Sa, 18. November 2017

Stadion-Krawalle

26.01.2013 14:36

21 Todesurteile nach Massaker in Ägypten

Wegen tödlicher Fan-Krawalle nach einem Fußballspiel vor knapp einem Jahr in Ägypten mit 74 Toten und rund 1.000 Verletzten sind am Samstag 21 Personen zum Tode verurteilt worden. Die Urteilsverkündung in Kairo wurde vom Staatsfernsehen live übertragen. Nach dem Richterspruch kam es zu schweren Ausschreitungen, bei denen mindestens 30 Menschen ums Leben kamen.

Das Urteil wurde im Gericht von den Familien der 74 Opfer mit Jubel begrüßt. Beim Richterspruch riefen sie spontan "Allahu Akbar" (Gott ist groß). Angehörige der Verurteilten wiederum versuchten laut Angaben des Staatsfernsehens nach dem Richterspruch, das Gefängnis in Port Said gewaltsam zu stürmen, in dem die zu Tode Verurteilen inhaftiert sind. Im Zuge der Ausschreitungen wurden mindestens 30 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt.

Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt. Das Innenministerium in Kairo sprach von "gewaltsamen und blutigen Zusammenstößen". Das Gericht und das Gefängnis seien beschossen worden. Die Nachrichtenagentur Mena berichtete, die Armee habe die Entsendung von Truppen in die Hafenstadt an der nördlichen Einfahrt zum Suez-Kanal beschlossen.

74 Tote bei Stadion-Massaker
Vor einem Jahr hatten in Port Said Anhänger des mit 3:1 siegreichen heimischen Teams Al-Masri gegen Ende der Partie das Spielfeld gestürmt und Jagd auf Spieler der Kairoer Gastmannschaft Al-Ahli gemacht. Kämpfe zwischen den gegnerischen Fans entbrannten, eine Massenpanik entstand. Zuschauer wurden totgetrampelt oder stürzten von den Rängen. Es gab 74 Tote und rund 1.000 Verletzte. Bei anschließenden Straßenkämpfen wurden weitere 16 Menschen getötet.

Alle Spiele der ägyptischen Liga wurden seitdem ausgesetzt, der Spielbetrieb soll aber am 1. Februar wieder starten. Es war die schlimmste Tragödie in der Fußballgeschichte des Landes.

Viele Fans warfen den Sicherheitskräften vor, die Katastrophe aus Rache angestachelt zu haben, denn die Al-Ahli-Anhänger spielten eine große Rolle bei der Revolte gegen den gestürzten ägyptischen Langzeitmachthaber Hosni Mubarak. Eine Parlamentsuntersuchung kam dagegen zu dem Ergebnis, dass die Unruhen nicht von Anhängern des damals regierenden Militärrats geschürt wurden - verantwortlich waren demnach die Fans selbst sowie mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen.

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