Mo, 20. November 2017

Salzburg-Ausschuss

20.02.2013 17:31

„Rathgeber wollte immer 100 Prozent Gewinn machen“

Im Salzburger U-Ausschuss ist am Mittwochnachmittag Harald Kutschera – jener Mitarbeiter der Finanzabteilung, den das Land Salzburg im Oktober 2012 von der Deutschen Bank geholt hatte und der das "Schattenportfolio" von Monika Rathgeber erst entdeckte – befragt worden. Rathgeber sei "stinkbeleidigt" gewesen, wenn er Geschäfte abgelehnt habe, und habe ihn beschimpft. "Sie wollte immer 100 Prozent machen, 90 waren zu wenig", beschreibt Kutschera die hochspekulativen Aktivitäten der Finanzbeamtin.

Kutschera sagte aus, erstmals im Jahr 2001 Kontakt zu Rathgeber gehabt zu haben, als sie Referatsleiterin wurde. Er habe ihr in seiner damaligen Tätigkeit für die Deutsche Bank zunächst selbst aktiv Finanzprodukte angeboten. Im Zuge der Finanzkrise seien die Banken aber zunehmend restriktiver geworden. "Dann wurde es komplett anders. Rathgeber kam und sagte: 'Genau das Produkt will ich haben.'" Sie habe dabei für eine öffentliche Hand hochspekulativ agiert, ein Grund, warum viele Produkte, die von ihr angefragt wurden, von der Deutschen Bank nicht abgeschlossen wurden.

Was denn hochspekulativ heiße, wollte ein Ausschussmitglied wissen. "Geschäfte, bei denen man unbegrenzt verdienen, aber auch unbegrenzt verlieren kann", so Kutschera. Nach der Finanzkrise hätten die Banken keine so hochriskanten Geschäfte mehr angeboten. Um allfällige Verluste auszugleichen, habe Rathgeber daher immer größere Beträge einsetzen müssen, weil weniger Risiko auch weniger möglichen Gewinn bedeutet habe. "Das ist für mich die einzige Erklärung, weshalb ein so hohes Schattenportfolio entstanden ist."

Rathgeber bei Ablehnung "stinkbeleidigt und sauer"
"Es gab etliche Produkte, die ich abgelehnt habe. Rathgeber war oft stinkbeleidigt und sauer und hat mich persönlich beschimpft, wenn das passiert ist. Sie wollte immer 100 Prozent, 90 waren ihr zu wenig", so Kutschera. Selbst wenn ein auf 20 Jahre ausgelegtes Geschäft nach zwei Jahren schon mit einem Gewinn von 80 von möglichen 100 Prozent bewertet war, hätte sie sich gegen eine Auflösung gesträubt. "Sie hat nicht die 80 Prozent Plus gesehen, sie hat gesagt, da verliere ich 20 Prozent, wenn ich das Geschäft auflöse."

"Das Chaos ist mir unbegreiflich"
Kutschera beschrieb die 41-Jährige im Ausschuss als fachlich brillant. "Aber das Chaos, das sie hinterlassen hat, ist mir unbegreiflich und unverständlich." Man finde zwar jedes Derivat irgendwo abgelegt, "abzeichnungstechnisch" habe sie unprofessionell und in diesen Dimensionen unverantwortlich gehandelt. Er könne sich nicht vorstellen, dass sie weit mehr als 700 Einzelgeschäfte alle im Kopf gehabt hat. "Aber ihr traue ihr zu, die beiden Hauptrisiken - Zins- und Währungsrisiko - vor Augen zu haben. Da kann man schon abschätzen, in was für eine Richtung es geht."

An jenem 26. November, an dem Rathgeber bei einem Treffen mit dem damaligen Finanzlandesrat David Brenner erstmals einen möglichen Verlust von 340 Millionen Euro einräumte, habe sie zugegeben, nicht alle Positionen an die Deutsche Bank gemeldet zu haben. Auf die Frage, ob es schon einmal schlimmer gestanden sei, habe sie damals gesagt, ja, in den schlimmsten Zeiten sei das Portfolio mit bis zu 750 Millionen Euro im Minus gewesen. Gemeldet habe sie das nie. "Sie sagte, sie wollte nicht, dass Panik ausbricht und dass sie alles selber wiedergutmachen wolle. Was ihr ja auch gelungen sei, weil jetzt das Minus nur mehr bei 340 Millionen Euro liege."

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