So, 19. November 2017

Hautprobleme

25.01.2013 16:52

Hautzeichen: Die Haut als Spiegel der Seele

Die Beziehung zwischen Haut und Seele ist eng. Unbewältigte Probleme spiegeln meist den Gemütszustand wider. Auch berühmte Stars sind deshalb vor Hautproblemen nicht gefeit: Britney Spears etwa leidet unter Psoriasis, Cameron Diaz unter Akne.

"Mehr als 40 Prozent der Neurodermitis-, Psoriasis- und Akneschübe werden von psychisch belastenden Lebensereignissen oder Stresseinflüssen ausgelöst", betonte Prim. Univ-Prof. Dr. Josef Auböck, Abteilung für Dermatologie und Venerologie am AKH Linz, bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie in Linz. Stress verschlechtert auch die Wundheilung.

Gerät man in eine belastende Situation, reagiert unser Nerven-, Hormon- und Immunsystem mit einem Anpassungsmechanismus. Der Körper schüttet vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin aus. Hormone setzen Entzündungsprozesse in Gang. Zellen des Immunsystems wandern aus dem Blut ins Gewebe.

Dann kommt das Hormon Cortisol ins Spiel. Es versucht, die durch Adrenalin und Noradrenalin verursachten Entzündungen wieder zurückzufahren. Chronische Belastungssituationen, vor allem in der Kindheit, können dieses Gleichgewicht aber verschieben. Dann produziert der Körper irgendwann nicht mehr genug Cortisol. Sind die Betroffenen erneut starken psychischen Strapazen ausgesetzt, werden die Reaktionen nicht mehr gedämpft, es können Hautkrankheiten (vor allem eben entzündliche) entstehen.

Haut als Verbindung zur Seele
Sanfte Berührung hingegen löst Angst, tröstet, lindert Schmerzen und entspannt. Deshalb wirken auch Massagen so wohltuend. Geschätzte zehn bis 20 Millionen Sinneszellen machen unsere Haut zur fühlenden Hülle und Verbindung zur Seele. Sie stellt die Begrenzung des Organismus nach außen sowie innen dar und erfüllt viele lebenswichtige Funktionen, unter anderem als Schutzorgan, bei der Immunabwehr, als Schmuck und Kommunikationsorgan.

Die Haut ist sozusagen das Sinnesorgan für Freude, Liebe, aber auch Zurückweisung. Die Sensibilität ist dabei ungleich verteilt: Während der Rücken eher "dickfellig" ist, drängen sich die Empfindungspunkte am dichtesten an Lippen, Zunge und anderen sogenannten erogenen Zonen.

Die Bedeutung der Hautsinne für die psychische und physische Reifung des Menschen ist enorm. Schon in der sechsten Schwangerschaftswoche ist das Tastempfinden des Fötus entwickelt. "Aus den ersten Berührungen buchstabiert das Heranwachsende ein Alphabet für künftige körperliche Erfahrungen, seinen ganz persönlichen 'Zugangscode' zum Kosmos der Gefühle", betont Prim. Auböck. Deshalb sind auch Hautkontakte von Eltern und Babys in den ersten Jahren so enorm wichtig.

Schon ein altes syrisches Sprichwort sagt: Des Menschen Schönheit liegt in der Gesundheit seiner Haut und sein Elend in ihrer Krankheit. Ein Beispiel aus dem Alten Testament erzählt von Hiob, einem wohlhabenden Mann, der von Gott schwer geprüft wird: Er verliert seine Familie, seinen Besitz und wird zum Aussätzigen. Seine Freunde stehen ihm nicht bei, sondern werfen ihm sündhaftes Verhalten als Grund für sein Hautleiden vor.

Leidensdruck bei Hautkrankheiten
Schuld- und Schamgefühle begleiten Patienten oft ein Leben lang. Sie fühlen sich stigmatisiert und abgelehnt. Sichtbare und schwere Hauterkrankungen verursachen oft einen unerträglichen Leidensdruck. Das nagt am Selbstwertgefühl. Kontaktängste und depressives Rückzugsverhalten können die Folgen sein.

"Psoriasis wird beispielsweise von den Erkrankten physisch und psychisch mindestens ebenso einschränkend, ja mitunter schlimmer erlebt als zahlreiche andere schwerwiegende Leiden wie Krebs, Depression oder Diabetes", berichtet Prim. Auböck.

"Psoriasispatienten entwickeln aber im Laufe ihrer Krankheit offenbar eine ganz besondere Art der Bewältigungsstrategie, die ihnen den Umgang mit jenen Mitmenschen erleichtert, aus deren Gesichtsausdruck ihnen Ablehnung und Ekel entgegenschlägt: Zeigt man gesunden Kontrollpersonen Bilder von menschlichen Gesichtern, die Abscheu ausdrücken, kann man mittels sogenannter funktionaler Magnetresonanztomographie eine deutliche Aktivierung eines bestimmten Bereiches im Gehirn erkennen. Bei Psoriasispatienten dagegen ist die Reaktion abgeschwächt. Das bedeutet, dass bei Betroffenen die Wahrnehmung offenbar blockiert, um sich damit vor noch größerem emotionalen Leidensdruck zu schützen."

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden