Mo, 23. Oktober 2017

Interview

08.02.2013 13:56

Indie-Rocker Imagine Dragons erobern Europa

Von der Glücksspielmetropole Las Vegas zum Sturm auf die europäischen Musikmärkte - die boomenden Indie-Rocker Imagine Dragons erobern die österreichischen iTunes-Charts und geben sich im April im Flex die Ehre. Im "Krone"-Interview spricht die Band über Wiener Würstchen, sechsstündige Live-Sets und warum beim Songschreiben schon mal die Flaschen fliegen.

Man kennt in erster Linie die Killers, vielleicht sogar auch noch die weniger populären Panic! At The Disco. Doch in der Glücksspielmetropole Las Vegas wächst mit den Imagine Dragons zurzeit eine neue musikalische Pflanze heran. Das sympathische Quartett wurde hierzulande bereits mit den Single-Auskoppelungen "It's Time" und "Radioactive" bekannt, das offizielle Debütalbum "Night Visions" stieg in den österreichischen iTunes-Charts vom Stand weg in die Top 5 ein.

Angenehmes Mysterium
Für Sänger Dan Reynolds ist der europäische Erfolg ein angenehmes Mysterium: "Wir haben schon eine kleine Tour in Europa gespielt und hatten bis zu dem Zeitpunkt noch nichts Relevantes veröffentlicht. Plötzlich waren aber die meisten Shows ausverkauft, und die Leute haben unsere Texte mitgesungen, das war unglaublich."

Die zuvor erwähnten Songs kennen österreichische Game-Fans von den Werbungen zu den Spielen "Assassin's Creed 3" und "FIFA 13", auch die Weiten des Internets haben die Imagine Dragons abseits der physischen Tonträger in Mitteleuropa bekannt gemacht. Die Bedeutung des Bandnamens halten sie geheim. "Ich habe nicht einmal meiner Mutter gesagt, worauf er sich bezieht", schmunzelt Reynolds.

Verschiedene Geschmäcker
Ähnlich mysteriös funktioniert auch die Musik der Imagine Dragons, die neben Indie-Rock auch Folk, Pop, Hip Hop und Electronic-Einsprengseln enthält. Damit lässt sich das Mainstream- und Alternative-Publikum gleichsam unterhalten. Für Schlagzeuger Daniel Platzman resultiert das aus der musikalischen Vielfältigkeit: "Wir bringen auch innerhalb der Band so viele musikalische Geschmäcker auf einen Nenner, dass sich das wohl auch auf unsere Hörer wiederspiegelt."

Das Songwriting verläuft bei den Imagine Dragons ganz demokratisch ab. "Dan schreibt bei uns alle Texte, aber musikalisch gesehen darf natürlich jeder seine Ideen einbringen", sagt Gitarrist Wayne Sermon, "bei wirklich wichtigen Entscheidungen entscheidet dann einfach die Mehrheit." Dass es da mitunter zu Streit kommt, will Platzman gar nicht abstreiten: "Ich habe einmal eine Flasche auf Dans Kopf geworfen, das hat ihm natürlich nicht so gut gefallen", lacht er, "aber prinzipiell können wir uns das schon ausdiskutieren. Da wir uns öfter sehen als unsere eigenen Familien, ist gegenseitiger Respekt natürlich unumstößlich."

Überlange Konzerte
Dass die Band die "Sin City" Las Vegas als musikalischen Erziehungsraum hatte, ist Sänger Reynolds geschuldet: "Die Jungs sind alle an der renommierten Bostoner Musikschule Berklee gewesen und ich habe sie überredet hierherzukommen. New York oder Los Angeles kamen nicht infrage, dort ist alles so überkandidelt. Wir haben uns ein Haus geteilt, zusammen gelebt und die Casinos um Auftritte angebettelt. Wir haben dort oft Sechs-Stunden-Sets gespielt." Eine Mischung aus unzähligen Cover-Songs und eigenen Liedern.

Die Imagine Dragons haben sich mit Versionen von Bob Marley, den Rolling Stones oder MGMT durch ihre eigenen Inspirationsquellen gespielt und behutsam eigene Songs geformt. Dort auch wahrgenommen zu werden, ist aufgrund Dutzender Ablenkungsmöglichkeiten wie Black-Jack- und Roulette-Tische, glitzernde Lichtermeere und dröhnende Hintergrundbeschallung gar nicht einfach: "Du musst deine ganze Energie und Begeisterung in das Set stecken, nur so kommst du authentisch und interessant rüber", weiß Bassist Ben McKee, "wir haben das über die Jahre hinweg geschafft."

Keine Vergleichsprobleme
Die auf der Hand liegenden Vergleiche mit den kommerziell in der Oberliga spielenden Killers stören Reynolds keinesfalls: "Ich sehe das als großes Kompliment und kann mich nur dafür bedanken. Aber ich bin mir auch sicher, dass diese Vergleiche zurückgehen werden, wenn die Leute erst einmal unser Album gehört haben."

Brauchen Indie-Rock-Bands jetzt aber wirklich schlechte Laune, um gute Songs zu schreiben? "Oh Gott, klingt das Emo", lacht Reynolds, "ich weiß es nicht. Manchmal läuft das Leben eben nicht so, wie man will, und dann entstehen vielleicht die besten Songs daraus. Die Beatles haben aber das Gegenteil bewiesen – wir liegen irgendwo dazwischen."

Von dieser musikalischen Ambivalenz überzeugt ihr euch am besten selbst, wenn die Imagine Dragons ihr neues Album am 26. April im Wiener Flex ("Bislang kennen wir von euch nur Wiener Würstchen") präsentieren werden. Karten bekommt ihr unter 01/960 96 999 oder im "Krone"-Ticketshop.

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