Fr, 24. November 2017

„House of Cards“

02.02.2013 09:00

Kevin Spacey hat in packender Polit-Serie keine Skrupel

Im politischen Machtkampf ist oft jedes Mittel recht, um zum Ziel zu kommen. Welche Schritte jenseits von Legalität, Anstand und Moral dabei gesetzt werden, zeigt nun die US-Serie "House of Cards", die einen sezierenden Blick auf Washingtons Abgründe wirft.

Regisseur David Fincher ("The Social Network") wagt sich mit seiner Adaption der gleichnamigen BBC-Serie erstmals aufs Fernsehparkett und setzt den Erfolgslauf von TV-Formaten der vergangenen Jahre eindrucksvoll fort. Ab 4. Februar (21 Uhr), drei Tage nach dem US-Start, ist die erste, auf 13 Episoden angelegte Staffel des Politdramas auf Sky Atlantic HD zu sehen.

Spacey als zynischer, machthungriger Politiker
"Ich mache die notwendigen, unangenehmen Dinge", lässt Kongressabgeordneter Francis Underwood (Kevin Spacey) das Publikum gleich zum Einstieg wissen: Den strengen Blick direkt in die Kamera gerichtet, "erlöst" er einen von einem Auto angefahrenen Hund von seinem Leiden. Fincher konzentriert sich in den ersten Minuten gänzlich auf seinen Hauptdarsteller und zeichnet das Bild eines zynischen, machthungrigen Politikers, der sich des angestrebten Amtes als Außenminister im Kabinett des neuen US-Präsidenten Garrett Walker sehr sicher ist. Zu Unrecht, wie sich herausstellen soll.

Nur kurz verliert Underwood angesichts dieser Entwicklung seine Fassung, bevor das Pokerface gegenüber seinen Kollegen wieder bombenfest sitzt und er gemeinsam mit seiner Ehefrau Claire (Robin Wright) einen neuen Plan schmiedet. Dieser inkludiert vor allem Intrigen, was sich zunächst in der Torpedierung einer Bildungsreform und einer recht unmoralischen Zusammenarbeit mit der jungen, ambitionierten Journalistin Zoe Barnes (Kate Mara) ausdrückt. Gezeigt wird dies in für Fincher typischen, weil ebenso nüchtern wie ästhetisch gehaltenen Bildern, die ganz auf die Dynamik zwischen den Protagonisten setzen.

Paarlauf in Richtung Macht
Bestechend dabei vor allem Spacey und Wright: Stellen ihre Figuren schon für sich genommen in ihren jeweiligen Metiers - Claire engagiert sich für eine Wohltätigkeitsorganisation - skrupellose, ganz dem Erfolg ergebene Charaktere dar, gerät das Zusammenspiel zum unheimlich-ambitionierten Paarlauf in Richtung Macht. "Ich liebe diese Frau mehr, als Haie Blut lieben", so Underwood im Moment seiner größten Niederlage - und man kauft ihm diese kompromisslose Liebe völlig ab.

Spielte das Original 1990 noch im britischen Parlament der auslaufenden Thatcher-Ära und basierte auf den Romanen von Michael Dobbs, hat Produzent und Drehbuchautor Beau Willimon, der auch für den Politthriller "Ides of March" die Vorlage lieferte, das Spiel um Macht und Einfluss gekonnt ins Heute übertragen.

Neben Jeff Beals stimmungsvoller, düster-pulsierender Musik, den amüsanten Zwischentönen und Finchers Gespür für Atmosphäre ist es besonders das Durchbrechen der "vierten Wand", das zum zentralen Erzählinstrument gerät: Wie in der BBC-Vorlage spricht Underwood immer wieder direkt zu den Zusehern, kommentiert das Geschehen und eröffnet seine eigentümlichen Ansichten: "Willkommen in Washington."

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