Fr, 17. November 2017

Siegerinterview

17.02.2013 18:54

Hirscher: „Ich dachte: ‚Oh Gott, die töten mich‘“

Marcel Hirscher hat am Sonntag eine der denkwürdigsten Erfolgsstorys in Österreichs jüngerer Sportgeschichte geschrieben. Der 23-Jährige holte im WM-Slalom in Schladming jene Goldene, die eine ganze Ski-Nation von ihm gefordert hatte. Das Siegerinterview.

Der Druck auf Ihren Schultern muss vor dem zweiten Durchgang unbeschreiblich groß gewesen sein. Wie sind Sie damit umgegangen?
Marcel Hirscher: 15 Minuten vor dem Start hab' ich leider angefangen, über dieses Rennen und das ganze Leben nachzudenken. Vier Millionen Österreicher schauen zu, alleine 40.000 hier auf dem Berg. Was passiert, wenn ich einfädle? Oh mein Gott, die werden mich töten.

Den detaillierten Rennbericht findest du in der Infobox.

Wie sind Sie diese Gedanken losgeworden?
Hirscher: Ich habe mich dann entschieden, die Situation durch meine Augen zu sehen. Was kann ich tun? So schnell wie möglich Ski fahren. Lieber ausscheiden als wieder Vierter werden. Das war meine Entscheidung. Ich habe es dann als Spiel gesehen. Als Spiel, in dem es um Medaillen geht. Und es hat Spaß gemacht, Teil dieses Spiels zu sein.

Ihr Sieg wurde bereits mit Heldentaten von Franz Klammer 1976 oder Hermann Maier 1998 verglichen. Ist Ihnen das schon bewusst geworden?
Hirscher: Ganz und gar nicht. Ich habe trotz meines jungen Alters schon sehr viel gelernt. Im Leben ist es nicht das Wichtigste, ein Ski-Weltmeister zu sein. Es gibt andere Dinge im Leben, die wichtiger sind: meine Familie, meine Beziehung mit Laura, meine Freunde, gesund bleiben.

Ist das der Grund, warum Sie nach dem Schladminger Nachtslalom 2012, dem Riesentorlauf beim Weltcup-Finale 2012 nun auch das dritte Rennen unter allerhöchster Drucksituation gewonnen haben?
Hirscher: Ich probiere immer schnellstmöglich Ski zu fahren, egal in welcher Situation. Im Grunde ist es egal, um was es geht. Ich will immer der Schnellste sein. Egal ob im Training oder im WM-Slalom.

War die Zieldurchfahrt die größte Emotion, die Sie in Ihrer Karriere bisher erlebt haben?
Hirscher: Vielleicht, wahrscheinlich. Ich weiß es nicht. Es war unglaublich emotional. Lasst die Bilder einfach für sich sprechen. Diese Bilder sagen mehr als 1.000 Worte.

Wann haben Sie zum ersten Mal davon geträumt, Weltmeister zu werden?
Hirscher: Das war in jungen Jahren. Als Teenager dann nicht mehr, weil das ein viel zu fernes Ziel war. So bin ich nicht erzogen worden. Meine Einstellung war, dass man schon etwas Großartiges erreicht hat, wenn man es in den ÖSV schafft. Weltmeister werden? Das war für mich völlig fremd.

Wie anstrengend war die WM für Sie? Zuerst das Facebook-Theater, dann die aufgewärmte Einfädler-Affäre, der Rummel um Ihre Person und dann noch die Rennen.
Hirscher: Ich war jetzt 14 Tage lang total "on fire". Vier Wochen WM würde ich nicht aushalten. Heiß, kalt, heiß, kalt, grantig, glücklich, grantig, glücklich. Es war eine anstrengende, zache Zeit, aber auch eine wunderschöne. Jetzt freue ich mich, dass die Anspannung nachlässt. Das ist ein sehr angenehmes Gefühl. Ich merke, dass ich schön langsam müde werde. Aber die Siegerparty in der Tenne lass' ich mir ganz sicher nicht entgehen.

Mit Brüllattacken in unbeobachteten Momenten lassen Sie Ihren Emotionen nach großen Siegen freien Lauf. Wo wird es den Weltmeister-Brüller geben?
Hirscher: Kurz nach der Siegerehrung hat es schon einen gegeben. Und es wird heute noch einige geben. Das ist meine Art und Weise, um den Druck rauszulassen.

Stimmt es, dass Sie die Nacht vor dem Rennen daheim verbracht haben?
Hirscher: Ja, ich habe mich entschieden, dass ich in meinem gewohnten Umfeld sein möchte. Und das war eine sehr gute Entscheidung. Wenn ich daheim die Haustüre zugemacht habe, dann habe ich die WM beiseitegeschoben. Ich habe die Nacht mit meiner Freundin verbracht, der Hund war auch ab und zu dabei.

Werden Sie sich für Ihre WM-Erfolge irgendwie speziell belohnen?
Hirscher: Laura und ich reden schon lange, dass wir g'scheit auf Urlaub fliegen wollen. Leider geht es sich nie aus. Aber das hätten wir uns schon schwer verdient.

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