Sa, 16. Dezember 2017

Im Dienst der Mafia?

07.02.2013 17:19

Verhafteter Polizist wurde schon einmal suspendiert

Jahrelang soll die Serben-Mafia, wie berichtet, in einem Grenzpolizisten vom Flughafen Schwechat einen wohlgesonnen Verbündeten gehabt haben. Der 40-jährige Beamte mit serbischen Wurzeln ist jedoch kein unbeschriebenes Blatt. Spielsucht und Reiselust führten schon einmal zu einer bedingten Haftstrafe. Über den Mann wurde nun die U-Haft verhängt.

Bei den Ermittlungen gegen einen der ihren steht das Bundesamt zur Korruptionsbekämpfung, kurz BAK, am Anfang. Denn wenn der verhaftete Revierinspektor vom Flughafen Schwechat "singt", könnten weitere Verhaftungen folgen. Wie vielen Verbrechern der Verdächtige in seiner Funktion als Grenzpolizist zur Einreise nach Österreich verholfen haben soll, ist noch unklar.

Warum er das getan hat, ist hingegen schnell erklärt: Bis vor zwei Jahren war der 40-Jährige verheiratet. Er ist Vater eines Sohnes, besitzt ein Haus in Serbien. Dann brach alles auseinander. Die Wettbüros in Wien-Favoriten wurden zu seiner zweiten Heimat - und seinem finanziellen Ruin. Ebenso wie im Internet gebuchte Last-Minute-Reisen, die er allerdings nie bezahlt haben soll.

"Einige Hundert Euro" pro Tat abkassiert
Mehr oder weniger zeitgleich mit seiner Trennung erfolgte auch die erste Suspendierung. Der Polizist soll seine Kollegen um Geld betrogen haben. Dafür kassierte er eine bedingte Haftstrafe. Anschließend wurde er wieder in den Dienst gestellt. Und da habe der Verdächtige immer wieder denselben Wunsch geäußert: Er wollte bei der Passkontrolle arbeiten.

Die Geldquelle, die sich durch die Zusammenarbeit mit Kriminellen öffnete, dürfte der mutmaßliche Täter schon vor Jahren erkannt haben. Pro eingeschleuster Person oder gefälschtem Stempel soll er "einige Hundert Euro" kassiert haben. Die Ermittlungen gegen ihn starteten nach anonymen Hinweisen aus den eigenen Reihen.

"Polizei soll Spiegelbild der Gesellschaft sein"
Für die Exekutive und das Vorzeigeprojekt "Migranten zur Polizei" ist die Optik freilich verheerend. "Die ethnische Zuordnung ist aber sicher keine Erklärung für diesen Fall", betonte Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums. Denn seit einigen Jahren wird bei der Exekutive gezielt um Menschen mit ausländischen Wurzeln geworben, da in heimischen Großstädten bis zu einem Viertel der Bewohner Migrationshintergrund hat. Der Grund: "Die Polizei soll ein Spiegelbild der Gesellschaft sein", erklärte Grundböck.

Vor allem Wien bemüht sich seit dem Jahr 2009 vermehrt um Österreicher mit Migrationshintergrund. Die Betonung liegt auf "Österreicher", gab Grundböck zu verstehen. "Die Staatsbürgerschaft ist Voraussetzung." Beim Auswahlverfahren wird jedoch kein Unterschied zwischen Anwärtern mit und ohne Migrationshintergrund gemacht, so der Sprecher.

Seinen Schätzungen zufolge haben rund zehn Prozent all jener Beamten, die jährlich ihren Dienst antreten, Migrationshintergrund – also knapp hundert Männer und Frauen. Für die tägliche Arbeit sei das ein großer Vorteil. "Die österreichische Polizei spricht 16 Sprachen, versteht und vertritt ebenso viele Kulturkreise", so Grundböck.

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