Sa, 18. November 2017

Mysteriöser Tod

19.02.2013 19:08

Israel: „Gefangener X“ erhängte sich laut Gericht in Zelle

Der als "Gefangener X" in Israel bekannt gewordene mutmaßliche Mossad-Agent ist erhängt in der Dusche seiner Gefängniszelle gestorben. Das geht aus dem Protokoll zum Tod des mysteriösen Gefangenen hervor, das am Dienstag veröffentlicht wurde. Ein Gericht hatte zuvor eine teilweise Lockerung der strikten Nachrichtensperre in dem Fall entschieden. Regierungschef Benjamin Netanyahu warnte die Medien aber, eine allzu intensive Beschäftigung mit der Arbeit der israelischen Geheimdienste könne die "Sicherheit des Staates schwer beschädigen".

"Der Tote wurde erhängt in der Dusche seiner Zelle mit einem am Badfenster befestigten Bettlaken um den Hals aufgefunden", heißt es in dem Protokoll des Gerichts von Rishon-LeTsion nahe Tel Aviv. Der Mann starb demnach am 15. Dezember 2010 in Israels sicherster Gefängniszelle im Ayalon-Gefängnis (Bild). Laut Gerichtsmediziner hatte er "leichte Abschürfungen am linken Unterarm als Folge eines Schlages", der aber nicht den Tod verursacht habe. Zudem konnte im Blut des Gefangenen dem Untersuchungsbericht zufolge eine kleine Menge Schmerz- oder Beruhigungsmittel nachgewiesen werden.

Es handelt sich bei dem nach der Lockerung der Nachrichtensperre am Dienstag veröffentlichten Dokument aber nur um Teile des Untersuchungsberichts zum Tod des Gefangenen, den australische Medien als den australisch-israelischen Anwalt Ben Zygier identifiziert haben. Netanyahus Büro sprach am Dienstag in einer kurzen Stellungnahme zu dem Fall erstmals offiziell von "Herrn Zygier".

Mossad-Infos an Australien weitergegeben?
Der gebürtige Australier Zygier war einem Bericht des australischen Fernsehsenders ABC zufolge Anfang 2010 in Israel verhaftet worden, weil er sensible Informationen des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad an australische Geheimdienste weitergegeben habe. Laut ABC hatte der Mossad Zygier angeworben, der daraufhin 2001 nach Israel ausgewandert sei.

Netanyahu erklärte hingegen in der Stellungnahme am Dienstag, Zygier habe "keine Kontakte mit den australischen Sicherheitsdiensten" gehabt. Was dem damals 34-jährigen gebürtigen Australier vorgeworfen wurde, und ob er tatsächlich für den Mossad arbeitete, wurde in der Erklärung jedoch weiter offen gelassen.

Ex-Minister vermutet "Ernsteres als nur Info-Austausch"
Auch Australiens Ex-Außenminister Alexander Downer schaltete sich am Dienstag in die Diskussion über den mysteriösen Gefangenen ein. Es müsse schwerere Vorwürfe gegen Zygier geben als die bisher genannten, sagte Downer ABC. "Ich habe den Verdacht, dass es etwas Ernsteres war als nur der Austausch von Informationen mit dem (befreundeten australischen Geheimdienst) ASIO." Der Sender hatte zuvor berichtet, die israelischen Vorgesetzten von Zygier seien davon ausgegangen, dass er ASIO über "jeden Aspekt seiner Arbeit" informiert habe. Er sei deshalb vor rund drei Jahren in Israel festgenommen worden.

Zygier in Tötung von Hamas-Funktionär involviert?
Downer betonte zudem, er habe sich dafür eingesetzt, Israel vom Missbrauch australischer Pässe abzuhalten. "Ich habe sie gewarnt, keine australischen Pässe, auch keine gefälschten, zu benutzen", sagte der Politiker. Im Jänner 2010 war der führende Hamas-Funktionär Mahmoud al-Mabhouh in Dubai von mutmaßlichen Mossad-Agenten getötet worden. Drei Agenten sollen mit gefälschten australischen Pässen eingereist sein. Zygier war kurz darauf festgenommen und im Dezember 2010 tot in seiner Zelle aufgefunden worden.

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