Fr, 20. Oktober 2017

Langzeitstudie

19.02.2013 16:09

Wer als Kind zu viel fernsieht, tendiert eher zu Kriminalität

Wer als Kind viel fernsieht, läuft einer neuseeländischen Langzeitstudie zufolge stärker Gefahr als weniger fernsehaffine Altersgenossen, als Heranwachsender kriminell zu werden. "Die Wahrscheinlichkeit, bis zum jungen Erwachsenenalter verurteilt zu werden, steigt mit jeder Stunde, die ein Kind an einem normalen Wochenabend vor dem Fernseher verbringt, um jeweils 30 Prozent", heißt es in der Studie. Exzessiver Fernsehkonsum im Kindesalter führe demnach zu unsozialem Verhalten.

Die Debatte über die Auswirkungen des Fernsehens auf Kinder ist nicht neu, und so begannen die Wissenschaftler der Universität von Otago bereits Ende der 1970er-Jahre, den TV-Konsum von 1.000 Kindern zu analysieren. Die Kinder der Jahrgänge 1972 und 1973 wurden ab dem fünften Lebensjahr zehn Jahre lang bei ihren Fernsehgewohnheiten beobachtet.

Sobald die Studienteilnehmer das 26. Lebensjahr erreichten, werteten die Wissenschaftler ihren weiteren Werdegang aus. Die schiere Datenmenge und hohe Kosten haben nach Angaben der Universität die Aufbereitung der Studie bis jetzt verzögert.

Zusammenhang zwischen TV-Konsum und Lebensweg
Der Zusammenhang zwischen den Fernsehgewohnheiten und dem späteren Lebensweg sei sehr stark, schreiben die Autoren der Studie. Demnach bleibt er auch dann statistisch signifikant, wenn andere Faktoren wie Intelligenz, sozialer Status und die Art und Weise der elterlichen Aufsicht miteinbezogen werden. "Unsere Ergebnisse führen zu dem Schluss, dass weniger Fernsehen bei Kindern die Wahrscheinlichkeit späteren unsozialen Verhaltens reduziert", schreibt einer der Autoren, Bob Hancox.

Der Studie zufolge ist nicht allein der Inhalt des Fernsehprogramms verantwortlich für das spätere Verhalten der Heranwachsenden - auch wenn sie nicht ausschlossen, dass Kinder bestimmte Verhaltensweisen aus TV-Sendungen übernehmen. Prägend sei jedoch vor allem die Vereinsamung des Kindes vor dem Fernseher: "Diese Mechanismen könnten einen geringeren Austausch mit Gleichtaltrigen und Verwandten, schwächere Leistungen in der Schule und das Risiko der Arbeitslosigkeit fördern", schreiben die Wissenschaftler. Die Studie wurde in dieser Woche im US-Magazin "Pediatrics" veröffentlicht.

Auswirkungen von Gewaltspielen wohl "noch schlimmer"
Zu berücksichtigen sei allerdings, so Bob Hancox, dass die Daten der Studie aus einer Zeit stammen, in der Computer und Spielkonsolen noch nicht in die Kinderzimmer vorgedrungen waren. Die Auswirkungen der PCs und Konsolen auf Heranwachsende seien angesichts der vielen Gewaltspiele wohl "noch schlimmer" als Fernsehen, sagte Hancox gegenüber dem Radiosender New Zealand.

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