl weiterhin mit diplomatisch-ziselierten Statements "ummanteln". Literaturpreisträgerin Hilary Mantel schärft indes ihr verbales Florett.

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