Sa, 18. November 2017

Stadt schaut weg

07.03.2013 11:24

Hunde im Tierasyl Tuzla leben auf Giftmüllhalde

Es war vor etwa einem Jahr, als eine Gruppe von tierfreundlichen Österreicherinnen auf ein Hundeasyl in Tuzla, Bosnien-Herzegowina, aufmerksam wurde. Auf einer alten Müllhalde leben etwa 700 heimatlose Hunde unter unglaublichen Bedingungen, doch die Verantwortlichen der Stadt kümmern sich nicht um die Vierbeiner.

Strom oder fließendes Wasser gibt es im Tierasyl in Tuzla nicht, denn die Einrichtung liegt auf einer alten Müllhalde. An die 700 Streunerhunde leben dort, die meisten ohne Schutz vor den strengen Wetterbedingungen. "Im Winter erfrieren die Hunde reihenweise, und die Welpen, die dort zur Welt kommen, sind dem Tode geweiht, noch bevor sie ihre Augen öffnen können", zeigt sich Tierfreundin Helga Eggertsberger erschüttert.

Hunde leben auf Tonnen von Giftmüll
Auf dem Gelände sind Tonnen von teils giftigem Müll vergraben, sogar Kriegsrelikte finden sich unter der Erde. Das Grundwasser ist verseucht, man kann daher nicht einmal einen Brunnen anlegen. Das benötigte Trinkwasser kommt aus einem Tank, der im Winter zufriert. "Die Hunde stehen bei Tauwetter oft bis zu den Kniegelenken im Schlamm (zweites Bild, Anm.), da das Wasser nicht abrinnen kann. Im Sommer haben die Tiere kaum schattige Plätze, um sich zurückzuziehen", so Eggertsberger.

Asylarbeiter arbeiten mittlerweile unbezahlt
Die 700 Hunde werden von drei Arbeitern betreut, die jedoch schon drei Monate lang kein Gehalt erhalten haben. "Die Asylleitung weigert sich, einen neuen Vertrag mit der Stadt zu unterzeichnen, welcher ihnen monatlich 1.100 Euro Unterstützung einbringen würde. Denn dann müsste das Asyl alle Hunde annehmen, die von Hundefängern gebracht werden", weiß Eggertsberger. Das würde dazu führen, dass sich die Zahl der zu versorgenden Vierbeiner schnell auf über tausend erhöht - mit diesem Budget nicht zu bewältigen.

"Virtuelle Adoption" sichert Hunden die Nahrung
Die Gruppe von Tierfreundinnen konnte mit ihrem Einsatz trotzdem schon Verbesserungen bewirken: Statt mit altem Brot und Fleischabfällen können die Hunde mittlerweile fast täglich mit Trockenfutter, gemischt mit Reise oder Nudeln versorgt werden. Das Geld dafür brachten die Frauen über Spenden und sogenannte "virtuelle Adoptionen" auf. Unterstützer können sich einen oder mehrere Hunde aussuchen, die sie online adoptieren möchten, und überweisen monatlich 14 Euro an den Verein "Nirina" vor Ort. Mit dem Geld wird Futter für die Hunde gekauft.

"Jedoch haben wir noch lange nicht genug Adoptionen, um die Hunde wirklich jeden Tag mit Futter versorgen zu können", erklärt Eggertsberger. Mithilfe verschiedener Vereine und Privatpersonen ist es den Helferinnen gelungen, einige der Tiere auf Pflegestellen oder Fixplätze in Österreich, Deutschland, Dänemark und Schweden zu vermitteln. "Aber leider ist das alles ein Tropfen auf den heißen Stein."

Sponsoren und Unterstützer gesucht
Helga Eggertsberger und die anderen Tierfreundinnen suchen nun Sponsoren für die Gehälter der Arbeiter, bis die Stadtverwaltung von ihrer Verantwortung für die herrenlosen Tiere überzeugt werden kann. Auch Tierfreunde, die das Projekt mit virtuellen Adoptionen unterstützen möchten, werden händeringend gesucht.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Vereins (Englisch). Auf Facebook können Sie der eigens gegründeten Gruppe beitreten.

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