Di, 21. November 2017

Missbrauchsfälle

11.02.2013 16:06

Stift Kremsmünster zahlte Opfern mehr als 700.000 Euro

Seit Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen Ordensangehörige im Jahr 2010 hat das Stift Kremsmünster in Oberösterreich mehr als 700.000 Euro, davon 200.000 Euro an Therapiekosten, an die Opfer der Übergriffe gezahlt. Im März soll nun eine externe wissenschaftliche Aufarbeitung starten. Wenn möglich, will man Rückforderungen an den Hauptbeschuldigten Ex-Pater - ihm droht eine Anklage - stellen, erklärten Abt Ambros Ebhart und der Pressesprecher des Stiftes, Pater Bernhard Eckerstorfer, am Montag.

Die Zahl der Opfer ist bis heute nicht exakt festzustellen: 38 haben sich bislang bei der Klasnic-Kommission gemeldet, davon 29 wegen sexuellen Missbrauchs. Fünf Betroffene sollen bei der Staatsanwaltschaft aktenkundig sein, nicht aber bei der Kommission. Vier weitere - sie waren bereits in den 1950er-Jahren Opfer von Übergriffen geworden - haben sich im Stift gemeldet. 45 ehemalige Zöglinge hatten sich gleich nach Bekanntwerden der Vorwürfe an die Diözesane Kommission gegen Missbrauch und Gewalt gewandt.

Diskrepanzen in den Zahlen seien vor allem mit Doppelnennungen, aber auch mit aus Datenschutzgründen teilweise nur spärlichen Angaben bei manchen Personen zu erklären, hieß es.

"Er hat uns das verheimlicht"
Der Großteil der Fälle stamme aus den 1970er- bis 1990er-Jahren und werde jenem mittlerweile ausgetretenen Ordensmann angelastet, gegen den noch ein Strafverfahren läuft, so der Abt. Zudem wurden auch noch zwei weitere Patres beschuldigt, seitens der Justiz wurden die Verfahren gegen die beiden aber bereits eingestellt. Gegen einen läuft noch ein kirchenrechtliches Verfahren, gegen den anderen hat Rom interne Auflagen verfügt. Die Fälle aus den 1950er-Jahren werden drei bereits verstorbenen Patres angelastet.

"Er (der Hauptbeschuldigte, Anm.) hat uns das verheimlicht", beteuerte Abt Ambros Ebhart. Er selbst habe von den Vorfällen nie etwas mitbekommen. Als 2008 gegen den Ordensmann ein Strafverfahren lief, das später wegen Verjährung eingestellt wurde, habe der Ex-Pater das ebenfalls verschwiegen. Auch davon, dass er eine nicht registrierte Pumpgun besaß und Schülern gegenüber die Waffe öfter drohend erwähnt haben soll, sei Ebhart nichts bekannt gewesen. Als er davon erfuhr, habe er den Ex-Pater zur Rede gestellt und Anzeige erstattet, erklärte der Abt.

Beide Geistliche betonten, wie wichtig Aufklärung sei, weil es über die fragliche Zeit in Kremsmünster "so viele unterschiedliche Wahrnehmungen" gebe. Man müsse klären, wieso niemand etwas bemerkt habe und Gerüchten zu wenig nachgegangen worden sei. "Diese Frage stelle ich mir oft", so der Abt.

Wissenschaftliche Aufarbeitung ab März
Am 1. März soll daher eine wissenschaftliche Aufarbeitung starten, die auch die Zeit ab 1945 einbezieht. Dazu will das Kloster mit dem Münchner Institut für Praxisforschung und Projektbearbeitung, das auch mit den Missbrauchsfällen im deutschen Kloster Ettal befasst war, zusammenarbeiten. Der Prozess soll eineinhalb Jahre dauern und wurde bewusst erst nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gestartet, so die Vertreter des Stiftes Kremsmünster.

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